Gendersensible Sprache
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Gendersensible Sprache
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In diesem Abschnitt dreht sich alles um die Bedeutung von Sprache für die geschlechtliche Vielfalt. Du erfährst, wie Sprache die Wirklichkeit formt und lernst, Texte gendersensibel zu formulieren und deine Kommunikation so zu gestalten, dass sich alle Menschen angesprochen und mitgemeint fühlen. Die Inhalte in diesem Abschnitt wurde zu großen Teilen von Annika Salingré entwickelt, einer echten Expertin auf dem Gebiet der vielfaltssensiblen Sprachgestaltung.
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✻Sprache schafft Realität(en)
Dass Sprache Realität(en) schafft, meint, dass Sprache nicht nur ein Mittel ist, um Realität zu beschreiben, sondern sie auch prägt und formt, wie wir die Realität wahrnehmen, verstehen und erleben. Die Worte, die uns zur Verfügung stehen, bestimmen, welche Dinge oder Unterschiede wir wahrnehmen (oder eben nicht), worauf wir achten und wie wir Dinge bewerten.
Sprache ist also nicht neutral: Sie repräsentiert nicht nur die Welt, sondern strukturiert, ordnet und bewertet sie.
- • Durch Sprache konstruieren wir unsere Vorstellung von der Welt.
- • Damit „schafft“ Sprache unterschiedliche Realitäten – je nachdem, welche Begriffe verwendet werden.
- • Sprache ist ein Werkzeug des Denkens, nicht nur der Kommunikation.
Der gegenseitige Einfluss von Sprache und Wahrnehmung wird besonders deutlich, wenn man auf Geschlecht und Gender schaut. Durch sprachliche Formen wird vermittelt, welche Geschlechter als selbstverständlich gelten, sichtbar sind oder unsichtbar gemacht werden.
Das generische Maskulinum
Vielleicht kennst du dieses Rätsel:
„Vater und Sohn fahren im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Bub wird mit schweren Kopfverletzungen in die Notaufnahme gebracht. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chef-Chirurg erscheint, blass wird und sagt: 'Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!'. Was ist hier los?“
Die Lösung: Der Chef-Chirurg ist die Mutter. Die rein maskuline Form verhindert oft dieses mentale Bild.
In vielen Sprachen wird traditionell das maskuline Genus verwendet, um alle Geschlechter mitzumeinen. Der Fachbegriff dafür lautet: generisches Maskulinum.
Ein Beispiel: „Die Studenten kommen ständig zu spät.“ Hier sind meistens nicht nur männliche Studierende gemeint, sondern alle. Doch wissenschaftliche Studien zeigen, dass dies nicht wirklich „neutral“ wahrgenommen wird:
- • Man denkt überwiegend an Männer.
- • Andere Geschlechter sind weniger sichtbar und werden weniger mitgedacht.
- • Es entsteht ein gesellschaftlicher Bias: Männlichkeit wird zur Norm.
Sprache, Wahrnehmung und Wirkung
Sprachliche Struktur Wahrnehmung Wirkung „Studenten“ (maskulin) Vorstellung männlicher Personen Männer erscheinen als „Standard“ „Studentinnen und Studenten“ (binär) beide Geschlechter werden sichtbar Gleichberechtigte Wahrnehmung „Studierende“ (neutral) Fokus auf Tätigkeit Inklusivere Wahrnehmung „alle, die studieren“ (inklusiv) Vollständige Neutralität Abbau von Stereotypen Zusammenfassung
- Gleichberechtigung beginnt in der Sprache: Sichtbarkeit ist Voraussetzung für Teilhabe.
- Sprache formt Bewusstsein: Differenzierte Sprache führt zu bewussterem Handeln.
- Sprache kann ausschließen oder verbinden: Sie verändert Machtverhältnisse.
- Sprache ist wandelbar: Entwicklung ist Fortschritt, kein Verlust.
Sprache schafft Realität(en): Wenn wir unsere Sprache ändern, erweitern wir unsere Wahrnehmung und schaffen Platz für geschlechtliche Vielfalt.
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Gendersensibel formulieren: Mit Sternchen oder ohne
Unter gendersensibler Sprache versteht man eine reflektierte und bewusst wertschätzende Art der Kommunikation, die geschlechtliche Vielfalt sichtbar macht. Es geht darum, weder einzelne Personen noch Gruppen unnötig oder unzutreffend einem Geschlecht zuzuordnen, sondern Formulierungen zu wählen, die allen gerecht werden. Damit unterscheidet sie sich in mehreren Punkten vom herkömmlichen alltäglichen Gebrauch der deutschen Sprache.
Im Deutschen werden häufig automatisch und unreflektiert bestimmte Geschlechterkategorien mittransportiert – vor allem über das generische Maskulinum. Wenn von Studenten, Mitarbeitern oder Dozenten gesprochen wird, sollen laut traditioneller Auffassung alle Geschlechter gemeint sein. Tatsächlich aber wird damit eine männliche Form stellvertretend verwendet und normalisiert. Auch wenn das lange als neutral galt, werden Personen sprachlich einem Geschlecht zugeordnet und „gendert“. Diese Art des Genderns passiert regelmäßig, teilweise unbemerkt, und ist aufgrund der Struktur des Deutschen gar nicht so einfach zu umgehen.
Hier setzt gendersensible Sprache an: Sie versucht, solche Gewohnheiten zu hinterfragen und alternative Ausdrucksweisen zu entwickeln, die vielfältiger, präziser und wertschätzender sind.
Warum ist unsere Sprache eigentlich oft so unsensibel?
Das unreflektierte Priorisieren oder Ausblenden bestimmter Geschlechter hat historische Gründe. Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen gesellschaftlich abgewertet und kaum als eigenständige Akteurinnen begriffen. Sprachlich tauchten sie häufig nur in ihrer Beziehung zu Männern auf: als Ehefrau, Tochter oder Witwe. Selbst im 20. Jahrhundert blieb lange wenig Raum für weibliche oder geschlechtsdiverse Perspektiven.
