Vielfalt in Räumen
Section outline
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Vielfalt in Räumen
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In diesem Abschnitt geht es um die Vielfalt in Räumen und darum, wie Veranstaltungen vielfaltssensibel und inklusiv gestaltet werden können. Du lernst, wie du dein eigenes Alltags- und Arbeitsumfeld auf Inklusivität überprüfen und dazu beitragen kannst, dass sich Menschen aller Geschlechter wohl und willkommen fühlen.
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Safe Space, Safer Space, Braver Space?
Die Bedeutung von RäumenRäume sind mehr als physische Orte innerhalb von vier Wänden. Um ein konkreteres Verständnis des Begriffs zu entwickeln, ist es hilfreich zunächst zwischen dem Raum als materiellen Ort und dem Raum als soziales Gefüge zu unterscheiden. Während es bei ersterem um die örtlichen Gegebenheiten geht, ist der soziale Raum subjektiv und wird ganz unterschiedlich wahrgenommen.
Ob sich Menschen willkommen und sicher fühlen, wird von beiden Dimensionen bestimmt. Wenn Menschen an Barrierefreiheit denken, fallen ihnen oft zuerst physische Hürden ein (wie Treppen). Barrieren sind jedoch deutlich vielfältiger.
Ressourcen zur Barrierefreiheit:
Der Soziale Raum & Safe Space
Ein sozialer Raum ist nie neutral. Er wird bestimmt von Haltungen und Machtverhältnissen. Historisch war der „Safe Space“ der Versuch, Schutzräume für marginalisierte Gruppen zu schaffen.
„Maßgeblich für die Sicherheit ist das Gefühl, ‚unter gleichen‘ zu sein... Doch schnell wurde klar, dass das Geschlecht allein keine ausreichende Gemeinsamkeit darstellt... Der Fokus aufs ‚Frausein‘ blendet andere Machtachsen wie Rassismus oder Ableismus aus.“ (Kokits & Thuswald, 2015)
„Safer Space“ – Verantwortlichkeit statt Garantie
Die Idee des „Safer Space“ erkennt an, dass es absolute Sicherheit nicht gibt. Ziel ist es, Machtverhältnisse sichtbar zu machen, Verantwortung für Fehler zu übernehmen und diskriminierungsbezogene Stressbelastungen zu reduzieren.
„Braver Space“ – Mut macht handlungsfähig
Braver Spaces ermutigen dazu, sich bewusst aus der Komfortzone herauszubewegen.
„Braver Spaces wollen dazu ermutigen, Risiken einzugehen in der Hoffnung auf transformative Lernerfahrungen. Unbehagen gehört zum Lernen dazu.“ (Debus & Saadi, 2023)
Keine Gegensätze sondern ein Spektrum
Safer und Braver Spaces sind Orte, in denen Konflikte bearbeitbar sind – durch Achtsamkeit, ausgeglichene Redeanteile und klare Verfahren beim Umgang mit Grenzverletzungen.
Wir denken die Raumgestaltung nicht als binäre Entscheidung, sondern als Spektrum zwischen Safer und Braver Spaces.
Quellen & weiterführende Links:
• Debus & Saadi: Verletzlichkeit, Bildung, Safer & Braver Spaces (PDF)
• Kokits et al.: Gleich sicher – sicher gleich? (PDF)
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Veranstaltungen gendersensibel planen und durchführen
Bei Veranstaltungen wirken gesellschaftliche Normen und herrschende Machtverhältnisse, oft auch unbewusst. Das führt zu Ausschlüssen oder sorgt dafür, dass Menschen negative Erfahrungen machen.
Die folgende Übersicht zeigt zentrale Ansatzpunkte entlang des gesamten Veranstaltungsprozesses, von der Ausschreibung bis zum Abschluss.
Für eine ausführliche Auseinandersetzung ist die Handreichung „All genders welcome! Lernorte und Bildungsangebote sensibel für geschlechtliche Vielfalt gestalten“, herausgegeben von der Willi-Eichler-Akademie und Kooperationspartner*innen, sehr zu empfehlen. Darin finden sich auch Best-Practice Beispiele aus der Praxis und zahlreiche Links zum Weiterlernen: https://www.we-akademie.de/weiterbildung-fuer-geschlechtliche-vielfalt-und-selbstbestimmung
Gendersensible Veranstaltungen beginnen mit einer klaren Haltung. Die Anerkennung, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und dass trans, inter und nicht-binäre Personen in Bildungsräumen oder anderen Gruppenkontexten häufig Ausschlüsse oder Diskriminierung erleben, bildet die Grundlage. Das bedeutet auch, dass Aussagen wie „bei uns ist das kein Thema“ oder „unsere Zielgruppe betrifft das nicht“ keine validen Gründe sind, um sich der Auseinandersetzung zu verweigern. Veranstaltende haben die Verantwortung präventiv Strukturen zu schaffen, die allen gerecht werden, und nicht erst reagieren, wenn sich Betroffene outen müssen oder sich beschweren.
