Ukraine: Social Media als (Des-)Informationsquelle
Abschnittsübersicht
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Augenzeugen-Berichte vom Krieg betroffener Menschen, Fotos und Videos von Angriffen und Zerstörungen, (angebliche) Heldengeschichten und Interviews mit Kriegsgefangenen. All das findet seinen Weg zu YouTube, Telegram, TikTok; Co. Eingestellt von verzweifelten Kriegsvertriebenen, lokalen Reportern und Reporterinnen und Hilfskräften – oder gezielt gestreut von Kriegsparteien. Der Ukraine-Krieg ist nicht der erste Konflikt, in dem Social Media eine bedeutende Rolle spielt: Spätestens seit dem Arabischen Frühling (2010) sind die sozialen Medien für Journalistinnen und Journalisten eine wichtige Quelle. Sie bieten einen Zugang zu Informationen und Bildmaterial auch bei Ereignissen und Regionen, zu denen die Medien selbst keinen Zugang haben – gerade deshalb sind alle Inhalte mit Vorsicht zu behandeln.
Der Ukraine-Krieg zeigt
- Über Social Media erhalten Journalistinnen und Journalisten Einsicht in ganz individuelle Ausschnitte aus dem Kriegsgeschehen.
- Teils auch öffentlich verfügbare Satellitenbilder ermöglichen eine großräumige Draufsicht auf das Kriegsgeschehen.
- Diese ergänzen die Perspektiven der Reporterinnen und Reporter vor Ort, die aufgrund des großräumigen Geschehens, der Gefahrenlage und Einschränkungen nur an einigen Orten zugegen sind.
- Dennoch bleiben viele Aspekte und Zusammenhänge zunächst im „Nebel des Kriegs“ unsichtbar: Warum steht diese Lkw-Kolonne wirklich dort? Was ist mit den Soldaten des verlassenen Panzers passiert? Ist es ethisch vertretbar, dass man getötete Menschen zeigt?
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Wie bewerten Journalisten und Journalistinnen Bilder und Videos aus dem Netz?
In einem Werkstatt-Bericht schildert die "Süddeutsche Zeitung" ihren Umgang mit Material aus dem Netz:
Wenn heutzutage etwas auf der Welt passiert, kann man darauf wetten, dass kurze Zeit später jemand etwas dazu im Netz veröffentlicht. Das kann eine riesige Bereicherung für den Journalismus sein. Weil so Ereignisse dokumentiert und aufgeklärt werden können, die früher viel leichter zu Propagandazwecken umgedeutet werden konnten. Es birgt aber auch Herausforderungen. Denn: Wie stellt man sicher, dass die Bilder auch wirklich das zeigen, was sie zu zeigen vorgeben? Wie finden wir heraus, wo genau ein Video aufgenommen wurde? Und ob es tatsächlich aktuell oder schon Jahre alt ist? Wir bei der Süddeutschen Zeitung berichten grundsätzlich nur über das, was wir selbst oder andere vertrauenswürdige Quellen verifizieren konnten. -
Dazu gehört, dass Medien für Leserinnen und Zuschauer transparent machen, auf welche Quellen sie sich stützen und wie glaubwürdig diese sind – oder wie unsicher. Transparenz darf jedoch nicht als Freibrief für die Verwendung jeglichen Materials benutzt werden, wie das Fachmagazin Übermedien am Beispiel einer ZDF-Sendung kritisiert:Andere Aufnahmen „sollen aus Charkiw stammen“, wo Straßenkämpfe mit ukrainischen Verteidigern stattgefunden haben sollen. Dann ein brennendes, vermutlich gepanzertes Fahrzeug. „Ob diese Aufnahmen dann das Ergebnis dieser Konfrontationen zeigen, ist wiederum kaum verlässlich zu ermitteln“, sagt der Sprecher. Gesendet werden die Bilder dennoch.
Dieser vorsichtige Umgang mit (angeblichen) Informationen aus dem Netz betrifft aber nicht nur professionelle Informationsverarbeitenden: Ob gewollt oder ungewollt, alle Nutzerinnen und Nutzer können damit konfrontiert werden und durch das Weiterleiten oder Liken dazu beitragen, dass Inhalte „viral gehen“ und ein breiteres Publikum erreichen. Möglicherweise auch solche, die falsche, verzerrende oder irreführende Botschaften verbreiten. Dessen sollte sich jeder und jede bewusst sein – und am besten selbst wie ein skeptischer Medienprofi ans Werk gehen.
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Weiterführende Links
Wie und warum sich Falschinformation in sozialen Netzwerken verbreiten, erläutert dieses an Schülerinnen und Schüler gerichtete Erklärvideo der Initiative Klickwinkel.
In diesem Podcast erklärt Fiete Stegers weitere wichtige Dinge zum Thema Nachrichten und Falschnachrichten im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.