Mit dem Aufkommen des generischen Maskulinums wurde diese Ungleichheit in der Sprache regelrecht systematisiert. Männliche Formen wurden zum Standard, und alle anderen wurden (wenn überhaupt) „mitgemeint“. Dadurch wurde die Unsichtbarkeit von Menschen jenseits der sprachlichen Norm festgeschrieben. Das ist jedoch weder natürlich noch zwingend, sondern ein Ergebnis konkreter sozialer und kultureller Entwicklungen.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht spielt auch das grammatische System des Deutschen eine Rolle. Viele Substantive besitzen ein maskulines oder feminines Genus, und Personenbezeichnungen existieren meist nur in diesen beiden Varianten. Geschlechtsneutrale Begriffe sind selten. Dadurch entstehen sprachlicher Druck und Gewohnheit, Menschen binär zu kategorisieren. Selbst dann, wenn ihr tatsächliches Geschlecht anders, unbekannt oder irrelevant ist.
Gendersensibles Formulieren hat zum Ziel:
- • Menschen nicht fälschlich einem Geschlecht zuzuweisen (Misgendering),
- • Geschlecht wegzulassen, wo es keine Rolle spielt,
- • geschlechtsbezogene Begriffe nur dort zu nutzen, wo sie relevant sind,
- • geschlechtliche Vielfalt sprachlich sichtbar zu machen,
- • diskriminierende Strukturen sprachlich nicht weiterzuführen.
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Varianten gendersensibler Sprache
Es existieren verschiedene Strategien, von denen keine universell immer die richtige ist. Die folgenden vier Ansätze funktionieren teilweise unabhängig voneinander, lassen sich aber auch kombinieren.
Genderinklusiv mit SonderzeichenGenderinklusiv mit Sonderzeichen
Besonders sichtbar ist der Einsatz von Sonderzeichen, um Personenbezeichnungen explizit für alle Geschlechter zu öffnen. Die drei am häufigsten verwendeten Varianten sind:
- Genderstern (Student*in / Student*innen)
- Doppelpunkt (Student:in / Student:innen)
- Gendergap (Student_in / Student_innen)
Die verschiedenen Symbole werden politisch, ästhetisch und funktional unterschiedlich diskutiert: Insbesondere das Sternchen wird als Symbol für Vielfalt gelesen. Für Menschen mit Sehbehinderungen sind sogenannte Wortbinnenzeichen nicht ideal. Wenn sich jedoch für eines entschieden wird, wird das Sternchen gegenüber Doppelpunkt und Unterstrich bevorzugt.¹
Alle Sonderzeichen-Schreibweisen sind bisher nicht im amtlichen Regelwerk vorgesehen und Formulierungen im Singular können hinsichtlich Artikeln und Pronomen Schwierigkeiten machen². Trotzdem werden sie weit verbreitet genutzt und gelten in vielen Kontexten als Standard für inklusive Formulierungen.
In der gesprochenen Sprache gibt es an der Stelle des Sonderzeichens eine kleine Pause, den sogenannten Glottisschlag. Dieser ist in der deutschen Sprache üblich. Zum Beispiel zwischen den letzten beiden Silben von Spiegelei.
¹ Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) erklärt in einer Stellungnahme dass Kurzformen (wie Lerser:in) "für viele blinde und sehbehinderte Menschen problematisch [sind] und deshalb nicht zu empfehlen. Falls jedoch mit Kurzformen gegendert werden soll, empfiehlt der DBSV, das Sternchen zu verwenden, unter anderem, weil davon auszugehen ist, dass Doppelpunkt und Unterstrich für sehbehinderte Menschen schlechter erkennbar sind als das Sternchen".
² Hier bietet sich eine Kombination mit Umformulierungen und Synonymen an.
Synonyme und das Spiel mit SpracheSynonyme und das Spiel mit Sprache
In vielen Fällen können durch kleine Satzumbauten und genderneutrale Synonyme unnötige Geschlechtszuschreibungen vermieden werden. Hilfreich sind dabei Wörter, die Tätigkeiten, Rollen oder Zustände ganz ohne Geschlechtsangabe beschreiben. Zum Beispiel:
- Individuum, Mensch, Personen, Leute
- Tätigkeitsbezeichnungen wie Studierende, Lehrende, Mitarbeitende, Reisende (Partizipien)
- Sammelbegriffe wie Team, Belegschaft, Publikum, Klasse
- Mengenangaben wie einige, viele, wenige, alle
Zwar verändern sich so manchmal Nuancen eines Satzes, jedoch bleibt die Bedeutung üblicherweise erhalten und der Text kann zudem präziser werden. Diese Praxis wird oft als entgenderte oder genderfreie Sprache bezeichnet, und lässt sich in nahezu jedem Kontext anwenden. Ein weiterer Vorteil ist, dass offizielle Rechtschreib- und Grammatik-Regeln befolgt werden.
Entgendern nach PhettbergEntgendern nach Phettberg
Ein Ansatz, der in den 1990er-Jahren vom österreichischen Künstler Hermes Phettberg vorgeschlagen wurde, besteht in der Einführung neutraler Wortendungen. Dabei werden an den Wortstamm die Endungen -y (Singular) bzw. -ys (Plural) angefügt. Zusätzlich wird das als neutraler Artikel genutzt, und als Pronomen dient es.
Aus der Dozent würde das Dozenty (aus die Dozentin würde ebenfalls das Dozenty) und die Dozenten (sowie die Dozentinnen) würden zu die Dozentys. Obwohl dieses Modell keine Sonderzeichen benötigt und eine klare Struktur verfolgt, ist es weder offiziell anerkannt noch weit verbreitet.
Allerdings existieren umgangssprachliche Formen, die daran erinnern, zum Beispiel Studi/Studis, Schüli/Schülis oder Aktivisti/Aktivistis. Diese werden vor allem in informellen Kontexten recht häufig genutzt, weichen jedoch vom ursprünglichen Vorschlag ab, da sie meist mit genderinklusiven Artikeln kombiniert werden (der*die Studi) oder nur im Plural gängig sind.
