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Filter & Framing

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5. Unconscious Bias (implizite Denkmuster, Heuristiken; siehe Modul 2)

  • Hintergrund: Biase sind, wie wir schon wissen, kognitive Verzerrungen, die durch mentale Abkürzungen entstehen. Sie filtern Informationen, indem sie bestimmte Aspekte überbetonen und andere ausblenden.
  • Beispiel: Bei einer Einladung zu einem „interkulturellen Event“ denkt eine Person mit Affinitäts-Bias: „Das ist nichts für mich, das ist doch für Migrant*innen.“ Obwohl alle eingeladen sind, blendet das Gehirn die eigene Zugehörigkeit aus, weil man sich nicht als Zielgruppe kodiert. Dieses Denken zeigt einen kategorialen Bias – also die Tendenz, Ereignisse bestimmten Gruppen zuzuschreiben, anstatt sich selbst als Teil davon zu sehen.

 

6. Soziale und persönliche Identität (Social Identity Theory, Tajfel/Turner & Self Categorization Theory siehe Modul 2)

  • Hintergrund: Wir interpretieren Botschaften durch unsere Ingroup-/Outgroup-Brille. Was von der Ingroup kommt, bewerten wir wohlwollender, von der Outgroup misstrauischer.
  • Beispiel: Eine Firma schreibt in ihrer Jobanzeige: „Wir suchen einen Digital Native, der perfekt Deutsch spricht und belastbar ist.“ Für Bewerber*innen, die sich stark mit einer jungen, technikaffinen Identität identifizieren, wirkt das positiv: „Die suchen genau mich!“ Für ältere Fachkräfte, die sich nicht als „Digital Native“ sehen, wirkt es ausgrenzend, auch wenn sie genügend Erfahrung für die Stelle mitbringen.

 

7. Kognitive Ressourcen (Aufmerksamkeit & Arbeitsgedächtnis)

  • Hintergrund: Menschen haben nur begrenzte Aufmerksamkeit. Wenn wir müde, abgelenkt oder überlastet sind, filtern wir Botschaften oberflächlich.
  • Beispiel: Eine E-Mail mit langer Liste an Infos wird von einer kognitiv überlasteten Person nur überflogen. Die entscheidende Info „Anmeldung bis morgen“ geht unter, nicht, weil sie nicht da war, sondern weil die kognitive Kapazität erschöpft ist.

 

8. Kontext (Situative Einbettung, Priming)

  • Hintergrund: Jede Botschaft wird in ihrem Kontext gelesen. Vorangegangene Reize („Priming“) aktivieren bestimmte Deutungen. Genauer erklärt: Priming bedeutet, dass ein zuvor erlebter Reiz (z. B. ein Wort, ein Bild oder eine Situation) die anschließende Wahrnehmung, Bewertung oder Interpretation unbewusst beeinflusst.
  • Beispiel: Eine Organisation verschickt die Einladung: „Workshop: Konflikte im Team besser lösen.“ Kontext A: Die Einladung kommt kurz nach einer öffentlich sichtbaren Auseinandersetzung in der Organisation und wird folgendermaßen interpretiert: „Oh, das ist gegen uns gerichtet, wir haben wohl ein Problem.“ Kontext B: Die Einladung ist eingebettet in eine Reihe von Weiterbildungen zum Thema Zusammenarbeit. Die Wirkung: „Interessant, das passt ins Gesamtangebot, vielleicht nützlich für uns.“

 

Diese und weitere Filter bestimmen, was wir wahrnehmen, worauf wir achten und wie wir das Gehörte oder Gelesene interpretieren. Da jede Person Informationen durch eigene Erfahrungen, Werte und Identitäten interpretiert, entsteht nie eine einheitliche Bedeutung.

Und genau hier entsteht der Bezug zu DEI: Kommunikation, die nur eine dominante Perspektive abbildet (z. B. akademisch, männlich, deutschsprachig, heteronormativ), reproduziert Exklusion.

Dieselbe Aussage kann von jeder Person anders verstanden werden. Wie schaffen wir also Abhilfe?

Auch wenn wir nicht kontrollieren können, wie andere unsere Botschaft letztlich verstehen, können wir bewusst gestalten, welche emotionalen und kognitiven Anker wir mit unserer Sprache setzen. Mit „Anker“ sind hier Worte, Bilder oder Emotionen gemeint, die beim Gegenüber bestimmte Gedanken oder Gefühle auslösen. Bildlich sind es also kleine Bedeutungshaken, an denen wir die Botschaft „aufhängen“. Als Sender*in haben wir Gestaltungsspielraum und hierbei kann uns Framing helfen:

 

Framing - Wie Worte Bedeutung lenken

 

Framing (Entman, 1993) bedeutet, einer Botschaft durch bestimmte Worte oder Bilder einen Rahmen zu geben und dabei zu entscheiden, welchen Ausschnitt der Wirklichkeit wir betonen.

