weitere Dimensionen
weitere Dimensionen
Innere Dimensionen
1. Geografische Lage
Beispiel:
Eine Person aus einem entlegenem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern würde gerne an Abendveranstaltungen ihrer Firma (bspw. After Work) teilnehmen, aber da nach 20:00 Uhr keine Busse mehr fahren und sie kein Auto hat, wäre eine Anfahrt mit viel Aufwand verbunden.
Hintergrund:
Der Ort oder die Stadt, in der wir wohnen, hat einen Einfluss darauf, welchen Zugang wir zu Bildung, Infrastruktur, Mobilität und Kultur haben. Personen, die auf dem Land leben, müssen sich auf schlechtere öffentliche Verkehrsanbindungen und weniger Joboptionen einstellen. Dadurch entstehen für die Person strukturelle Nachteile, die unabhängig von ihren Kompetenzen sind.
2. Einkommen
Beispiel:
Einkommensschwache Familien können sich oft die Selbstbeteiligung an Klassenfahrten nicht leisten, was dazu führt, dass deren Kinder dadurch ausgeschlossen werden.
Hintergrund:
Unser Einkommen steht oft in direktem Zusammenhang damit, welche Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten unsere Kinder wahrnehmen können.
3. Gewohnheiten
Beispiel:
Ein Kollege hält sich an eine bestimmte Diät, weshalb er immer seine eigenen Gerichte mit zur Arbeit bringt. Er geht deshalb auch nicht mit seinen Kolleg*innen zum Mittagessen. Aufgrund seiner Essgewohnheiten wird er oft belächelt, da sein Umfeld diese als völlig übertrieben und nicht nachvollziehbar ansieht.
Hintergrund:
Essgewohnheiten, egal ob kulturell geprägt, gesundheitlich motiviert oder persönliche Vorlieben, sind Teil individueller Routinen. Oft erfahren Menschen mit „abweichenden“ Gewohnheiten (z. B. vegane Ernährung, kein Alkohol etc.) Abwertung oder werden nicht ernst genommen. Allerdings sind Gewohnheiten tief in unserer Identität verwurzelt.
4. Freizeitverhalten
Beispiel:
Eine Person verbringt ihre Wochenenden gerne auf Techno-Raves, im Team ist das ungewöhnlich, was zu Vorurteilen führt („nicht seriös“, „unprofessionell“).
Hintergrund:
Freizeitverhalten hängt mit Interessen, sozialem Umfeld, kulturellem Kapital oder der jeweiligen Lebensphase zusammen. Unterschiedliche Freizeitgewohnheiten können zu Ausgrenzung oder zu Gruppendynamiken führen, vor allem, wenn sie stark von der Norm abweichen.
5. Berufserfahrung
Beispiel:
Eine Quereinsteigerin bringt ungewöhnliche Ideen in ein Team ein und wird dabei von langjährigen Mitarbeitenden nicht ernst genommen.
Hintergrund:
Berufserfahrung beeinflusst unsere Selbstsicherheit und Arbeitsweise. Unterschiede können bereichern, aber auch zu Spannungen führen, wenn Erfahrungswissen als „besser“ oder „mehr wert“ angesehen wird.
6. Ausbildung
Beispiel:
Eine Person mit einem Hauptschulabschluss wird in einem Projektteam weniger nach ihrer Meinung gefragt, als andere Personen mit Uni-Abschlüssen, obwohl sie jahrelange Praxiserfahrung hat.
Hintergrund:
Abschlüsse sind sichtbare Bildungsmarker, die stark mit Status assoziiert sind. Oft werden sie fälschlich als Indikator für Intelligenz oder Kompetenz verstanden. Bildung allein ist aber nicht mit Intelligenz und Fähigkeiten gleichzusetzen.
7. Auftreten
Beispiel:
Eine Person trägt gerne legere Kleidung im Büro, von ihren Kolleg*innen wir sie deshalb als „nicht professionell“ wahrgenommen, obwohl sie fachlich überzeugt.
Hintergrund:
Auftreten umfasst Kleidung, Sprache & Umgangsformen. Es wird stark kulturell geprägt und oft unbewusst bewertet. Wer nicht dem gewohnten Bild entspricht, kann schnell als „nicht passend“ wahrgenommen werden, obwohl Kompetenz nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat.
8. Elternschaft
Beispiel:
Ein nicht-leibliches Elternteil (z. B. in einer Regenbogenfamilie) wird bei der Kita-Eingewöhnung ständig gefragt, ob es „die Tante oder der Onkel“ ist, obwohl die Person aktiv erzieht.
Hintergrund:
Elternschaft wird gesellschaftlich oft durch biologische oder traditionelle Rollen definiert. Das führt dazu, dass bestimmte Familienformen, wie Patchwork-, queere oder Pflegefamilien, weniger ernst genommen werden.
9. Familienstand
Beispiel:
Ein Kollege lebt seit 15 Jahren mit seinem Partner zusammen, ohne verheiratet zu sein. Als er einen Firmenbonus beantragt, erfährt er von seiner vorgesetzten Person, dass dieser Bonus nur für Ehepaare gilt und nicht für Menschen, die "nur" in einer Partnerschaft leben.