Genderfreie Formen nach Hornscheidt & SammlaGenderfreie Formen nach Hornscheidt & Sammla
Lann Hornscheidt und Ja’n Sammla haben in den 2020er-Jahren ein System vorgestellt, das vollständig ohne geschlechtliche Markierungen auskommt. Dafür nutzen sie die genderfreie Endung -ens (Plural -ense), ergänzt durch eigene Artikel (dens, einens) sowie passende Pronomen. Der Vorschlag basiert auf dem Mittelteil des Worts „Mensch“ und soll intuitiv verständlich und einfach anwendbar sein.
Diese genderfreie Variante folgt klaren Regeln und verzichtet auf Sonderzeichen. Sie entspricht jedoch ebenfalls nicht der aktuellen amtlichen Rechtschreibung und lässt sich daher (wenn überhaupt) in bestimmten aktivistischen oder wissenschaftlichen Kontexten wiederfinden.
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Eine allgemeingültige, in allen Situationen passende gendersensible Form gibt es nicht. Die passende Form hängt von mehreren Aspekten ab, darunter:
- der Kommunikationssituation (mündlich vs. schriftlich),
- dem Grad an Förmlichkeit,
- der Zielgruppe,
- dem eigenen sprachlichen Stil,
- und der Frage, ob man eher normorientiert oder eher politisch-signalisierend kommunizieren möchte/kann.
Menschen entscheiden ständig bewusst und unbewusst, welche Worte sie wählen. Beim Gendern ist es nicht anders. Für viele Menschen ist gendersensible Sprache zunächst ungewohnt, und es braucht Zeit, um verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. Das ist normal. Wir dürfen experimentieren, Fehler machen, uns korrigieren, dazulernen und nach und nach ein Gefühl dafür entwickeln, welche Formen in welchen Kontexten stimmig sind.
Gendersensible Sprache entwickelt sich fortlaufend weiter. Es ist daher weder nötig noch sinnvoll, sich endgültig festzulegen. Entscheidend ist vielmehr, ein Bewusstsein für die eigenen Entscheidungen zu entwickeln und flexibel auf Situationen reagieren zu können.
Die oben genannten Strategien zu verwenden, darf nicht dazu führen, strukturelle Diskriminierung unsichtbar zu machen. Wenn Diskriminierung, Grenzverletzungen oder sexistische Handlungen beschrieben werden, ist Präzision wichtig und das bedeutet manchmal auch, Geschlecht ausdrücklich zu benennen. Alles andere wäre nicht sensibel, sondern kontraproduktiv.
Gendersensible Sprache heißt also nicht, grundsätzlich genderneutral oder inklusiv zu formulieren. Vielmehr bedeutet sie, bewusst zu entscheiden, wann und wie Geschlecht genannt werden sollte, um Diskriminierung zu vermeiden oder eben auch sichtbar machen zu können.
In diesem Lernangebot wird bewusst von „gendersensibler“ Sprache gesprochen, denn es geht weder um „richtig und falsch“ noch um Perfektion, sondern darum, sensibel mit Sprache umzugehen, die eigene Kommunikation zu reflektieren und achtsam mit Worten und Formulierungen umzugehen.
Das bedeutet zum Beispiel:
- Einer Person, die Deutsch gerade erst lernt, eine E-Mai, zuschreiben, die voller Sätze wie dem folgenden ist, ist nicht sensibel: „Der*die Student*in, der*die als erste*r seine*ihre Hausarbeit bei dem*der Dozent*in abgibt, bekommt auf seinem*ihrem Zeugnis einen Sticker seiner*ihrer Wahl.“ – So mag der Satz zwar genderinklusiv formuliert sein, aber die Lesbarkeit ist alles andere als leicht (und so inhaltlich ergibt er auch nicht wirklich Sinn, aber es ist ja auch nur ein Beispiel). Sensibel wäre, eine verständliche Formulierung zu wählen, die trotzdem Menschen aller Geschlechter mitdenkt, wie z.B.: „Wer die Hausarbeit als erstes abgibt, darf sich einen Sticker aussuchen.“
- Eine Gruppe von singenden Lehrkräften (aller Geschlechter) hat sich selbst den Namen „Lehrerchor“ gegeben, alle Mitglieder sind mit der Bezeichnung glücklich. Wenn nun im Newsletter der Schule daraus „Lehrkräfte-Chor“ oder „Chor der Lehrer*innen“ gemacht wird, übergeht das den selbstgewählten Namen. Das ist nicht sensibel. Stattdessen könnte im Newsletter stehen: „Der ‚Lehrerchor‘ lädt alle Kolleg*innen [oder: alle Mitglieder des Kollegiums] zum gemeinsamen Singen ein.“ So wird die Selbstbezeichnung gewahrt und trotzdem auf die geschlechtliche Vielfalt verwiesen.
- Ein Basketballteam hat eine neue Trainerin: eine trans Frau und ehemalige Profi-Spielerin, die „sie/ihr“ Pronomen nutzt und von sich selbst in der weiblichen Form spricht. Auf der Vereinshomepage wird folgende Ankündigung veröffentlicht: „Unser Team hat ein neues Oberhaupt: zukünftig wird uns eine Person trainieren, die schon in der Bundesliga gespielt hat.“ Auch hier ist der Satz genderneutral formuliert, doch sensibel ist es nicht, wenn die sprachliche Neutralisierung die weibliche Identität der Trainerin bewusst unsichtbar macht. Stattdessen könnte es heißen: „Wir haben eine neue Trainerin! Unser Team wird ab sofort von einer ehemaligen Profi-Spielerin geleitet.“
Dies sind nur drei Beispiele, die deutlich machen sollen, dass es bei gendersensibler Sprache um mehr geht, als „korrekt“ zu gendern. Kontext, Selbstbezeichnungen, eigene Sprachvorlieben und die adressierte Zielgruppe sollten bei der Entscheidung, wie etwas formuliert wird, immer Berücksichtigung finden.
Gendersensible Sprache heißt auch: über geschlechtliche Vielfalt hinaus sensibel zu sein, diskriminierende Begriffe und Formulierungen, historisch belastete Wörter und verletzende Sprachbilder zu vermeiden und laufend dazuzulernen.
Lucy Gasser, Anna von Rath (2024): Macht Sprache. Ein Manifest für mehr Gerechtigkeit.
Lann Hornscheidt & Ja’n Sammla (2021): Wie schreibe ich divers? Wie spreche ich gendergerecht? Ein Praxis-Handbuch zu Gender und Sprache.