Eine Herausforderung ist, dass Veranstaltungen meist nicht „geschlechtliche Vielfalt“ als Thema haben, sondern die Menschen wegen etwas ganz anderem zusammenkommen. Das sorgt bei Veranstaltenden für Verunsicherung: Inwieweit kann ich geschlechtliche Vielfalt thematisieren, ohne dem zu viel Raum zu geben? Eine klare Positionierung zu Beginn der Veranstaltung kann eine Lösung sein. Die Veranstaltenden machen deutlich, dass sie einen Raum schaffen wollen, in dem alle willkommen sind und diskriminierendes Verhalten nicht toleriert wird.
Eine sichtbare Positionierung (z. B. im Leitbild oder Selbstverständnis) kann zusätzlich Vertrauen schaffen und Hürden abbauen.
Zentrale Aspekte:
- Geschlechtliche Vielfalt nicht als „Zusatzthema“, sondern als Querschnittsperspektive verstehen: Klare Positionierung der Veranstaltenden gegen Diskriminierung
- Eigene Wissenslücken und Lernprozesse transparent machen: es geht nicht um Perfektion, sondern um die Haltung und die entsprechenden Schritte in die richtige Richtung
- Verantwortung nicht auf betroffene Personen abwälzen: selbst aktiv werden, statt auf Beschwerden zu warten, Unterstützung gibt es zum Beispiel bei Fachverbänden und Betroffenen-Selbstvertretungen
Der erste Kontakt entscheidet oft darüber, ob Menschen sich zu einer Veranstaltung anmelden oder nicht. Ausschreibungen, Webseiten und Einladungsmails lassen erkennen, wer mitgedacht ist und wer nicht. Trans, inter und nicht-binäre Menschen holen häufig viele Informationen über eine Veranstaltung bzw. die Veranstaltenden ein, um diskriminierenden Erfahrungen vorzubeugen. Eine gendersensibel gestaltete Werbung oder Einladung schafft Vertrauen.
Auch die Frage, in welchen Netzwerken Angebote beworben werden, beeinflusst, wer sich angesprochen fühlt. Wird die Veranstaltung z.B. auch im queeren Stadtmagazin inseriert oder die Ankündigung über vielfaltsinklusive Verteiler verschickt?
Veranstaltungen die „nur für Frauen“ beworben wird, schließen nicht-binäre Menschen, trans Männer und ggf. inter Personen genauso aus, wie cis Männer. Trans Frauen sind möglicherweise unsicher, ob sie „mitgemeint“ sind. Hier kann ein klärender Satz in der Einladung hilfreich sein, z.B. „Alle Frauen, cis und trans sind eingeladen“.
Generell sollte sich vorab überlegt werden, wie Zugangsbeschränkungen in der Praxis umgesetzt werden: Bei Veranstaltungen, die offen für FLINTA (also Frauen, Lesben, nicht-binäre, inter, trans und agender Personen) sind, darf nicht erwartet werden, dass die Teilnehmenden alle weiblich gelesen werden.
Zentrale Aspekte:
- Gendersensible Sprache (z. B. „Teilnehmende“ statt Teilnehmer, „Hallo zusammen“, statt „Sehr geehrte Damen und Herren“…)
- Bei personalisierter Kommunikation: Verzicht auf binäre Anreden wie „Herr/Frau“, stattdessen Vor- und Nachname
- Klare Benennung der Zielgruppe (Ist es eine Veranstaltung für alle Geschlechter? Sind nur für Frauen eingeladen oder sind explizit auch nicht-binäre Menschen, trans und inter Personen willkommen?)
- Transparenz zu Rahmenbedingungen: Räume, Toiletten, Zimmeraufteilung, Barrieren
- Bewusste Bildsprache ohne stereotype Darstellungen
Ausschlüsse entstehen häufig durch binär gedachte Formulare, Listen und Verwaltungsroutinen. Häufig wird die gewünschte Anrede abgefragt („Herr“ oder „Frau“) und keine neutrale Angabe ermöglicht. Hier können sich Veranstaltende fragen, wofür die Anrede überhaupt wichtig ist. Ein Adressieren aller mit Vor- und Nachnamen ist eine gendersensible Alternative. Ein Hinweis darauf, dass der Anmeldename vom Passnamen abweichen darf, baut Hürden ab für trans Personen vor der amtlichen Namensänderung.
Wird bei Anmeldung das Geschlecht einer Person abgefragt? Wenn ja, warum? Sollte die Abfrage zwingend erforderlich sein, sollten die Gründe transparent gemacht werden und in jedem Fall mehr Kategorien als „männlich“ und „weiblich“ angeboten werden.
Pronomen können bereits bei der Anmeldung abgefragt werden, diese Angabe sollte jedoch immer freiwillig sein. Für Menschen, die mit der Pronomen-Abfrage (noch) nicht vertraut sind, kann ein begleitender Text hilfreich sein.
