4. Einführung in die Kooperation aus sozialpsychologischer Perspektive
Aus dem ökonomischen Blickwinkel hätten wir damit wesentliche Erkenntnisse gewonnen, was wir berücksichtigen sollten, wenn wir kooperieren wollen. Letztendlich geht es darum richtige Anreize und Kontrollen im Rahmen der Zielsetzung zu finden. Damit wäre alles Wesentliche geklärt. Wir können also mit der Kooperation beginnen. Leider stimmt das nicht. Wir haben damit zwar auf jeden Fall die Grundlage für unsere Kooperationsbereitschaft aus ökonomischer Perspektive gelegt. Es ist aber notwendig sich auch ein wenig mit der sozialpsychologischen Seite der Kooperation zu beschäftigen.
Mit einem Blick auf die Sozialpsychologie wird eine mögliche Kooperation dann doch schwieriger. Kooperation kann als Bereitschaft unter bestimmten Anregungsbedingungen Verhaltensweisen zu zeigen, die die Interessen des Interaktionspartners berücksichtigen, definiert werden. Dieses führt dazu das ein Konflikt als gemeinsames Problem angesehen wird und eher konstruktiv gelöst wird (Deutsch 1976, S. 16 ff.). Dem Forscher Morton Deutsch haben wir die Erkenntnis zu verdanken, „dass charakteristische Prozesse und Auswirkungen, die von einer bestimmten Art sozialer Beziehung (kooperativ oder konkurrierend) ausgehen, die Tendenz haben, diese Art sozialer Beziehung auszulösen.“ (Deutsch 1982 S. 35). Zeigen wir uns kooperativ, so fördert dieses bei unserem Gegenüber dessen Kooperationsbereitschaft. Oder anders formuliert: Erwarten wir also von dem mit uns „kooperierenden Unternehmen“, dass dieses dazu neigt, uns zu betrügen. Dann würden wir uns wahrscheinlich wie eben beschrieben verhalten. Wir würden alles versuchen, um zu verhindern, dass wir betrogen und belogen werden. Dafür würden wir das Unternehmen engmaschig überwachen und versuchen es zu steuern. Das Ergebnis wird uns wahrscheinlich nicht erfreuen. Kooperatives Verhalten würde uns wahrscheinlich nicht gezeigt werden. Unser Verhalten wird wahrscheinlich als dominant und eventuell konkurrierend eingestuft. Warum sollten dann unsere Interessen berücksichtigt werden? Das mit uns „kooperierende Unternehmen“ wird sich wahrscheinlich ähnlich verhalten, wie wir es tun. Damit wird keine kooperative unternehmensübergreifende Zusammenarbeit möglich sein.
Kooperationsbereitschaft kann fast wie ein Spiegel gedeutet werden, in den wir schauen. Sie kann hervorgerufen werden durch wahrgenommene Ähnlichkeit in Überzeugungen und Einstellungen. Deshalb sollten wir uns bevor wir auf eine/n mögliche/n Kooperationspartner*in treffen, die Fragen stellen, was wir von der Kooperation erwarten und was wir bereit sind der Kooperation zu geben (Deutsch 1982, S. 35 ff.). Dabei geht es im Detail insbesondere um folgende Aspekte:
- Haben wir eine vertrauensvolle und freundliche Einstellung?
- Inwieweit sind wir bereit, in gewissem Maß entgegengesetzte Interessen zu vernachlässigen?
- Inwieweit sind wir bereit, uns auf die Interessen des/r Kooperationspartners*in einzulassen, um nach gemeinsamen guten Lösungen zu suchen?
- Inwieweit sind wir bereit, das kooperierende Unternehmen zu unterstützen? Wollen wir uns auf die Vergrößerung unserer gemeinsamen Macht konzentrieren? (Deutsch 1982, S. 35 ff.)
Beim Beantworten der Fragen erhalten wir gleichzeitig eine Antwort auf die Frage, wonach wir bei unserem/r Kooperationspartner*in suchen sollten. Es sollte bei jeder dieser Fragen eine Ähnlichkeit bezüglich unserer eigenen Vorstellung und unserem Verhalten mit der Erwartung an das auszuwählende kooperierende Unternehmen gegeben sein. Wir legen damit also fest, welche Vorstellungen und welches Verhalten bei unserem/r Kooperationspartner*in vorhanden sein sollte, um überhaupt eine Kooperation eingehen zu können.
Damit wird auch deutlich, dass Kooperationen in ihrer Intensität abgestuft gestaltet sein können. Eine Kooperation in der Form einer unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit kann diese unterschiedlichen Abstufungen aufzeigen. Möchten wir, dass unser kooperierendes Unternehmen uns seine neusten Innovationen als erstes zur Verfügung stellt? Dann benötigen wir zwar eine Kooperation auf einer zugewandten Grundlage. Diese Kooperation ist aber nicht so intensiv, im Vergleich zu einer Kooperation, bei der die beiden Kooperationspartner*innen ihr neustes Wissen teilen, um daraus gemeinsam eine Innovation zu entwickeln (Bratzel et al. 2015, S.159 ff.).
Bevor wir also starten, eine/n Kooperationspartner*in zu finden, sollten wir festlegen, was wir diesem bieten wollen. Nur das, können wir von diesem - wenn überhaupt - zurückerwarten.
Ab dem ersten Zusammentreffen gilt es dann herauszufinden, wie der/die mögliche Kooperationspartner*in eine geplante Kooperation einschätzt.
- Wie ist die Grundeinstellung zur kooperativen Zusammenarbeit (offen, positiv)?
- Ist das Kooperationsvorhaben für beide gleich wichtig?
- Finden beide eine gemeinsame Zielsetzung?
- Hat der/die Partner*in Erfahrungen mit kooperativer Zusammenarbeit? Wenn ja, welche?
- Ist die Kooperation auch subjektiv wünschenswert (Gewinne, Gefühle, Werte etc.)?
- Wird die subjektive Wahrscheinlichkeit, dass die Zusammenarbeit zum Ziel führt, von beiden hoch eingeschätzt? (Deutsch 1982, S. 35 ff.)
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