Thomas Kronschläger (2022): Entgendern nach Phettberg. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 5-7/2022.
Christine Olderdissen (2021): Gender-leicht. Wie Sprache für alle elegant gelingt.
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FAQ (Frequently Asked Questions / Häufig gestellte Fragen)
Wer sich auf den Weg macht, die eigene Komunikation gendersensibel zu gestalten, stößt schnell auf Herausforderungen. Die häufigsten Fragen rund ums "Gendern" werden hier beantwortet.
Was ist der Unterschied der Sonderzeichen?In Deutschland sind vor allem drei Genderzeichen geläufig: Genderstern (*), Doppelpunkt (: ) und Unterstrich (_). Alle drei verfolgen das Ziel, mehr als zwei Geschlechter sichtbar zu machen, setzen dabei aber unterschiedliche Schwerpunkte und sind unterschiedlich umstritten.
Genderstern (*)
Beispiel: Mitarbeiter*innen
- Der Stern steht symbolisch für die Vielfalt von Geschlechtern jenseits der binären Ordnung.
- Er ist besonders in zivilgesellschaftlichen, feministischen und queeren Kontexten verbreitet.
- Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) weist darauf hin, dass Sonderzeichen für viele blinde und sehbehinderte Menschen Barrieren darstellen können und empfiehlt daher Neutralisierungen. Wenn ein Sonderzeichen verwendet wird, dann empfiehlt der DBSV das Sternchen, da es im Schriftbild besser zu erkennen ist. Screenreader können so programmiert werden, dass der beim Vorlesen eine kurze Sprechpause gemacht wird.
Doppelpunkt (: )
Beispiel: Mitarbeiter:innen
- Der Doppelpunkt wird häufig empfohlen, da er im Vergleich zu den Alternativen eher unauffällig im Schriftbild ist. Im Unterschied zum Gendersternchen wirkt der Doppelpunkt weniger aktivistisch.
- Der Doppelpunkt gilt vielfach irrtümlich als barriereärmer, dem wurde jedoch mittlerweile mehrfach widersprochen. Mehr dazu: https://www.genderleicht.de/gender-doppelpunkt
Unterstrich (_)
Beispiel: Mitarbeiter_innen
- Der sogenannte „Gender Gap“ soll eine Leerstelle für nicht-binäre Geschlechter markieren.
- In der Praxis ist er heute weniger gebräuchlich, da er in digitalen Systemen (Formulare, Datenbanken, URLs) problematisch ist und von Screenreadern häufig als „Unterstrich“ mitgelesen wird
Warum der Schrägstrich (/) nicht genderinklusiv ist
Formen wie Mitarbeiter/innen oder Kollegen/innen bilden nur zwei Geschlechter ab (männlich/weiblich). Nicht-binäre, inter oder trans Personen werden sprachlich nicht mitgedacht. Der Schrägstrich gilt daher als nicht inklusiv.
Wie ist das mit englischen Begriffen im Deutschen?Englische Begriffe wie Manager, User, Influencer oder Trainer gelten im Englischen als geschlechtsneutral. Im Deutschen werden sie jedoch meist dekliniert, um sie an Kasus (Fall), Numerus (Zahl) und Genus (Geschlecht) anzupassen. Insbesondere bei englischen Lehnwörtern, die auf -er enden ist es inzwischen üblich, im deutschen eine weibliche Form zu ergänzen (die Managerin).
Um genderinklusiv zu formulieren, werden also auch ursprünglich englische Begriffe, wie User, Content Creator oder Influencer gegendert und z.B. zu „User*in“, „Content Creator*in“ oder „Influencer*in“.
Manche englische Wörter fügen sich nicht so leicht in einen deutschen Satz ein. So sind bspw. Wörter wie Clown oder Coach zwar geläufig, es ist aber umstritten, ob sie gegendert werden. Der Duden führt sowohl „die Coachin“ als auch „die Clownin“.
Grundsatz:
Nicht die Herkunft eines Wortes ist ausschlaggebend, sondern wie es im Deutschen funktioniert und gelesen wird.Kann ich Rechtstexte einfach umformulieren?Kurz gesagt: Nein, nicht ohne Prüfung.
Rechtstexte (z. B. Verträge, AGB, Satzungen, Ordnungen) unterliegen besonderen Anforderungen:
- Eindeutigkeit
- Rechtssicherheit
- Auslegung durch Gerichte
Viele nutzen deshalb das generische Maskulinum oder feststehende juristische Formeln. So ist der „Geschäftsführer“ im GmbH-Gesetz genau definiert. Eine „geschäftsführende Person“ ist möglicherweise keine rechtssichere Alternative.
In der Regel ist die Nutzung von geschlechtsneutralen Begriffen aber nicht ausgeschlossen. Statt „der Vertragspartner“ kann auch von „die Vertragspartei“ gesprochen werden. Neufassungen rechtssicherer Texte sollten jedoch nur mit fachkundiger juristischer Beratung erfolgen, denn gut gemeinte Umformulierungen können im Zweifel Rechtswirkungen verändern. Gendersensible Sprache ist grundsätzlich auch hier möglich, aber nicht ohne Fachkenntnis.
Mehr dazu (und auch zum Thema „natürliche“ vs. „juristische“ Personen findet sich hier: https://www.genderleicht.de/tricks-und-tipps-zum-gendern-von-juristischen-texten
Was ist mit feststehenden Berufs- bezeichnungen, z.B. Ausbildungsberufen?Viele Ausbildungs- und Berufsbezeichnungen sind rechtlich normiert (z. B. durch IHK, HWK, Ausbildungsordnungen) und häufig binär oder nur maskulin formuliert. So gibt es bspw. nur den Bankkaufmann und die Bankkauffrau. Im Plural werden daraus die Bankkaufleute, im Singular fehlt jedoch eine genderneutrale Berufsbezeichnung. Das Synonymwörterbuch geschicktgendern.de schlägt „die Bankkaufperson“ vor. Für eine Stellenausschreibung, die auch von Suchmaschinen gefunden werden soll, ist dies aber möglicherweise keine perfekte Lösung. Hier könnte zum Beispiel eine Kombination angewendet werden („Wir suchen eine*n Bankkaufmann / Bankkauffrau / Bankkaufperson“) oder eine Umschreibung („Wir bieten Ausbildungsplatz im Bereich Bankwesen / für zukünftige Bankkaufleute“), juristisch korrekt ist auch „Ausbildungsplatz zum Bankkaufmann (m/w/d/x)“.