Zentrale Aspekte:
- Schon bei der Anmeldung können der (selbstgewählte) Name und die gewünschte Anrede abgefragt werden, es sollte nicht automatisch auf den amtliche Namen einer Person zurückgegriffen werden
- Teilnahmebestätigungen sollten auf den selbstgewählten Namen einer Person ausgestellt werden
- Wenn die Geschlechtsangabe zwingend ist, kann die Moderation das einordnen, zum Beispiel so: „Unsere Fördermittelgeber verlangen die Angabe des Geschlechts und bieten leider nur zwei Kategorien dafür an. Wenn beide für euch nicht passen, lasst die Angabe einfach weg.“
- Grundsätzlich gilt: Sensibler Umgang mit Daten und transparente Kommunikation darüber, was warum abgefragt wird und wem die Daten zugänglich sind
Wie schon im Text zu Räumen beschrieben: Toiletten, Zimmer, Veranstaltungsräume oder ganze Seminarhäuser können Zugehörigkeit signalisieren oder Stress erzeugen. Bereits mit der Einladung können Teilnehmende relevante Informationen zu den Räumlichkeiten erhalten.
Auf die Veranstaltungsräume können Veranstaltende häufig nur bedingt Einfluss nehmen. Es ist ratsam im Vorfeld bestimmte Dinge zu klären, um Ausschlüsse vor Ort zu vermeiden. Bei externen Veranstaltungsorten kann u.a. in Erfahrung gebracht werden, ob es vor Ort genderneutrale Toiletten, Umkleideräume und Schlafsäle gibt, bzw. ob eine Einzelzimmerbelegung möglich ist..
Zentrale Aspekte:
- All-Gender-Toiletten und klare Informationen, wo diese zu finden sind (Sollten baulich nur binäre Räumlichkeiten existieren, können für den Termin der Veranstaltung alternative Schilder angebracht werden)
- Bei Veranstaltungen mit Übernachtung sollte eine selbstbestimmte Zimmerwahl ermöglicht werden, statt geschlechtsspezifisch zuzuordnen (zum Thema Klassenfahrten hat SCHLAU Niedersachsen Praxistipps zusammengestellt: „Geschlechtliche Vielfalt im Klassenzimmer“)
- Sichtbare Zeichen von Offenheit können dafür sorgen, dass sich Menschen willkommen fühlen (z. B. „All genders welcome“-Plakate, Bücher, Materialien)
- Rückzugsräume für Pausen oder bei Überforderung und der Hinweis darauf, wo diese zu finden sind
- Auch Menschen, die nicht direkt an der Veranstaltung beteiligt sind, sollten für Gendersensibilität geschult werden (z.B. am Empfang, bei der Essensausgabe etc.)
Sprache ist ein zentraler Faktor für Anerkennung und Ausschluss. Insbesondere für nicht-binäre Personen ist eine ausschließlich binäre Ansprache verletzend. Ein Hinweis zu Beginn der Veranstaltung, dass Menschen aller Geschlechter willkommen sind und auf eine gendersensible Sprache geachtet wird (bzw. dies versucht wird), schafft Vertrauen. Bei Vorstellungsrunden kann neben dem Namen auch nach den Pronomen gefragt werden. Die Moderation stellt sich in der Regel zuerst vor und kann entsprechend einordnen. Zum Beispiel kann sie sagen: „Ich heiße Kay, ihr dürft mich gerne duzen, wenn ihr über mich sprecht, könnt ihr die Pronomen sie und ihr verwenden.“
Zentrale Aspekte:
- Neutrale Ansprachen wie „Hallo zusammen“ oder „Liebe Teilnehmende“, statt „Sehr geehrte Damen und Herren“
- Zu Beginn die eigenen Pronomen nennen und andere dazu einladen (und ggf. einen erklärenden Satz, warum sie genannt werden)
- Nicht vom Namen oder Aussehen auf Pronomen schließen
- Bei Unsicherheit: den Namen statt eines Pronomens verwenden oder „die Person“, wie beispielsweise: „Ich habe noch eine Meldung gesehen, von der Person im roten Pulli“
- Bei falscher Ansprache: kurz entschuldigen, korrigieren, weitermachen
Eine Vorstellungsrunde kann zum Beispiel so eingeleitet werden:
Herzlich willkommen zum ersten Termin des Tutoriums. Ich würde euch bitten, euch alle einmal kurz vorzustellen: euer Name mit dem ihr hier angesprochen werden wollt und – wenn ihr mögt – Infos zur Aussprache, euren Pronomen oder was sonst wichtig ist, damit wir euch hier passend ansprechen oder über euch sprechen können.
Herzlich willkommen zur heutigen Arbeitsgruppen-Sitzung. Lassen Sie uns eine kurze Vorstellungsrunde machen und geben Sie uns einen kurzen Hinweis in welcher Funktion Sie dabei sind und wie Sie angesprochen werden möchten und was in der Kommunikation sonst für Sie wichtig ist. Zum Beispiel Aussprache, Pronomen, lautes oder langsames Sprechen, …
Moderierende oder Gruppenleitungen prägen den Raum maßgeblich. Ihre Aufgabe ist es, den Rahmen zu setzen, Sicherheit zu fördern und auf Grenzverletzungen zu reagieren. Wenn bereits zu Beginn die eigene vielfaltssensible Haltung transparent gemacht wird und klargestellt wird, dass diskriminierendes Verhalten nicht toleriert wird, schafft das einen sicheren Raum für alle Anwesenden.
