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2.3 Merkmale von Teams

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Inzwischen wird seit über 50 Jahren in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zu Team geforscht (vgl. Mathieu et al. 2017). Daher wird es nicht überraschen, dass in der Literatur, in den unternehmerischen und wissenschaftlichen Diskussionen zahlreiche Definitionen und Kategorisierungen zu finden sind. Dies führt dazu, dass zum Teil auf den ersten Blick widersprüchlich wirkende Ansätze vertreten sind, wie die folgenden Definitionen beispielhaft zeigen:

  • Sozialpsychologe Forsyth (2018): Eine Gruppe ist eine Ansammlung von Individuen, die in irgendeiner Weise miteinander interagieren, sich gegenseitig beeinflussen und sich als zusammengehörig wahrnehmen (vgl. Forsyth (2018).
  • Soziologe Homans (1950): Eine Gruppe besteht aus einer Anzahl von Personen, die in einer bestimmten Zeitspanne miteinander interagieren und eine soziale Struktur mit bestimmten Normen, Rollen und Statusbeziehungen entwickeln.
  • Sozialpsychologe Tajfel (1981): Eine Gruppe existiert, wenn sich zwei oder mehr Individuen als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnehmen und ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Identität besteht.
  • Sozialpsychologe Shaw (1976): Eine Gruppe ist eine Anzahl von Personen, die durch soziale Beziehungen miteinander verbunden sind und deren Existenz zur Erfüllung gemeinsamer Ziele beiträgt.

Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass sich verschiedene Ansätze auf allgemeingültige Grundsätze der Teamarbeit zurückführen lassen. Letztlich stützen sich alle Ansätze auf gemeinsame Kernaspekte wie Kommunikation, Kooperation und koordiniertes Handeln (vgl. Räcke 2020, S. 11).

Was genau sind also Teams und welche Merkmale haben sie?

Teams sind eine Form von Gruppe. Daher sind die Merkmale von Gruppen hier zunächst unser Ausgangspunkt. Die Kriterien zur Definition einer Gruppe basieren auf einem multidimensionalen Ansatz, der sowohl strukturelle als auch prozessuale und subjektive Aspekte berücksichtigt (vgl. Tuckman 1965; Forsyth 2006; Tajfel/Turner 1986; Hackman 1987; Johnson/Johnson 2009; Wheelan 2009)

Zu den am häufigsten herangezogenen Kriterien gehören:

  1. Gemeinsame Ziele und Zweck: Gruppen bilden sich häufig, weil ihre Mitglieder ein gemeinsames Ziel oder einen bestimmten Zweck erfüllen wollen. Diese Zielgerichtetheit unterscheidet eine Gruppe von einer bloßen Ansammlung von Personen.
  2. Interaktion und Kommunikation: Ein zentrales Merkmal von Gruppen ist die regelmäßige wechselseitige Interaktion. Die Mitglieder kommunizieren miteinander, tauschen Informationen aus und koordinieren ihr Handeln, was häufig als wesentliche Voraussetzung für kollektive Prozesse gesehen wird.
  3. Interdependenz: Gruppen zeichnen sich durch eine wechselseitige Abhängigkeit der Mitglieder aus. Das heißt. Diese Handlungen eines Einzelnen beeinflussen das Ergebnis der gesamten Gruppe und umgekehrt.
  4. Gruppenzugehörigkeit und Identifikation: Neben der objektiven Interaktion spielen auch die subjektive Wahrnehmung eine Rolle. Die Mitglieder müssen sich als Teil der Gruppe verstehen. Diese Identifikation mit der Gruppe sorgt für ein Zusammengehörigkeitsgefühl und fördert den Zusammenhalt.
  5. Struktur und Rollen: Gruppen weisen häufig – auch, wenn es sich um informelle Gruppen handeln kann – eine gewisse interne Struktur auf. Dabei können Rollen und Normen entstehen, die das Verhalten der Mitglieder steuern und zur Effektivität der Zusammenarbeit beitragen.
  6. Dauer und Stabilität: Oft wird auch die zeitliche Dimension herangenzogen. Gruppen sind in der Regel als stabile Einheiten konzipiert, die über einen gewissen Zeitraum hinweg bestehen. Natürlich gibt es kurzfriste Gruppen oder ad-hoc Gruppen, jedoch wird in den meisten theoretischen Ansätzen die Kontinuität als relevantes Kriterium betrachtet.

Teams zeichnen sich durch besonders Merkmale aus und lassen sich dadurch von anderen Gruppenformen unterscheiden. Teams werden entsprechen der Aufgabe zusammengestellt. Das bedeutet, dass Teams künstlich geschaffene Gruppen sind, mit dem Ziel, eine Aufgabe (z.B. Projektaufgabe) zu lösen (vgl. Becker 2016, S. 7f.).