Was ist mit Selbstbezeichnungen und Eigennamen?Selbstbezeichnungen von Gruppen sollten grundsätzlich respektiert werden, aber was ist, wenn sich die Menschen innerhalb der Gruppe nicht einig sind? So gendert der „Zentralrat der Juden“ nicht und spricht entweder im generischen Maskulinum oder rein binär von „Juden und Jüdinnen“. Progressivere Teile der jüdischen Community schlagen „Juden:Jüdinnen“ oder „Juden_Jüdinnen“ vor, wobei von der Verwendung des Gendersternchen eher abgeraten wird: „denn der Stern ruft schmerzhafte Erinnerungen des gewaltvollen Markiertwerdens durch die Nazis auf, vor allem in der gesprochenen Variante ‚Judensternchen‘“ (Latkes Berlin). Das Jüdische Museum in Berlin gendert mit dem Sternchen und schreibt „Jüdinnen*Juden“.
Auch in anderen Communities herrscht mitunter Uneinigkeit über die „richtige“ Bezeichnung. So hat beispielsweise der rheinland-pfälzische Landesverband Deutscher Sinti und Roma einen langen Text darüber verfasst, in dem die inklusive Form „Sinti*zze und Rom*nja“ abgelehnt wird. Der Verband erklärt, „an der bisherigen Terminologie Sinti und Roma fest[zu]halten. Er unterstreicht ausdrücklich, dass damit alle Angehörigen der Minderheit (Frauen, Männer und non-binäre Menschen) inklusiv und gleichberechtigt mitgedacht sind“. Zahlreiche weitere Landesverbände und Gruppen haben sich angeschlossen. Das feministische Rom*nja-Archiv, „RomaniPhen“, das die Schreibweise „Rom*nja und Sinti*zze“ eingeführt hatte, erklärte die eigene Position wiederum in einem Artikel. Autorin und RomaniPhen-Mitgründerin Hajdi Barz erklärt: „Ich möchte […] feststellen, dass es sich nicht um eine Fremdbeschreibung handelt und dass wir selbst diese Sternchen, Unterstriche und Doppelpunkte in den Sprachgebrauch einpflegen durften. Die Nutzung dieser gegenderten Formen durch Außenstehende sehe ich als feministische Solidarisierung – und ich erwarte, dass dies nicht geschieht, weil ‚die Community‘ gesagt hat, es sei richtig, sondern weil Gadje¹ selbst eine Haltung haben und diese auch vertreten können, unabhängig von unseren Stimmen. Schließlich sind wir heterogen in unseren Verständnissen von Sprache, von Rassismus und von Sexismus. Dieses Recht haben wir auch. Es ist fatal zu glauben, wir könnten einander in unserer Vielfalt ‚vertreten‘, also repräsentieren.“
¹Gadje ist ein ist ein Begriff aus dem Romanes, der Menschen bezeichnet, die keine Sinti*zze oder Rom*nja sind.
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Eigennamen von Organisationen werden in der Regel nicht verändert oder gegendert, auch wenn sich hinsichtlich von besonderen Schreibweisen durchaus auch Ausnahmen beobachten lassen (mehr dazu hier). Eigennamen wie die „Ärztekammer“ oder „Der Deutsche Journalisten-Verband“, werden entsprechend nicht inklusiv umformuliert. In erläuternden Texten können jedoch inklusive Umschreibungen verwendet werden, wie „die Mitglieder der Ärztekammer“ oder „die Journalist*innen des Deutschen Journalisten-Verbands“.
Wie verträgt sich gendersensible Sprache mit Leichter Sprache?Als „Leichte Sprache“ wird einfach verständliches Deutsch bezeichnet, das bestimmten Regeln folgt. Das 2006 gegründete Netzwerk Leichte Sprache hat diese Regeln festgelegt, um u.a. Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Demenz Texte leichter zugänglich zu machen. Regeln für Leichte Sprache sind u.a.:
- Bekannte Wörter (z.B. „Bus und Bahn“ statt „Öffentlicher Nahverkehr“)
- Kurze (Haupt-)Sätze
- Kurze Wörter bzw. Worttrennung bei langen Wörtern (z.B. „Bundes-Gleichstellungs-Gesetz“ statt „Bundesgleichstellungsgesetz“)
- Genitiv und Konjunktiv vermeiden
Genderinklusive Sprache lässt sich mit den Regeln für Leichte Sprache vereinbaren, wenn bestimmte Aspekte berücksichtigt werden. Das Netzwerk Leichte Sprache hat dazu folgendes veröffentlicht:
„Achten Sie auf geschlechter-gerechte Sprache.
Denn es gibt mehr Geschlechter als nur Mann und Frau.“
(...)
„Früher hat man nur Wörter für Männer geschrieben.
Oder nur Wörter für Männer und Frauen.
Zum Beispiel: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Das macht man auch heute noch.
Bitte beachten Sie:
Damit spricht man nicht alle Geschlechter an.“
Neben neutralen, bekannten Wörtern wie „Mensch“, „Person“, „Mitglied“ oder „Kind“, sind auch Sonderzeichen zulässig:
„Sie wollen für alle Geschlechter schreiben?
Das geht zum Beispiel mit dem Sternchen
oder dem Doppel-Punkt:
Mitarbeiter*innen, Mitarbeiter:innen
Erklären Sie im Text, was die Schreibweise bedeutet.“
Wie geht das mit Umlauten und Silbentrennung beim Genderzeichen?Bestimmte Wörter bekommen in der weiblichen Form einen Umlaut, wie bei Koch / Köchin, Arzt / Ärztin oder Anwalt / Anwältin. Entsprechend knifflig wird die genderinklusive Schreibweise: Köch*in? Ärzt*in? Anwält*in? Menschen, die ein Sonderzeichen im Wort ohnehin ablehnen, werden bei diesen Wörtern vermutlich extra wütend.
