Zum Hauptinhalt
Direkt zu - Schließen

Abbau von Verzerrungen

Abschlussbedingungen
Anzeigen

Strategien zum Abbau von Gruppenverzerrungen und Vorurteilen

 

Soziale Identität prägt, wie wir denken, fühlen und handeln. Das kann zu unbewusster Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Gruppen führen. Die gute Nachricht: Diese Dynamiken sind veränderbar. In der Sozialpsychologie werden unterschiedliche Methoden vorgestellt, die uns bei der Reduktion von Vorurteilen & Stereotypen helfen können.

Im Folgenden findest du sechs Strategien, die sich in der Forschung und Praxis bewährt haben. Einige kennst du vielleicht bereits aus dem Kapitel zu Unconscious Bias. Dort ging es darum, individuelle Denkverzerrungen zu erkennen und zu bremsen. Hier geht es nun darum, wie wir auf Gruppenebene Vorurteile und Abgrenzungen abbauen können.

 

1. Kontakt herstellen – Die Kontakt-Hypothese (Allport, 1954)

Direkter, positiver Kontakt zwischen Menschen unterschiedlicher Gruppen kann Vorurteile verringern. Das gilt, wenn die Begegnung auf Augenhöhe erfolgt und unter fairen Bedingungen stattfindet.

  • Gleicher Status: Niemand steht über der anderen Person.
  • Gemeinsame Ziele: Beide Seiten arbeiten an einem geteilten Ziel.
  • Kooperation: Die Mitglieder müssen miteinander agieren, um das Ziel zu erreichen.
  • Unterstützende Rahmenbedingungen: Der Austausch wird von der Organisation bzw. einer Autoritätsperson aktiv gefördert.

Beispiel: In einem Unternehmen arbeiten Technik und Verwaltung gemeinsam an einem Nachhaltigkeitsprojekt. Sie alle tragen gleichwertige Verantwortung und haben ein gemeinsames Ziel. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung: „die anderen“ werden zu Kolleg*innen.

 

2. Perspektivübernahme (Galinsky & Moskowitz, 2000)

Menschen nehmen bewusst die Perspektive einer anderen Person oder Gruppe ein, sowohl kognitiv als auch emotional. Dadurch wird Empathie gestärkt und emotionale Denkmuster geschwächt.

Beispiel: In einem Workshop schildert eine Person eine Diskriminierungserfahrung. Teilnehmende überlegen und teilen: „Wie hätte ich mich in dieser Situation gefühlt?“

 

3. Rekategorisierung – Common Group Identity Model (Gaertner & Dovidio, 2000)

Wenn Menschen lernen, sich nicht als Mitglieder getrennter, sondern gemeinsamer übergeordneter Gruppen zu sehen, verschwinden viele Abgrenzungen. Aus dem "Wir" und "Die anderen" gilt es ein kollektives "Wir" zu generieren. Dieser Prozess führt zu positiveren Einstellungen und Verhaltensweisen zwischen den Gruppen.

Beispiel: Aus „wir aus der Verwaltung“ und „die aus der Technik“ wird „wir als administratives Team“. Gemeinsame Rituale, Leitbilder oder Symbole können diesen Effekt verstärken.

 

4. Langfristiger Kontakt und Freundschaften (Pettigrew, 1997)

Ein einmaliges Treffen verändert Einstellungen selten. Wiederholte Begegnungen und längerfristige Beziehungen können Vertrauen und Offenheit dauerhaft stärken. Freundschaften über Gruppen hinweg (nicht nur lose Bekanntschaften) sind ein besonders starker Prädiktor für niedrigere Vorurteile.

Beispiel: Langfristige Mentoring- oder Tandem-Programme zwischen Studierenden verschiedener Fakultäten oder Herkunftsgruppen.

 

5. Vielschichtige und dauerhafte Interventionen (Devine et al., 2012)

Vorurteile verschwinden nicht von alleine. Einmalige Maßnahmen können nichts ändern. Interventionen, die auf Langfristigkeit ausgelegt sind, können nachweislich implizite Vorurteile abbauen. Neben der Intervention ist die Kombination aus Bewusstmachung, Motivation und aktiver Selbstregulation entscheidend.

Beispiel: Im Arbeitsalltag kurz innehalten: „Wem höre ich öfter zu?“, „Wen bitte ich seltener um Rat?“, „Wer fehlt in unseren Meetings?“ Solche Fragen schaffen Bewusstsein und sind der erste Schritt zu inklusivem Handeln.

 

Quiz

 

Teste dein Wissen zum Abbau von Gruppenverzerrungen

 

Abbau von Gruppenverzerrungen (CC BY-SA)

 

 

Zusammenfassung


  • Soziale Identität beschreibt den Teil unseres Selbstbildes, der aus der Zugehörigkeit zu Gruppen entsteht und Einfluss darauf hat, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.
  • Diese Gruppenzugehörigkeiten können Vertrauen und Zusammenhalt fördern, aber auch Vorurteile und Abgrenzung verstärken; Mechanismen wie Ingroup Bias oder Stereotype Threat spielen eine Rolle.
  • Durch das Verständnis dieser Prozesse und gezielte Strategien können unbewusste Verzerrungen abgebaut und Diversität, Equity & Inclusion aktiv gefördert werden.

 

Reflexion - wie sieht deine Gruppenzugehörigkeit aus

 

Hier geht es wieder um die Auseinandersetzung mit dir selbst – diese Fragen beantwortest du nur für dich.

Reflexionsfragen by Melanie Bock (CC BY-SA)

Weiter geht's

 

Bisher haben wir hinter die Kulissen unserer Wahrnehmung geschaut: Wie Gruppen unser Denken formen, wie unbewusste Biases wirken und warum „Wir“ und „Sie“ so stark wirken können. Diese Mechanismen beeinflussen nicht nur, was wir wahrnehmen, sondern auch, wie wir miteinander sprechen. Kommunikation ist niemals neutral: sie transportiert immer auch Zugehörigkeit, Wertschätzung und soziale Signale.

Im nächsten Modul geht es um die Darlegung des Konstrukts Kommunikation, ihre theoretischen Grundsätze und wie wir es anhand einer Kommunikationsstrategiee schaffen, Kommunikation planbar zu machen. 

 

 

< Zurück Literaturverzeichnis Modul 2 Weiter zu Modul 3 >