Die Gruppenleitung sollte dabei auch den eigenen Lernprozess transparent machen. Es geht nicht darum, „perfekt“ zu sein, sondern authentisch und offen für Kritik und Weiterentwicklung.
Warum ein vielfaltssensibler und wertschätzender Umgang in der Gruppe für alle wichtig ist, kann zu Beginn mit den Teilnehmenden erarbeitet werden. Entsprechend kann bei späterem Verstoß gegen die „Gruppen-Regeln“ darauf verwiesen werden.
Es ist wichtig, dass betroffene Personen nicht die Verantwortung haben, diskriminierendes Verhalten anzusprechen, sondern die Moderation sich ihrer Verantwortung für den gesamten Raum bewusst ist. Dazu gehört auch, dass Betroffene nicht zu „Expert*innen“ erklärt werden, die die Aufklärungsarbeit für die gesamte Gruppe übernehmen müssen.
Es ist immer ratsam, die Moderation oder Gruppenleitung nicht allein zu übernehmen. So gibt es immer eine zweite Ansprechperson, die beispielsweise mit einer teilnehmenden Person zwischendurch den Raum verlassen oder Konflikte klären kann, ohne dass das Programm für alle unterbrochen werden muss. Möglicherweise existieren bereits Awarenessstrukturen oder festgelegte Ansprechpersonen, auf die verwiesen werden kann, bzw. die zur Unterstützung gerufen werden können.
Es ist wichtig, auch zwischendurch Raum zu geben, Dinge anzusprechen. Zum Beispiel können kleine Check-In-Runden angeboten werden. Pausen bieten Teilnehmenden zudem die Gelegenheit, die Moderation „unter vier Augen“ anzusprechen.
Bei der Auswahl von Materialien sollte versucht werden, vielfältige Perspektiven zu berücksichtigen, vor allem aber auch darauf, keine diskriminierenden Inhalte zu reproduzieren. Eine regelmäßige kritische Durchsicht der eingesetzten Materialien und ggf. ein Austausch kann diskriminierenden Erfahrungen vorbeugen.
Zentrale Aspekte:
- Transparente Einführung (Raum für alle, keine Toleranz für Diskriminierung…)
- Gemeinsame Vereinbarungen für einen vielfaltssensiblen Umgang
- Keine Zuweisung von „Expertenrollen“ an betroffene Personen
- Regelmäßige Check-ins und Pausen
- Sensible Auswahl von Methoden, Beispielen und Materialien
Diskriminierendes Verhalten kann trotz aller Vorbereitung passieren. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Verletzungen passieren häufig unabsichtlich, das ist für die verletzte Person jedoch häufig nicht entscheidend. Gerade vermeintliche „Kleinigkeiten“ hat die Person möglicherweise schon sehr, sehr häufig erlebt und es ist diese permanente Wiederholung von Verletzung, die den Schmerz bedingt. Sogenannte Mikroaggressionen wirken oft harmlos, sind es aber nicht.
Wenn die Moderation selbst die Verletzung ausgelöst hat, sollte sie den Schmerz anerkennen und um Entschuldigung bitten. Wenn das diskriminierende Verhalten von einer anderen Person ausgegangen ist, hat die Moderation die Verantwortung, einzugreifen. Ein Ignorieren oder Übergehen sorgt für eine zusätzliche Verletzung und signalisiert der betroffenen Person, dass sie allein gelassen wird.
Mehr dazu im Kapitel „Umgang mit Unsicherheit“
Zentrale Aspekte:
- Anerkennen von Verletzungen, keine Verharmlosung:
- Aktives Eingreifen bei diskriminierenden Aussagen oder Verhalten: Nicht reagieren wirkt oft wie Zustimmung
- Parteilichkeit gegenüber Betroffenen: Anerkennen und ernstnehmen
- Bereitschaft zur Reflexion und Veränderung
Negative wie positive Erfahrungen wirken über die Veranstaltung hinaus: Verletzungen oder das Gefühl nicht gesehen worden zu sein, genauso wie das Gefühl von Gemeinschaft, Bestärkung und Anerkennung. Teilnehmende sollten die Möglichkeit haben, am Ende ein Feedback zu geben, im besten Fall sowohl mündlich als auch anonym. In der mündlichen Abschlussrunde wird jeder Person Raum gegeben, abschließende Worte zu finden, das kann wichtig sein, um noch etwas „loszuwerden“, um es nicht mit nach Hause zu nehmen. Im anonymen Feedback können Dinge adressiert werden, für die in der mündlichen Runde die Kraft fehlt. Die Moderation kann darüber hinaus anbieten, für ein persönliches Gespräch noch etwas länger zu bleiben oder bietet den Teilnehmenden ihre E-Mailadresse bzw. die der Veranstaltenden an für spätere Kontaktaufnahme.