Eine Möglichkeit ist umformulieren: die Person, die kocht, Küchenpersonal / Kochcrew, medizinische Fachkraft, ärztliches Personal, anwaltliche Vertretung, juristischer Beistand, usw.
Alternativ können die Wörter auch ausgeschrieben (Koch*Köchin, Arzt*Ärztin, Anwalt*Anwältin) oder ersetzt (Küchenchef*in, Mediziner*in, Rechtsbeistand) werden.
Eine dritte Variante wäre, den ganzen Satz neu zu formulieren. Aus: „Die Köch*innen haben gezaubert“ wird „Es wurde lecker gekocht“, aus „Gehst du oft zu Ärzt*innen?“ wird „Suchst du häufig medizinischen Rat?“ und aus „Ich kontaktiere meine*n Anwält*in“ wird „Ich rufe in der Kanzlei an“.
Genderzeichen und Silbentrennung vertragen sich nicht gut. Bei langen, zusammengesetzten Wörtern mag es noch funktionieren: „Fußball-
trainer*in“ – das geht in Ordnung. Silbentrennung direkt vor oder nach dem Genderzeichen ist jedoch zu vermeiden. D.h. weder sollte „Fußballtrainer-
*in“ noch „Fußballtrainer*-
in“ verwendet werden.Zur Not, z.B. wenn im Blocksatz formatiert ist, sollte der Satz lieber so umgestellt werden, dass diese unschönen Silbentrennungen vermieden werden.
Was ist mit zusammengesetzten Wörtern wie „Expertengremium“?Komposita, die maskuline Personenbezeichnungen enthalten, erzeugen häufig auch männliche Bilder im Kopf. Beim „Expertengremium“ denken viele Menschen also automatisch an einen Kreis männlicher Fachleute. Eine einfache Lösung sind hier immer Synonyme: Fachgremium zum Beispiel. Wenn bewusst inklusiv formuliert werden soll, ist durchaus auch „Expert*innengremium“ möglich. So spricht beispielsweise die Schüler:innenkammer Hamburg von „Kreisschüler:innenräten“.
Andere zusammengesetzte Wörter wie Nachbarschaft beziehen sich weniger auf einzelne Personen, sondern stärker auf einen sozialen Raum. Die Entscheidung für „Nachbarschaft“ oder „Nachbar*innenschaft“ hängt also stark vom eigenen Sprachgefühl (und ggf. dem Kontext) ab.
Für viele Begriffe gibt es neutrale Alternativen:
Bürgersteig – Gehsteig
Rednerpult – Redepult
Teilnehmerliste – Teilnahmeliste
benutzerfreundlich – benutzungsfreundlich
Schülerausweis – Schulausweis
Mehr dazu hier: https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/gendern-komposita-personenbezeichnungen
Mitglieder*in? Gäst*in? Da stimmt was nicht! Oder?Das Wort Mitglied ist neutral, gut zu erkennen auch am Artikel „das“. Dennoch taucht immer mal wieder „Mitgliederinnen und Mitglieder“ oder „Mitglieder*innen“ auf. Das liegt wahrscheinlich zum Teil daran, dass das Mitglied im Plural eine -er Endung hat und die zum „gendern“ verleitet. Aber: das ist Quatsch. Genauso wie ein Kind, egal welchen Geschlechts, das keine Eltern mehr hat, „eine Waise“ ist (und kein „Waiser“ / keine „Waisin“) und ein Mensch, der auf einem bestimmten Gebiet außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, „eine Koryphäe“ ist (und kein „Koryphäer“).
Beim Wort „Gast“ ist die Lage jedoch eine andere. Der DUDEN schreibt:
„Gästin gehört zu den weiblichen Formen, die – wie auch die Engelin oder die Geistin – bereits im Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm aufgeführt und mit zahlreichen Belegstellen unterfüttert wurden. Auf dem Weg vom späten 19. ins 21. Jahrhundert war sie aus der Alltagssprache verschwunden: Umso erfreulicher, dass sie jetzt wiederentdeckt wurde und ihren Sprachplatz wiedererobert.“
Was ist eigentlich mit „man“?Das beliebte Wort „man“ kommt tatsächlich von „Mann“ und ist deswegen nur bedingt gendersensibel. Das gleiche gilt für „jemand“ und „niemand“, Wörter, die männlich konjugiert werden („Ist hier jemand, der mir helfen kann“ / „Hier ist niemand, der sich damit auskennt“). Selbstverständlich sind die Begriffe aber nicht verboten und keine Person muss sie aus dem eigenen Sprachgebrauch verbannen.
Doch es gibt über die geschlechtsbezogene Bedeutung hinaus Gründe, auf „man“ zu verzichten. Wer versucht, darauf zu verzichten, merkt schnell, dass die eigenen Aussagen unweigerlich präziser werden und sich Floskeln reduzieren. Den allgemeinen Satz „Man müsste mal wieder den Keller aufräumen“ umzuformulieren, bedeutet zu überlegen, wer mit „man“ gemeint ist. „Du“, „ich“, „wir“? Auch Floskeln wie „Das macht man nicht“ werden beim Umformulieren reflektiert, denn auch hier stellt sich die Frage „wer ist man?“. „Das ist in unserem Betrieb unüblich“ oder „Das entspricht nicht gesellschaftlichen Konventionen oder Traditionen“ oder auch „Mir gefällt das nicht“: die Möglichkeiten sind endlos, wir müssen nur wissen, was wir eigentlich sagen wollen.
Im feministischen Sprachgebrauch haben sich teilweise Alternativen zu „man“ entwickelt, wie „frau“ (was ebenfalls nur binär gedacht ist), „mensch“ oder „man*“ (letzteres eignet sich in der gesprochenen Sprache nur bedingt). Es ist eine individuelle Entscheidung, ob uns diese Formen gefallen oder nicht, dass sie sich als allgemein genutzte Alternativen durchsetzen, ist ziemlich unwahrscheinlich.
Andere Möglichkeiten sind zum Beispiel:
- man à viele, einige, ich, wir, Menschen, die meisten Leute….
