Interviews & Gestaltung der Einladung
Interviews & Gestaltung der Einladung
3. Interviews zur Ermittlung der Bedürfnisse der Zielgruppen
Bevor wir die Mailvarianten für Experiment 1 formuliert hatten, führten wir qualitative Interviews mit Personen aus allen drei Zielgruppen. Wir wollten dadurch ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, warum Menschen an DEI-Veranstaltungen teilnehmen – oder eben nicht und welche Rolle die Kommunikation dabei spielt.
Um alle Teilnehmenden vergleichbar zu befragen, nutzten wir einen standardisierten Interviewleitfaden. Pro Zielgruppe wurden drei Interviews geführt.
Die genauen Leitfadenfragen findest du in der folgenden Abbildung:

4. Ergebnisse der Interviews
Da wir im Experiment den Mailinhalt anpassen wollten, stand für uns die Beantwortung dreier zentraler Fragestellungen im Fokus:
- Welche persönlichen oder strukturellen Faktoren beeinflussen die Teilnahmeentscheidung?
- Wie könnte eine generelle Erhöhung der Motivation zur Teilnahme erfolgen?
- Welche kommunikativen Elemente könnten die Teilnahme erhöhen?
5. Gestaltung der Einladung nach Zielgruppe
Studierende
Die Mail für die Studierenden wurde bewusst anders gestaltet als die Kontrollmail. Statt einer sachlich-informativen Einladung setzten wir auf emotionale Aktivierung, persönliche Relevanz und identitätsnahe Ansprache, sowie Sinnhaftigkeit der Veranstaltung.

Hier findest du den Mailinhalt als Textformat.
Persönliche Relevanz herstellen
Die ersten Zeilen sowie der Betreff sollten die persönliche Relevanz hervorheben. Diese Elemente wurden gewählt, weil Studierende in den Interviews betonten, dass Diversität für sie nur dann relevant sei, wenn sie sich persönlich angesprochen fühlten oder sich in eigenen Erfahrungen wiederfänden. Also schufen wir einen emotionalen Anker, der ein Gefühl von „Das betrifft auch mich.“ hervorrief. Die Mail erklärte sehr klar und ohne normative Sprache, warum Diversität etwas ist, das alle betrifft.
Übersättigung adressieren & Sinnhaftigkeit herstellen
Wir griffen zwei Bedürfnisse auf, die in den Interviews dargestellt wurden:
- Studierende empfinden das Thema oft als übersättigt.
- Sie brauchen eine klare Begründung, warum der Vortrag für sie persönlich wertvoll ist.
Nutzenargumentation
Die Mail enthielt mehrere „Warum du das nicht verpassen solltest“-Punkte, die direkt die Bedürfnisse aus den Interviews aufgriffen:
- Nachdenkimpulse statt Belehrung
- praktische Tipps
- neue Perspektiven auf sich selbst und andere
- Entwicklung persönlicher Kompetenzen
Dadurch wurde das Gefühl von „Es bringt mir was“ gestärkt.
Catchy Hookline & auffälliger Betreff
„Vielfalt beginnt nicht bei den anderen. Sie beginnt bei dir.“ Diese Hookline erfüllte gleich mehrere Anforderungen:
- er fiel auf
- er weckte Neugier
- er erzeugte persönlichen Bezug
Sprachstil
Die Mail nutzte:
- aktivierende Emojis (stilvoll und nicht übertrieben)
- kurze Sätze
- direkte Ansprache („du“)
- unkomplizierte Sprache
Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
Die Mail für die wissenschaftlichen Mitarbeitenden wurde bewusst so gestaltet, dass sie an die Arbeitsrealität dieser Zielgruppe anschloss.
Die Interviews zeigten deutlich: WiMis reagierten am stärksten auf Argumente, die ihren Forschungsalltag, ihre Rolle als Wissenschaftler*innen und ihre begrenzte Zeit berücksichtigten.
Hier findest du den Mailinhalt als Textformat
Persönliche Relevanz über die Forschungsidentität herstellen
Die ersten Zeilen sollten direkt die Relevanz der Inhalte für die eigene Arbeit highlighten. „Was haben die erfolgreichsten Forschungsteams gemeinsam?“
Dieser Einstieg aktivierte:
- Wissensneugier
- akademische Identität
- intrinsisches Interesse statt moralischen Drucks
Der Bezug zu realen Forschungsprozessen („Engineering to face climate change“, Innovation, kreative Lösungen) machte das Thema Diversität unmittelbar greifbar und relevant für das tägliche wissenschaftliche Arbeiten.
Wissenschaftliche Sinnhaftigkeit statt moralischer Appell
Abgeleitet aus den Interviews wollten WiMis, die nicht viel Zeit haben, verstehen:
- „Was bringt mir das für meine Forschung?“
- „Warum ist das für meine Arbeit wichtig?“
Daher setzte die Mail auf wissenschaftlich begründete Nutzenargumente:
- divers zusammengesetzte Teams bringen mehr Innovation
- verschiedene Perspektiven führen zu besseren Ergebnissen
- Vielfalt = Innovationsprinzip, nicht nur Ethikthema
Aktivierende Sprache & strukturierte Aufmerksamkeit
Damit die Mail nicht zwischen vielen anderen E-Mails unterging, wurde ein auffälliger, wissenschaftsnaher Betreff gewählt: „Mehr Ideen. Bessere Forschung. Dank Vielfalt?“
Dieser Betreff:
- war kurz
- verband DEI mit Wissenschaft
- nutzte eine Frage (aktiviert kognitiv)
- erzeugte Neugier statt Widerstand
- wirkte nicht belehrend
Verwaltungsmitarbeitende
Die Mail für die Verwaltungsmitarbeitenden wurde bewusst so gestaltet, dass sie die organisatorischen Rahmenbedingungen dieser Zielgruppe adressierte.
Aus den Interviews ging hervor: Verwaltungsmitarbeitende reagierten besonders sensibel auf Zeitfaktoren, Vorgesetztenabhängigkeiten, Unklarheiten in DEI-Begriffen und die Frage nach persönlicher Relevanz.