Für Veranstaltende ist es ratsam, nach jeder Veranstaltung zu reflektieren: Was lief gut, was nicht, wo können wir nachbessern? Die Ergebnisse der Reflektion sollten zur Überarbeitung von Konzepten und zur Vorbereitung zukünftiger Veranstaltungen herangezogen werden.
Zentrale Aspekte:
- Abschlussrunde durchführen: Raum für Rückmeldung geben
- Anonymes Feedback erleichtert manchmal das Mitteilen von diskriminierenden Erfahrungen
- E-Mailadresse für spätere Kontaktaufnahme anbieten
- Eigene Reflexion durchführen und Lehren für die Zukunft ziehen
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Handlungsstrategien gegen Ausschlüsse: Fallbeispiele
Jugendleiterschulung im Seminarhaus „Am Waldbach“
Alex nimmt an einem ganztägigen Präsenzseminar teil. In der ersten Pause sucht Alex eine Toilette. Im Gebäude gibt es ausschließlich „Damen“- und „Herren“-Toiletten. Nachdem Alex alles abgesucht hat, wird es wirklich dringend also nutzt Alex eine der Toiletten. Als Alex die Toilettenräume verlässt, murmelt eine Person am Waschbecken: „Also, das ist eigentlich die Frauentoilette.“ Alex verlässt kommentarlos den Raum und versucht in der verbleibenden Seminarzeit möglichst wenig zu trinken, um nicht nochmal auf die Toilette zu müssen.
Wo entsteht Ausschluss?
Der Ausschluss entsteht auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
Struktureller Ausschluss:
Das Seminarhaus verfügt ausschließlich über binär gekennzeichnete Toiletten („Damen“ / „Herren“). Für Personen, die sich keinem dieser Geschlechter zuordnen (können oder wollen), gibt es keine gleichwertige, sichere Option.Sozialer Ausschluss:
Der Kommentar der anderen Person („Das ist eigentlich die Frauentoilette“) stellt eine Grenzziehung dar. Alex’ Anwesenheit wird infrage gestellt, ohne Rücksicht auf Alex‘ Bedürfnisse oder Selbstbestimmung.Kommunikativer Ausschluss:
Es gibt keine klare Regel oder Ansage zur Nutzung der Toiletten. Das Schweigen der Umgebung und der Seminarleitung verstärkt den Eindruck, dass Alex mit der Situation allein bleibt.Individueller Ausschluss als Folge:
Alex passt das eigene Verhalten an (weniger trinken), um weitere unangenehme Situationen zu vermeiden. Der Raum wird faktisch nicht mehr gleichberechtigt nutzbar.Wer trägt Verantwortung?
Seminarhaus / Träger:
Verantwortung für die Infrastruktur und dafür, dass Räume für alle Teilnehmenden nutzbar sind.Veranstaltende / Seminarleitung:
Verantwortung für die Gestaltung eines diskriminierungsarmen Rahmens und für klare Kommunikation.Teilnehmende:
Verantwortung für einen respektvollen Umgang und dafür, keine Normen durchzusetzen, die andere ausschließen.Nicht Alex:
Alex muss sich nicht vor der Seminarleitung (oder der Gruppe) outen, um das Recht auf eine gleichberechtigte Teilhabe zu genießen.Was kann jetzt getan werden?
Die Seminarleitung kann auf die Situation der ausschließlich binären Toilettenräume aufmerksam machen und darauf hinweisen, dass alle einfach die Toilette benutzen sollen, die sie möchten.
Wenn Alex sich der Seminarleitung anvertraut, kann diese bei Alex direkt nachfragen, welche Unterstützung Alex sich wünscht, bzw. anbieten das Haus darum zu bitten kurzfristig Toilettenräume im Gebäude mit einem Schild zur „genderneutralen Toilette“ zu erklären.
Was hätte vorher anders gestaltet werden können?
Infrastruktur:
Prüfung, ob All-Gender-Toiletten vorhanden sind oder temporär ausgewiesen werden können (z. B. durch Umwidmung und Beschilderung).Kommunikation:
Klare Information zu Beginn der Veranstaltung, wie Toiletten genutzt werden können, auch bei binärer Beschilderung.Haltung & Vorbereitung:
Sensibilisierung der Seminarleitung für solche Situationen und Vorbereitung auf Interventionen.Organisation:
Auswahl von Veranstaltungsorten, die geschlechtliche Vielfalt berücksichtigen, oder frühzeitige Absprachen mit dem Seminarhaus.Anmeldung zum Seminar
Der Landesverband des Fahrradclubs bietet ein Seminar zum Thema „Lokale Radverkehrspolitik“. Sam ist begeistert, dey interessiert sich schon lange für dieses Thema und dann ist der Kurs auch noch kostenfrei! Sam meldet sich per Mail an und erhält kurz darauf die Bestätigung, die mit den Worten beginnt: „Liebe Teilnehmerin / lieber Teilnehmer“ Sam fällt die binäre Anrede zwar auf, aber freut sich dennoch auf den Tag. Als Sam sich dann am Tag in eine Liste eintragen soll, in der nur „Herr“ oder „Frau“ als Anrede zur Auswahl stehen, sagt Sam zur Seminarleitung: „Ich glaube, das ist nicht der richtige Ort für mich, ich möchte lieber doch nicht teilnehmen.“ Die Seminarleitung versteht gar nicht was Sam meint und sagt: „Ach wie schade! Wir freuen uns immer so, wenn junge Frauen sich für Radverkehrspolitik interessieren. Wollen Sie nicht doch bleiben?“
Wo entsteht Ausschluss?