- jemand à eine Person oder Umschreibungen („kann mir mal jemand helfen“ à „ich brauche Hilfe bitte“)
- niemand à keine Person oder Umschreibungen („es war niemand da“ à „der Raum war leer“)
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Pronomen: er, sie, ...dey?
Pronomen sind Wörter, die stellvertretend für Nomen (Menschen, Tiere, Dinge, Sachverhalte, Namen…) stehen und sie somit ersetzen oder auf sie verweisen. Sie helfen dabei, Wiederholungen zu vermeiden und zeigen Beziehungen zwischen Personen oder Dingen an. So können sie Sätze kürzer und klarer machen und dienen der Verständlichkeit und Struktur von Sprache. In der deutschen Sprache gibt es männliche, weibliche und neutrale Formen.
Im Deutschen gibt es kein Pronomen für Erwachsene, deren Geschlecht wir entweder nicht kennen oder die weder männlich noch weiblich sind. Während es für „das Kind“ oder „das Mädchen“ grammatisch richtig ist, das Pronomen „es“ zu verwenden, hat es bei erwachsenen Menschen oft eine abwertende Konnotation.
Mangels einer passenden, allgemeinverständlichen und weit verbreiteten Alternative, verwenden nicht-binäre Menschen unterschiedliche Pronomen. Viele nutzen kein Pronomen. Das bedeutet, dass statt eines Pronomens der Name der Person verwendet wird. Anderen sind alle möglichen Pronomen recht, dann können unterschiedliche und auch abwechselnd verwendet werden. Wieder andere nutzen sogenannte Neopronomen. Das sind Wort-Neuschöpfungen von jenseits des binären Geschlechtersystems, von denen es viele verschiedene gibt. Diese Entwicklung lässt sich auch in anderen Sprachen beobachten. Manchmal etabliert sich dann im Laufe der Zeit auch so etwas wie ein „Standard-Pronomen“ zusätzlich zu den konventionellen männlichen und weiblichen. Es gibt auch nicht-binäre Menschen, die „er“ oder „sie“ nutzen.
Die folgende Tabelle zeigt Beispiele für Neopronomen, wie sie sich je nach Fall verändern. Die Deklination der Personalpronomen „er“, „sie“, „es“ haben wir oft früh gelernt, die Deklination von Neopronomen ist für viele neu. Diese Tabelle soll beim Üben und Nachschlagen helfen. Es gibt noch mehr Neopronomen und manche Leute deklinieren die gleichen Pronomen auch etwas anders. Regeln und Standards müssen sich noch entwickeln. Das passiert nicht „von oben“, sondern vor allem durch die Menschen, die Neopronomen nutzen.
Nominativ
(wer?)
Genitiv
(wessen?)
Dativ
(wem?)
Akkusativ
(wen?)
sie
ihr / ihre
ihr
sie
er
sein / seine
ihm
ihn
es
sein / seine
ihm
es
dey deren demm demm they
their
them
them
en
ens
em
en
em
ems
em
em
hen
hens
hem
hen
si*er
sein*ihr / seine*ihre
ihr*ihm
sie*ihn
sier
sies
siem
sien
xier
xies
xiem
xien
x
x
x
x
Die Tabelle basiert auf den Vorschlägen der Webseite https://nibi.space/pronomen
Welche(s) Neopronomen für eine Person passt/passen, ist individuell und kann sich auch im Laufe der Zeit ändern. Idealerweise fragen wir unser Gegenüber beim Kennenlernen danach und geben auch unsere eigenen Pronomen an. Die korrekte Verwendung von Pronomen ist eine Frage des respektvollen Umgangs und der Anerkennung von Geschlechtsidentitäten und somit im Kontext geschlechtlicher Sprache wichtig. Dies gilt unbedingt auch, wenn über Personen gesprochen wird, die in dem Moment nicht selbst anwesend sind.
Es ist okay, wenn die Verwendung von Neopronomen anfangs ungewohnt und schwierig ist. Wenn du unsicher bist oder ein unbekanntes Neopronomen genannt wird, ist höfliches Nachfragen in der Regel in Ordnung, z. B. so: „Darf ich fragen, wie das Pronomen verwendet wird?“ Es kommt auch vor, dass wir bei der Verwendung von Neopronomen Fehler machen oder bezogen auf eine Person mal das falsche Pronomen verwenden. In diesen Fällen sollten wir uns korrigieren und darauf achten, den Fehler nicht zu wiederholen. Allerdings sollten wir keine große Sache mit ausufernden Entschuldigungen oder ähnlichem daraus machen.
Pronomen in der E-Mail-Signatur
Eine Möglichkeit ist, die eigenen Pronomen und Hinweise zur Anrede in der eigenen E-Mail-Signatur anzugeben. Das trägt zur Normalisierung bei und lädt andere Menschen dazu bei, ebenfalls ihre gewünschte Anrede mitzuteilen.
Hier sind einige Beispiele:
1. Bitte verwenden Sie für mich die Pronomen sie/ihr und teilen mir mit, wie ich Sie ansprechen darf.
2. Bitte verwenden Sie für mich geschlechtsneutrale Bezeichnungen. Am liebsten werde ich mit meinem Vornamen oder Vor- und Nachnamen zusammen angesprochen bzw. angeschrieben. Sie dürfen mich jederzeit gerne duzen. Bitte teilen Sie mir mit, wie ich Sie ansprechen darf.
3. Alex Rabe (they/them, #gerneperdu)
Tutor*inMündliche Vorstellung
Beim mündlichen Vorstellen oder Vorstellungsrunden können wir ebenfalls unsere Pronomen nennen und damit normalisieren, über Pronomen zu sprechen. Dabei sollten wir vermeiden, bestimmte Pronomen mit einem bestimmten Geschlecht zu verknpüfen oder als „normal“ zu bezeichnen. Wichtig ist außerdem, dass es keine Verpflichtung geben sollte, zu den eigenen Pronomen Stellung zu nehmen. Für manche Menschen ist dies neu oder verunsichernd, andere müssen in dem Moment entscheiden, wie viel von ihrer Identität sie preisgeben wollen oder ob sie sich lieber verleugnen, wiederum andere sind möglicherweise aktuell in einem Such-Prozess und es gibt für sie keine passende Antwort. Das Thematisieren von Pronomen gibt auch die Möglichkeit, andere Aspekte der Anrede und Kommunikation zu besprechen.
