Diversity
Diversity
1.1 Diversity
Einleitung - Vielfalt ist überall
Ganz gleich, wo du dich umblickst, ob in der U-Bahn, auf dem Wochenmarkt oder auf dem Spielplatz: Überall triffst du auf Menschen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften: verschiedene Altersgruppen, Sprachen, Kleidungsstile, Lebensweisen und individuelle Merkmale. Manche Unterschiede siehst du sofort, andere bemerkst du erst dann, wenn du die Person kennenlernst.
Gedankenexperiment
Welche Unterschiede zwischen Menschen fallen dir im Alltag sofort auf und welche kannst du nicht sehen?
Definiton von Diversity
Die gängigste Übersetzung für Diversity ist Vielfalt oder Diversität. Sie beschreibt, einfach ausgedrückt, alles, was Menschen unterschiedlich macht. Diese Unterschiede beziehen sich unter anderem auf unsere Eigenschaften, Lebensweisen, Herkunft und Perspektiven. Das bedeutet, sie können sowohl sichtbar als auch unsichtbar sein. Manche Unterschiede sind erworben, andere wiederum angeboren. Unsere Vielfalt wird dabei in folgende Merkmale unterteilt:
- Individuelle Merkmale (z. B. Persönlichkeit, eigene Werte & Interessen)
- Biologische Merkmale (z. B. Alter, biologisches Geschlecht, körperliche sowie psychische Fähigkeiten)
- Kulturelle Hintergründe (z. B. ethnische Herkunft, Sprache & Religion)
- Soziale Merkmale (z. B. Bildung, soziale Herkunft, familiäre Situation)
- Organisationale Merkmale (z. B. Abteilung, Position, Beschäftigungsdauer)
Unterteilung von Merkmalen in Diversitätsdimensionen
Oft wird Diversity in vier Kreisen dargestellt, um die verschiedenen Ebenen darzustellen:
- Kern-Dimension: Die Persönlichkeit; sie prägt, wie du denkst, fühlst und handelst. Sie wird durch deine Gene und durch deine Umwelt bestimmt.
- Innere Dimensionen: Merkmale, die kaum veränderbar sind (z. B. Alter, Geschlecht, Herkunft). Sie prägen unsere Identität und sind oft Grundlage für Diskriminierung oder Privilegien.
- Äußere Dimensionen: Merkmale, die sich im Laufe des Lebens ändern können (z. B. Ausbildung, Einkommen, Gewohnheiten).
- Organisationale Dimensionen: Merkmale aus dem Arbeitskontext (z. B. Abteilung, Funktion, Dauer der Zugehörigkeit).
Um noch mehr über die Merkmale der einzelnen Dimensionen zu erfahren, bewege deine Maus über das Info-Icon +.
Diversität im Alltag
Wie an den Diversitätsdimensionen erkennbar, ist leicht zu sehen: Vielfalt ist überall. Die Frage ist nur: Wie wollen wir damit umgehen?
Positiver Umgang: Bei dieser Form des Umgangs können wir von Diversität profitieren, denn unsere unterschiedlichen Perspektiven werden als Bereicherung wahrgenommen.
Negativer Umgang: Hierbei können Unterschiede zu Missverständnissen, Vorurteilen oder Ausgrenzung führen. Bei einem negativen Umgang werden Merkmale, die uns voneinander unterscheiden, abgewertet.
In der Realtität ist es tatsächlich so, dass Vielfalt nicht immer wertschätzend behandelt wird. Es gibt Merkmale, die dazu führen, dass Menschen systematische Benachteiligung erfahren, sie werden übersehen oder sogar ausgegrenzt; dies geschieht meist durch Vorurteile. Aber auch Angst spielt, nebst strukturellen Hürden, hier eine große Rolle. Auch mangelnde Sensbilität kann zu unbewusster Abwertung führen.
Um diese Problematik noch deutlicher darzustellen, schauen wir uns im folgenden Text ein paar Diskrimierungsbeispiele an, die entlang der verschiedenen Dimensionen auftreten können.
Alltagsnahe Diskriminierungsbeispiele (dargestellt nach den Dimensionen)
Innere Dimensionen
1. Alter (Ageism)
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Beispiel: Eine frische Berufseinsteigerin, die eben ihren Masterabschluss erhalten hat, wird nicht ernst genommen, weil sie noch keine Erfahrung vorweisen kann. Aber auch andersherum kann Abwertung entstehen: ein älterer Mitarbeiter wird bei der Verteilung von neuen Aufgaben übergangen, denn er ist nicht mehr "flexibel genug".
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Hintergrund: Altersdiskriminierung kann Menschen in jeder Lebensphase treffen, da sowohl "zu jung", als auch "zu alt" negativ konnotiert ist.
2. Ethnische Herkunft und Nationalität
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Beispiel: Eine Person mit türkischem Nachnamen sucht eine Wohnung; Ihre Bewerbung wird mehrfach abgelehnt, denn ein deutscher Nachame wird dem fremdklingenden vorgezogen.
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Hintergrund: Studien und auch Umfragen (Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2020) zeigen, dass Menschen mit nicht-deutsch klingenden Namen auf dem Wohnungsmarkt systematisch benachteiligt werden, auch wenn ihr Einkommen gleichwertig mit dem einer deutschen Person ist.
3. Geschlecht und geschlechtliche Identität
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Beispiel: Eine Frau, die in einer Werkstatt tätig ist, wird des Öfteren gefragt, ob sie tatsächlich dort arbeitet.
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Hintergrund: Gesellschaftliche Erwartungen an Geschlechterrollen beeinflussen, wie wir Menschen wahrnehmen und wie wir sie behandlen; das geschieht oft auch unbewusst.
4. Körperliche und geistige Fähigkeiten (Ableismus)
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Beispiel: Bei einem Betriebsausflug wird eine Wanderung geplant, ohne zu fragen, ob alle die physischen und psychischen Voraussetzungen (z. B. Depressionen oder Knieprobleme) haben, um mitkommen zu können.
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Hintergrund: Nicht alle Beeinträchtigungen sind sichtbar, weshalb Barrieren oft durch fehlende Rücksicht und/oder fehlendes Wissen entstehen.
5. Religion und Weltanschauung
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Beispiel: Eine muslimische Kollegin wird während des Fastenmonats Ramadan ständig gefragt, ob sie das „wirklich freiwillig“ macht.
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Hintergrund: Religiöse Vielfalt wird oft aufgrund der Fremdartigkeit verurteilt. Hierbei spielen nicht nur die gängigen Religionen eine Rolle, auch Atheismus oder individuelle Weltanschauungen verdienen gegenseitigen Respekt.
6. Sexuelle Orientierung
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Beispiel: Eine lesbische Frau wird regelmäßig gefragt, ob sie „einen Freund hat“. Ein homosexuelles Paar wird bei der Wohnungssuche abgelehnt, weil die vermietende Person nur an "klassische" Familien vermieten möchte.
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Hintergrund: Wenn Heterosexualität als „Norm“ angenommen wird, so kann das zu Ausgrenzung führen.
7. Soziale Herkunft
- Beispiel:
Beim Berufseinstieg haben Bewerber*innen aus wohlhabenderen Familien oft Zugang zu wertvollen Kontakten, die ihnen Praktika oder Jobs in renommierten Unternehmen vermitteln können. Derartige Chancen stehen Menschen ohne diese Netzwerke nicht zur Verfügung. - Hintergrund:
Die soziale Herkunft prägt, auf welche Ressourcen und Zugänge Menschen zurückgreifen können. Diese Unterschiede bleiben oft unsichtbar, haben aber eine starke Wirkung.