Der Ausschluss entsteht schrittweise und auf mehreren Ebenen:
Kommunikativer Ausschluss (vorab):
Bereits in der Anmeldebestätigung wird Sam binär angesprochen („Liebe Teilnehmerin / lieber Teilnehmer“). Dadurch wird signalisiert, dass nur zwei Geschlechter mitgedacht sind.Struktureller Ausschluss (vor Ort):
Die Teilnahmeliste bietet ausschließlich die Anredeoptionen „Herr“ oder „Frau“. Sam wird gezwungen, sich einer falschen Kategorie zuzuordnen oder sich sichtbar zu erklären.Sozialer Ausschluss (im Gespräch):
Die Reaktion der Seminarleitung („junge Frauen“) ordnet Sam erneut fälschlicherweise einem Geschlecht zu (Misgendering).Individueller Ausschluss als Folge:
Sam entscheidet sich, das Seminar zu verlassen. Der Ausschluss wirkt indirekt, aber effektiv: Der Raum wird für Sam unzugänglich.Wer trägt Verantwortung?
Veranstaltende Organisation / Landesverband:
Verantwortung für Anmeldeprozesse, Formulare, Listen und Standards der Ansprache.Seminarleitung:
Verantwortung für sensiblen Umgang mit Rückmeldungen, für Zuhören und für die Bereitschaft, Ausschlüsse (an)zuerkennen.Nicht Sam:
Sam trägt keine Verantwortung dafür, sich erklären oder bleiben zu müssen.Was kann jetzt getan werden?
In der akuten Situation:
Die Seminarleitung hätte innehalten und zuhören können, z. B.:
„Danke, dass Sie das ansprechen. Möchten Sie mir sagen, was für Sie gerade schwierig ist?“Anerkennen, dass ein Ausschluss passiert ist, statt ihn zu relativieren oder umzudeuten.
Die Teilnahmeliste kurzfristig anpassen (z. B. offene Anrede, Durchstreichen der Kategorien).
Im Nachgang:
Kontaktaufnahme mit Sam (wenn gewünscht) mit einer Entschuldigung ohne Rechtfertigung.Interne Reflexion: Was hat dazu geführt, dass Sam sich nicht willkommen gefühlt hat?
Was hätte vorher anders gestaltet werden können?
Anmeldebestätigung:
Neutrale Anrede wie „Liebe Teilnehmenden“ oder „Guten Tag“.Formulare und Listen:
Keine verpflichtende Anrede oder mehr als zwei Optionen; idealerweise Verzicht auf die Abfrage von Geschlecht.Vorbereitung der Seminarleitung:
Sensibilisierung für geschlechtliche Vielfalt und für Situationen, in denen Teilnehmende Ausschluss benennen.Im Sportverein
Im Badmintonverein treffen sich die „Freizeitfedern“ einmal pro Woche zum lockeren Spiel. An Wettkämpfen nimmt das Team nicht teil. Nach der längeren Sommerpause bittet eins der Mitglieder kurz um die Aufmerksamkeit der anderen und erklärt, dass es jetzt einen neuen Namen hat: „Bitte nennt mich Anna, mein Pronomen ist ab sofort ‚sie‘“. Die anderen Spieler nicken oder murmeln etwas, dann beginnt das Training. Immer wieder wird Anna mit ihrem alten Namen angesprochen, was sie versucht zu ignorieren. Vor dem nächsten Training kommen drei Spieler zum Trainer und fordern, dass Anna das Team verlässt und zukünftig mit den Frauen spielt, schließlich sei das ja, was „er“ wolle. Der Trainer weiß nicht, was er jetzt machen soll.
Wo entsteht Ausschluss?
Der Ausschluss entsteht schrittweise und auf mehreren Ebenen:
Kommunikativer Ausschluss:
Obwohl Anna ihren Namen und ihr Pronomen klar benennt, wird sie wiederholt mit dem alten Namen angesprochen. Dieses Misgendern, auch wenn es teilweise vielleicht „aus Versehen“ passiert, ist verletzend und stellt Annas Selbstbestimmung infrage.Sozialer Ausschluss:
Die Forderung einzelner Spieler, Anna aus dem Team auszuschließen, verschiebt das Problem von der eigenen Grenzverletzung auf Anna selbst. Ihre Anwesenheit wird als Störung des Teams dargestellt.Struktureller Ausschluss (implizit):
Die Annahme, Anna müsse „bei den Frauen spielen“, missachtet, dass es sich um ein Freizeitteam ohne Wettkampf- oder handelt, für die geforderte Geschlechtertrennung gibt es keine valide Begründung.Individueller Ausschluss als Folge:
Anna versucht, das Misgendern zu ignorieren, was auf Anpassungsdruck hindeutet. Die Situation kann dazu führen, dass sie sich nicht mehr sicher oder willkommen fühlt und den Verein verlässt.Wer trägt Verantwortung?