Ein paar Beispiele:
1. Ich heiße Cornelia, aber wenn ihr mich so ansprecht, klingt es als würde meine Mutter mit mir schimpfen. Nennt mich lieber Conny. Meine Pronomen sind sie/ihr. Was ist dir wichtig, wenn ich dich anspreche oder über dich spreche?
2. Ich heiße Klaus-Jürgen, gesprochen Klaus-Jürgen, nicht nur Klaus oder Jürgen. Geschrieben mit Bindestrich. Du kannst mich gerne duzen und am besten sprichst du laut und deutlich. Sonst verstehe ich manchmal nicht alles. Ist es für dich eigentlich in Ordnung, wenn ich dich duze? Ich hab das jetzt einfach so gemacht.
3. Mein Name ist Reem. Das wird mit gerolltem R ausgesprochen. Ich weiß, das ist für manche schwierig und falls du es nicht hinbekommst, trau dich ruhig trotzdem, mich beim Namen anzusprechen.
4. Ich bin Sylvain, Pronomen they/them. Ich höre auch auf Sylvi, aber da wir schon eine Sylvi in der Gruppe haben, nennt mich in dieser Runde am besten immer Sylvain.
5. Ich bin Alex und arbeite als Tutor*in für Statistik. Wenn über mich gesprochen wird, dann gerne ohne Pronomen. Da wird dann einfach mein Name statt Pronomen genutzt. Zum Beispiel so: Alex arbeitet als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl. Alex gibt Tutorien und ist Ansprechbar für Fragen der Studierenden. Alex‘ Arbeitstage sind Montag und Donnerstag.
Im englischen ist „they“ als geschlechtsneutrales Pronomen im Singular schon lange verbreitet. Es wird zum Beispiel benutzt, wenn das Geschlecht einer Person nicht bekannt ist oder auf Einzelene in einer gemischten Gruppe verweist („Oh look! Someone left their jacket!“ bzw. „Everyone grab their bags, we're leaving“).
Das Oxford English Dictionary führt das singuläre „they“ bis ins Jahr 1375 zurück, wo es im mittelalterlichen Text „William and the Werewolf“ vorkommt und zur Bezeichnung einer unbenannten Person verwendet wird.
In Schweden wurde bereits in den 1960er Jahren das neutrale Pronomen „hen“ konzipiert, das heute neben „han“ (er) und „hon“ (sie) weitgehend etabliert ist, nach dem es 2015 auch in offizielle Wörterbücher aufgenommen wurde.
Im Spanischen, eine Sprache, die sehr vergeschlechtlicht funktioniert, haben sich Aktivist*innen die neutrale Endung „e“ überlegt, sodass es neben dem männlichen „alto“ und dem weiblichen „alta“ nun auch „alte“ als geschlechtsneutrales Adjektiv für „groß“ gibt und neben „amigos“ („Freunde“) und „amigas“ („Freundinnen“) auch „amigues“ („Freund*innen“). Als neutrales Pronomen gibt es „elle“ als Alternative zu „el“ (er) und „ella“ (sie).
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Übungen Gendersensible Sprache
Hier findest du verschiedene Übungen, um das gendersensible Sprechen und Schreiben zu trainieren.
Hier findest du verschiedene Beispieltexte, die du gendersensibel umformulieren kannst. Eine Überürüfung findet nicht statt, aber du kannst dir am Ende Beispiellösungen anzeigen lassen.
Probiere deinen eigenen Stil aus! Du kannst die Texte ganz neu formulieren, ohne die zentralen Aussagen zu verändern.
1. Einladung zur Betriebsfeier
2. Nutzung der Computer in der Bibliothek
3. Bericht vom Sportfest der Schule
4. Information des Hauswarts
5. Suche nach Freiwilligen für ein „Clean-Up“
6. Elternbrief für neue Kitakinder
Wenn wir sprechen, geht alles immer ganz schnell und es passiert vieles gleichzeitig. Während wir den einen Satz noch aussprechen, formulieren wir den anderen bereits im Kopf. Wenn wir in einer für uns neuen Sprache - oder zum Beispiel mit gendersensibler Sprache - noch nicht so geübt sind, fällt uns das viel eher auf, als wenn wir in einer Sprache flüssig unterwegs und "wie Zuhause" sind. Egal wie gut wir eine Sprache können, treffen wir während des Sprechens Entscheidungen darüber, wie wir etwas ausdrücken. Und manchmal machen wir Fehler - zum Beispiel mit der Grammatik oder weil wir selber den Eindruck haben, uns missverständlich ausgedrückt zu haben. Dann setzen wir einfach im Sprechen neu an und korrigieren uns. Genauso können wir den Umgang mit gendersensibler Sprache üben und auch entspannter im Umgang mit unseren Unsicherheiten oder möglichen Fehlern werden. Durch Übung werden wir routinierter, die passenden Worte zu finden, schnell gute Entscheidungen zu treffen oder noch mal anders zu formulieren. Die folgende Übersetzungs-Übung kannst du als Training oder zur Selbstreflexion nutzen.
Spiele das Audio ab und versuche, simultan in gendersensible Sprache zu „übersetzen“. Du kannst die Übersetzung laut aussprechen, still im Kopf oder schriftlich machen.
Infos:
Du kannst das Audio zwischendurch pausieren oder das Tempo reduzieren. Falls es dir hilft oder du eine andere Variante der Übung ausprobieren möchtest, steht dir auch das Transkript des Sprechtextes zur Verfügung.
Im Audio hörst du fiktive Lokalnachrichten, die auf realen Lokalnachrichten basieren, aber aus lizenzrechtlichen Gründen abgewandelt wurden und von einer KI-Stimme vorgelesen werden.
Überprüfung und Feedback:
Im Anschluss, kannst du dir mehrere „Übersetzung“-Varianten ansehen, um deine Ergebnisse abzugleichen und weitere Anregungen zu erhalten. Natürlich gibt es verschiedene gute Optionen.
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