Hintergrund:
Der rechtliche Familienstand beeinflusst oft Zugänge zu Leistungen oder Anerkennung, obwohl er die Lebensrealität vieler Menschen nicht mehr abbildet. Langjährige Beziehungen, auch abseites der Norm oder bewusst Alleinlebende erfahren häufig Benachteiligungen oder soziale Abwertung.
Organisationale Dimensionen
1. Funktion / Einstufung
Beispiel:
In einem Krankenhaus arbeitet eine Reinigungskraft im gleichen Haus wie Ärzt*innen. Obwohl sie täglich wichtige Aufgaben erfüllt, wird sie kaum gegrüßt oder überhaupt wahrgenommen.
Hintergrund:
Die berufliche Funktion steht oft im Zusammenhang mit Anerkennung und Einfluss. Dadurch entstehen unsichtbare Hierarchien, die dazu führen, dass Menschen in niedrigeren Funktionen weniger gehört oder wertgeschätzt werden.
2. Arbeitsinhalte / Arbeitsfeld
Beispiel:
Tätigkeiten in sozialen, pflegerischen oder erzieherischen Berufen werden oft schlechter entlohnt als Tätigkeiten in technisch-wirtschaftlichen Bereichen, obwohl der gesellschaftliche Wert enorm hoch ist.
Hintergrund:
Unterschiedliche Arbeitsfelder werden oft verschiedenartig bewertet. Technische oder strategische Bereiche gelten als prestigeträchtiger und einkommensstärker als Dienstleistungs- oder soziale Bereiche.
3. Abteilung / Einheit / Gruppe
Beispiel:
Die Marketing-Abteilung arbeitet eng zusammen, hat regelmäßige Meetings und ist ein Team für sich. Personen, die im direkten Verkauf arbeiten, werden kaum in übergreifende Gespräche eingebunden.
Hintergrund:
Unsere Verortung in einer bestimmten Abteilung beeinflusst, wie gut wir vernetzt sind und auch wie wir von außen wahrgenommen werden. Das kann zu gruppenbezogenen Unterschieden im Ansehen oder in der Beteiligung führen.
4. Dauer der Zugehörigkeit
Beispiel:
Eine neue Kollegin bringt in einem Teammeeting frische Ideen ein. Allerdings nimmt sie keine Person richtig ernst, weil sie "die Neue" ist.
Hintergrund:
Menschen, die neu in einem Unternehmen oder Team sind, erleben oft Abgrenzung oder geringeres Vertrauen. Das hat oft nichts mit ihren Kompetenzen zu tun. Aber auch eine lange Betriebszugehörigkeit kann schaden, da diesen Menschen häufig eine durch Routinen geprägte interne Perspektive zugeschrieben wird.
5. Gewerkschaftszugehörigkeit
Beispiel:
Eine Mitarbeiterin, die in der Gewerkschaft aktiv ist, setzt sich offenichtlich stark für faire Arbeistbedingungen ein. Dadurch wird sie von manchen Kolleg*innen (vor allem in Führungspositionen) kritisch betrachtet oder Gespräche mit ihr werden vermieden.
Hintergrund:
Gewerkschaftsmitgliedschaft ist ein Ausdruck politischer Haltung im Unternehmen und Engagement. In manchen Organisationen wird das als „konfliktbeladen“ wahrgenommen, obwohl es demokratisch legitimiert ist. Menschen, die dazugehören können dadurch als „unangenehm“ empfunden werden.
6. Arbeitsort
Beispiel:
Ein Teammitglied arbeitet vollständig im Homeoffice. Entscheidungen werden jedoch meist im Büro getroffen, das Teammitglied wird dabei regelmäßig übergangen.
Hintergrund:
Der Arbeitsort beeinflusst Zugang zu Informationen, Netzwerken und spontanen Gesprächen. Menschen, die nicht physisch präsent sind (z. B. im Außendienst oder Homeoffice), erleben oft bewusste oder unbewusste Ausschlüsse.
7. Management-Status
Beispiel:
Zwei Kolleg*innen bringen im Meeting dieselbe Idee ein, aber lediglich die Person mit Leitungsfunktion wird gehört, während die andere übergangen wird.
Hintergrund:
Der Status im Unternehmen (z. B. Führungskraft oder nicht) beeinflusst, wie viel Einfluss und Gehör eine Person bekommt.
Du siehst an diesen Beispielen: Diskriminierung kann entlang aller Dimensionen passieren.
Zusammenfassung
- Diversity = Vielfalt aufgrund von Merkmalen, Persönlichkeiten, angeborenen und unangeborenen Eigenschaften.
- Diese Vielfalt zeigt sich in verschiedenen Dimensionen: Kern, innere, äußere und organisationale
- Vielfalt kann bereichern oder belasten, es kommt immer darauf an, ob Personen damit wertschätzend umgehen.