Trainer:
Der Trainer trägt eine zentrale Verantwortung für den Trainingsrahmen, für den Umgang im Team und für den Schutz einzelner Mitglieder vor Ausgrenzung.Verein:
Verantwortung für klare Regeln, Leitlinien und Werte, insbesondere im Umgang mit Diskriminierung und Vielfalt.Teammitglieder:
Verantwortung für respektvolles Verhalten, die Verwendung des richtigen Namens und Pronomens sowie dafür, keine Ausschlüsse zu fordern.Nicht Anna:
Anna trägt keine Verantwortung dafür, andere zu „überzeugen“, Geduld aufzubringen oder das Team zu verlassen.Was kann jetzt getan werden?
Kurzfristig, in der aktuellen Situation:
Der Trainer sollte die Forderung klar zurückweisen, z. B.:
„Anna ist Teil unseres Teams. Es gibt keinen Grund, sie auszuschließen.“Deutlich machen, dass Name und Pronomen zu respektieren sind.
Das Misgendern als Problem benennen, nicht Annas Anwesenheit.
Im Team:
Ein gemeinsames Gespräch führen, in dem Regeln für den Umgang festgelegt werden (z. B. respektvolle Ansprache, kein Diskutieren über Identität).Klarstellen, dass das Team kein Ort für Ausschluss oder Abstimmungen über Zugehörigkeit ist.
Unterstützung für Anna:
Der Trainer und andere Teammitglieder können Anna signalisieren, dass sie willkommen ist und Unterstützung bekommt, ohne sie in eine Erklärrolle zu drängen.Was hätte vorher anders gestaltet werden können?
Rahmensetzung:
Klare Grundsätze im Verein, dass Diskriminierung – auch durch Sprache – nicht akzeptiert wird.Sensibilisierung:
Schulungen oder kurze Inputs für Trainer und Teams zu geschlechtlicher Vielfalt und respektvollem Umgang.Sprache im Alltag:
Etablieren einer Kultur, in der Namen und Pronomen selbstverständlich respektiert werden und „Fehler“ direkt korrigiert werden.Pronomenrunde
Bei einem Bildungswochenende der Gewerkschaft bittet Gün darum, dass alle bei der Vorstellungsrunde auch ihre Pronomen nennen. Einige der Teilnehmenden verstehen nicht, was damit gemeint ist, also gibt Gün eine kurze Erklärung und sagt, dass Gün selbst keine Pronomen verwendet. Sven beginnt mit seinem Nachbarn zu tuscheln und als er an der Reihe ist, sagt er: „Ich benutze ganz normale Pronomen“. Die Seminarleitung sagt nichts, auch später nicht, als Sven sich mehrfach über „diesen Genderkram“ beschwert. Am Nachmittag teilt Gün der Seminarleitung mit, dass Gün früher abreist, da Gün sich nicht wohlfühlt.
Wo entsteht Ausschluss?
Der Ausschluss entsteht auf mehreren Ebenen und verstärkt sich im Verlauf der Veranstaltung:
Kommunikativer Ausschluss:
Svens Aussage („ganz normale Pronomen“) wertet andere Pronomen implizit als „unnormal“ ab. Das Tuscheln und spätere Beschwerden über „Genderkram“ erzeugen ein abwertendes Klima.Sozialer Ausschluss:
Durch das Ausbleiben einer Reaktion der Seminarleitung bleiben die abwertenden Aussagen unwidersprochen. Für Gün entsteht der Eindruck, mit der eigenen Position allein zu sein.Struktureller Ausschluss:
Die Pronomenrunde wird erst auf Wunsch einer teilnehmenden Person eingeführt. Es fehlt eine klare Regel, wie mit respektlosem Verhalten oder Kommentaren umzugehen ist.Individueller Ausschluss als Folge:
Gün fühlt sich nicht wohl und reist früher ab. Der Raum wird faktisch nicht mehr sicher oder unterstützend erlebt.Wer trägt Verantwortung?
Seminarleitung:
Zentrale Verantwortung für die Gestaltung des Rahmens, für Interventionen bei abwertenden Aussagen und für den Schutz von Teilnehmenden vor Diskriminierung.Veranstaltende Organisation:
Verantwortung für klare Leitlinien, Sensibilisierung und Unterstützung der Seminarleitung.Teilnehmende:
Verantwortung für respektvollen Umgang und dafür, andere nicht abzuwerten oder lächerlich zu machen.Nicht Gün:
Gün trägt keine Verantwortung dafür, die Situation auszuhalten, sich zu erklären oder Regeln gegen diskriminierendes Verhalten durchzusetzen.Was kann jetzt getan werden?
