2. Inhalt
1. Zuverlässigkeit Technischer Systeme
Absolute Sicherheit existiert in der Praxis nicht, denn:
- Jedes technische und biologische System kann ausfallen
- Jedes technische und biologische System ist ein Kompromiss aus sich widersprechenden Forderungen in Bezug auf Sicherheit und Effizienz

Neben menschlichem Fehlverhalten und klassischem strukturellem Versagen (Bruch eines Bauteils) kommt inzwischen in komplexen Systemen wie Flugzeugen der Systemsicherheit und damit auch der Sicherheit technischer Systeme eine große Bedeutung zu.
Der oft für Computersysteme verwendete Begriff der Systemsicherheit lässt sich in Bezug auf die Luftfahrt vielschichtig und vielseitig verwenden. Dies ist etwa hinsichtlich der Sicherheit des Gesamtsystems Luftfahrt (etwa gegen Störungen von außen), hinsichtlich eines Flugsteuerungssystems (etwa gegen mechanische oder elektromagnetische Störungen) oder hinsichtlich der in der Luftfahrt verwendeten Software möglich. Die Sicherheit technischer Systeme muss als zusammengesetzter Begriff Vorstellungen von einem Sicherheitsbegriff und Vorstellungen von technischen Systemen vereinen. Konzentriert man sich beim Sicherheitsbegriff auf Fragen der funktionalen Sicherheit, so sind diese quasi untrennbar mit der Zuverlässigkeit technischer Systeme verknüpft.
Viele Systeme sind redundant ausgelegt, um die Zuverlässigkeit, mit der die Systemfunktion erfüllt werden kann, zu erhöhen. Redundanz bedeutet, dass die gleiche Funktion von mehreren Elementen wahrgenommen werden kann. So zum Beispiel die Steuerung um die Rollachse über (mehrere) Querruder und (mehrere) Rollspoiler.
Entscheidend ist das Verständnis von Funktions- bzw. Versagenslogik über Blockschaltbilder. Ein einfaches Blockschaltbild legt nahe, wie zwischen paralleler und serieller Übertragung (Reihenschaltung) ein erheblicher Unterschied in der funktionalen Sicherheit und den Ausfallszenarien besteht.
Welches Signal kommt mit größerer Wahrscheinlichkeit an?
Letztlich müssen die üblichen Anforderungen zu Sicherheit / Zuverlässigkeit / Lufttüchtigkeit eingehalten werden.
Einschlägige Normen:
- Zuverlässigkeit nach FAR/Advisory Circular §1309: Wahrscheinlichkeit der Fehlerklasse
- SAE/ARP4754, RTCA DO-178C: System Development Assurance / Qualität der Softwareentwicklung

Dem aufmerksamen Leser fallen jedoch bereits einige Kopplungen auf. So ist das Beschleunigungsverhalten ein Resultat der Eigenschaften von Motor und sonstigem Fahrzeug. Zudem wurden Schnittstellen zwischen Motor und sonstigem Fahrzeug wie etwa die Anbauteile des Motors oder das Getriebe genannt. Über diese Beziehungen lässt sich das gesamte Fahrzeug systemtechnisch beschreiben. Ab einem gewissen Detaillierungsgrad entstehen in dem systemtechnischen Modell eines PKW, das wir uns im Kopf vorstellen können, Zielkonflikte wie etwa zwischen Reichweite, Beschleunigung und Zuladung. Die Komponenten und deren Beziehungen lassen sich systematisch Katalogisieren und beschreiben. Erkennen wir jedoch komplexe Abhängigkeiten, die womöglich nicht gerichtet (im Sinne von Ursache und Wirkung), sondern multikausal sind und dynamische bzw. nicht-lineare Abhängigkeiten, so wird der Blick auf das Gesamtsystem systemisch.
In Systemen, die von Mechanik, Elektrik und Software geprägt sind, sind Sicherheit und Zuverlässigkeit zudem Themen, die in all diesen Bereichen betrachtet werden müssen, wie etwa
- Mechanik: Festigkeit
- Elektrik: MTBF - Mean Time Between Failures
- Software: Qualitätssicherung