Becker (2016) beschreibt die Gruppe als Team anhand von fünf Besonderheiten:

  • Die Teamziele richten sich an der übergeordneten Aufgabe aus.
  • Die Gruppengröße und die Eigenschaften der Personen orientieren sich an der Aufgabe.
  • Rollen, Hierarchiestrukturen und Zusammensetzung der Gruppe sind ebenfalls von der Aufgabe abhängig. Soziale Interaktionen dienen in erster Linie dem Erfolg bei der Aufgabe.
  • Das Team wird häufig aufgelöst, sobald die Aufgabe abgeschlossen ist. Das bedeutet, dass die Stabilität über die Zeit ebenfalls an der Aufgabe ausgerichtet ist (vgl. a.a.O., S. 8).

In Unternehmen kann es sich beispielsweise um ein Projektteam handeln, mit dem Ziel, ein bestimmtes Produkt (z.B. eine App) zu entwickeln.

Da für uns Projektteams im Fokus stehen, wollen wir ebenfalls klären, was ein solches Team ausmacht und warum die Bezeichnung Team im Gegensatz zu Gruppe sinnvoll ist.

Wie das Wort Projekt schon vermuten lässt, geht es um einen konkreten, zum Beispiel geschäftlichen Kontext. Ein Projekt hat einen klaren Auftrag, welcher Projektziele beinhaltet. Für den Auftrag wird aufgabenbezogen ein Team zusammengestellt. Entsprechend des Auftrags werden Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen für die jeweiligen Rolleninhaber definiert (vgl. Bank 2018, S. 29). So setzt sich ein Projektteam in der Regel aus Mitgliedern unterschiedlicher Fachkenntnisse und Fähigkeiten zusammen (interdisziplinäres, interkulturelles Team), die ihre jeweiligen Fähigkeiten und Ressourcen kombinieren müssen, um ihr Projekt erfolgreich abzuschließen. Da ein Projekt ein zeitlich begrenztes Gefüge ist, welches geschaffen wird, um einen bestimmten (geschäftlichen) Nutzen zu realisieren, ist die gemeinsame Zeit der Teammitglieder begrenzt. In dieser vorgegebenen Zeit muss das Team ihr Projektziel erreichen. Wenn die Arbeit beendet ist, wird das Projekt und auch das Team aufgelöst (vgl. a.a.O., S. 24).

„Der Typ Projektteam umschließt Gruppen, die mit Planungs- und Entwicklungsaufgaben betraut sind. […] Sie [die Projekte] beruhen auf der Erkenntnis, dass die Implementierung vieler organisationaler Projekte – außerhalb normaler Routinetätigkeiten – die Kooperation von Individuen unterschiedlichen Hintergrunds erfordert. Dieser unterschiedliche Hintergrund bezieht sich zum einen auf die Entsendung der Projektmitglieder aus unterschiedlichen Abteilungen, zum anderen auf die damit oft verbundene Interdisziplinarität der Gruppen“ (Doppler/Lautenburg 2005, S. 435).

Ein Beispiel für ein Projekt könnte die Entwicklung einer neuen App sein, mit einer Projektlaufzeit von 12 Monaten. Um das Projektziel App-Entwicklung zu erreichen, müssen verschiedene Fachkompetenzen in das Projekt einfließen. Diese Fachkompetenzen werden manchmal unternehmensintern bereichsübergreifend, am gleichen Standort oder an unterschiedlichen Standorten oder gar unternehmensübergreifend besetzt:

  • Projektleitung: Zuweisung von Aufgaben, Überwachung des Fortschritts
  • Entwicklung: Programmierung der App-Funktionen
  • Design: Erstellung der Benutzeroberfläche
  • Testmanager: Testen der App auf Fehler

Erst durch die Zusammenarbeit aller Teammitglieder mit ihren spezifischen Fachkompetenzen kann die App entwickelt und getestet werden.

Verglichen mit der Beschreibung von Teams als eine besondere Form von Gruppe, erfüllt das Projektteam alle Merkmale aufgrund der Natur des Arbeitens in Projekten.

Bank (2018) beschreibt die Unterschiede zwischen (Projekt-)Teams und Arbeitsgruppen wie folgt:

Tab.: Tätigkeitsbezogene Unterscheidung von Projektteams und Arbeitsgruppen von (Quelle: in Anlehnung an Bank 2018, S. 58ff)

 

 


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Last modified: Monday, 24 November 2025, 11:54 AM