In der aktuellen Situation:
Die Seminarleitung hätte Svens Aussage klar einordnen können, z. B.:
„Bitte lasst uns nicht von ‚normal‘ und ‚unnormal‘ sprechen. Hier gehen wir respektvoll miteinander um.“Bei wiederholten Beschwerden über „Genderkram“ hätte eine Grenze gesetzt werden müssen (z. B. Verweis auf gemeinsame Regeln).
Nach dem Hinweis von Gün:
Zuhören, Anerkennen der Belastung und eine klare Entschuldigung für das Nicht-Eingreifen.Prüfen, ob und wie das Setting kurzfristig verändert werden kann (z. B. erneute Klärung im Plenum).
Im Nachgang:
Reflexion: Warum wurde nicht interveniert? Welche Unsicherheiten gab es?Konsequenzen für zukünftige Veranstaltungen ableiten.
Was hätte vorher anders gestaltet werden können?
Rahmung der Pronomenrunde:
Klare Erklärung, warum Pronomen abgefragt werden, und Betonung der Freiwilligkeit.Regeln für den Umgang:
Vorab vereinbaren, dass abwertende Kommentare und Lächerlichmachen nicht akzeptiert werden.Vorbereitung der Seminarleitung:
Konkrete Interventionsstrategien für abwertende Aussagen und Widerstände.Awareness-Strukturen:
Benennung von Ansprechpersonen und klaren Zuständigkeiten bei Diskriminierung. -
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Verbündet sein und Grenzen setzen: das Prinzip Allyship
Diskriminierendes Verhalten zeigt sich nicht immer in offenen Beleidigungen. Häufig entsteht Ausschluss subtil, zum Beispiel durch ausgrenzende Verfahren und Routinen, durch Schweigen und das Ausbleiben von Interventionen. Die Fallbeispiele machen deutlich, dass gute Absichten allein nicht ausreichen, um Ausschlüsse zu verhindern. Es braucht aktives, verantwortungsvolles Handeln, um Räume zu schaffen, in denen sich alle willkommen und sicher fühlen können.
Ally sein bedeutet Verbündet-Sein durch konkretes Handeln
Für dieses aktive und verantwortungsvolle Handeln gegen Diskriminierung von Nicht-Betroffenen gibt es das Konzept „Allyship“. Das englische Wort „Ally“ bedeutet „Alliierte*r“ bzw. „Verbündete*r“. Allyship zeigt sich darin, zuzuhören, Ausschlüsse ernst zu nehmen, die eigene Position und Handlungsmacht zu nutzen und Risiken nicht auf Betroffene abzuwälzen.
Dazu gehört auch, Fehler einzugestehen, Kritik anzunehmen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Wer Ally sein will, übernimmt Verantwortung auch dann, wenn keine betroffene Person anwesend ist oder wenn Interventionen unangenehm sind. „Allyship“ ist eine dauerhafte Praxis, die aktives Eingreifen, Lernbereitschaft und klare Grenzsetzungen einschließt, und kein Status oder gar eine Selbstbezeichnung.
Diskriminierung erkennen heißt Verantwortung übernehmen
Ausschluss wirkt immer dann besonders stark, wenn er nicht benannt wird. Egal ob es um falsche Anrede, abwertende Kommentare oder strukturelle Hürden wie fehlende genderneutrale Toiletten geht: Schweigen signalisiert Betroffenen, dass ihr Ausschluss akzeptiert wird. Das Wichtigste ist also, dieses Schweigen zu brechen.
Grenzen geben Orientierung und Sicherheit. Grenzen zu setzen bedeutet klarzumachen:
„Dieses Verhalten hat hier keinen Platz“.
Eine sachliche Intervention („Diese Aussage ist abwertend“, „Hier respektieren wir Namen und Pronomen“) schützt nicht nur die unmittelbar betroffene Person, sondern auch andere, die sich sonst still zurückziehen.
Verbündet sein heißt handeln
Nicken oder private Solidarität reichen nicht aus, wenn Diskriminierung öffentlich passiert. Wer moderiert, leitet oder organisiert, trägt besondere Verantwortung für den Rahmen einer Veranstaltung. Viele Konflikte ließen sich vermeiden, wenn Diskriminierung von Anfang an mitgedacht würde. Es braucht klare und verständliche Kommunikation, Diskriminierungssensibilität und Awareness-Strukturen.
Verbündet zu sein und Grenzen zu setzen gehören zusammen. Haltung zeigt sich im Handeln, insbesondere dann, wenn es unbequem wird.
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Checkliste: Wie genderinklusiv ist mein Umfeld?
Zur Überprüfung des eigenen (Arbeits-, Vereins-, Bildungs-...)Umfelds kann hier eine Checkliste heruntergeladen werden. Diese dient lediglich als Anregung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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