Hier findest du den Mailinhalt als Texformat.
Persönliche Relevanz & Notwendigkeit
Der Einstieg „Was bedeutet eigentlich Diversität? Kurz gesagt: Menschen sind unterschiedlich.“ machte sofort deutlich:
- jede Person gehört dazu
- jede bringt etwas mit
- jede erlebt Vielfalt im Arbeitsalltag
Niedrigschwellige & verständliche Erklärung von DEI-Begriffen
Ein wichtiges Interviewergebnis war: Viele Begriffe (z. B. „Unconscious Bias“) wirkten abschreckend oder unverständlich.
Die Mail ging dem aktiv entgegen, indem sie:
- komplett ohne Fachbegriffe startete
- Diversität in klaren, einfachen Sätzen erklärte
- den Nutzen konkret machte: „Teams, die Unterschiede wertschätzen, arbeiten besser zusammen“
Die Bulletpoints waren bewusst kurz und konkret formuliert:
- „Eine verständliche Einführung – ganz ohne Fachjargon“
- „Impulse für ein besseres Arbeitsklima“
- „Praxisbeispiele, die das Bewusstsein schärfen“
Diese Elemente senkten Einstiegshürden und signalisierten: „Du musst nichts wissen, um teilzunehmen.“
Betonung der Rolle von Führungskraft & Zusammenarbeit
In den Interviews zeigte sich: Verwaltungsmitarbeitende wünschten sich mehr Vorbildfunktion von Führungskräften.
Die Mail griff das mit zwei Setzungen auf:
1. „Führungskräfte, die Vielfalt fördern, schaffen ein stärkeres Miteinander“
Dies machte deutlich: Diversität ist nicht nur „Thema für Betroffene“, sondern Führungs- und Teamaufgabe.
2. „Diversität ist kein neues Projekt. Es ist ein gemeinsamer Weg.“
Dieser Satz erfüllte zwei Funktionen:
- reduzierte Erwartungsdruck
- machte DEI zu einem kollektiven Prozess, nicht einer individuellen Aufgabe