Dabei gilt: Der Rahmen bestimmt, wie eine Botschaft verstanden und gefühlt wird.

Beispiel:
„Wir müssen Diskriminierung bekämpfen.“ Hier liegt der Fokus auf Defizit, Kampf, Belastung.
„Wir gestalten ein Arbeitsumfeld, in dem sich alle zugehörig fühlen.“ Hier liegt der Fokus auf Zukunft, Teilhabe, Gestaltungsfreiheit.

Beide Sätze beziehen sich auf denselben Sachverhalt, lösen jedoch unterschiedliche Emotionen und Handlungsimpulse aus. Das liegt daran, dass jedes Frame bestimmte kognitive und emotionale Assoziationen aktiviert: Kampf-Metaphern betonen Gefahr und Widerstand, während Gestaltungsrahmen Hoffnung und Selbstwirksamkeit ansprechen.

Gerade in DEI-Kommunikation ist Framing entscheidend, denn es hilft uns zu verstehen, wie Sprache Bedeutungen formt. Und wir wissen, dass Worte nie neutral sind. Sie können Angst oder Hoffnung aktivieren, Menschen inkludieren oder eben ausgrenzen. Ein inklusives Framing spricht Menschen emotional an, ohne sie zu überfordern. 

 

Inklusive Kommunikation – wie wir Filter reduzieren können

 

Inklusive Kommunikation bedeutet, Sprache und Gestaltung bewusst so einzusetzen, dass sich möglichst viele Menschen eingeladen fühlen und zwar entlang aller Diversitätsdimensionen.

Die Grundprinzipien

 

1. Klarheit vor Komplexität
  • Verwende eine verständliche Sprache. Vermeide Fachjargon, erkläre Abkürzungen.
  • Einfache Sprache heißt nicht „vereinfachend“, sondern „zugänglich“.
2. Wertschätzung durch Sprache
  • Formuliere respektvoll, gendergerecht und aktivierend.
  • Verzichte auf bevormundende oder moralisierende Formulierungen („Wir müssen euch integrieren“ → „Wir gestalten Teilhabe gemeinsam“).
3. Repräsentation in Bildern
  • Zeige Vielfalt, ohne sie zu exotisieren oder zu klischeehaft darzustellen.
  • Achte auf verschiedene Altersgruppen, Hautfarben, Körperformen, Lebensrealitäten.
4. Rahmung (Framing) bewusst nutzen
  • Betone Chancen, Miteinander und Zukunft statt Defizite, Schuld oder Konflikt.
  • Beispiel: „Wir bekämpfen Diskriminierung“ → „Wir schaffen faire Bedingungen für alle“.
5. Barrieren abbauen
  • Prüfe Lesbarkeit, Bildbeschreibungen, Untertitel, Kontraste und Zugänglichkeit (Accessibility).
  • So können auch Menschen mit Beeinträchtigung Kommunikation empfangen.
6. Selbstreflexion einbeziehen
  • Frage dich: Wer könnte sich ausgeschlossen fühlen? Welche Perspektiven fehlen?
  • Inklusive Kommunikation ist ein Lernprozess und braucht Übung

 

Quiz

 

Überprüfe dein Wisssen über Filter:

 

H5P Quiz by Melanie Bock (CC BY-SA)

 

 

 

Zusammenfassung


  • Jede Nachricht hat mehrere Ebenen (Inhalt, Beziehung, Selbstaussage, Appell).
  • Missverständnisse entstehen oft nicht wegen falscher Inhalte, sondern wegen unbewusster Signale auf den anderen Ebenen.
  • Die Wahrnehmung einer Botschaft läuft durch individuelle Filter wie Erfahrungen, Werte, Emotionen, Bias und soziale Identität.
  • Wer inklusiv kommuniziert, denkt Wirkung mit und wählt bewusst Worte, Ton und Bilder.

 

Reflexion

 

Nun hast du viel über Kommunikation und Missverständnisse gelernt. Versuche nun mit dem Blick nach innen die folgenden Fragen für dich zu beantworten.

 

H5P Reflexionsfragen by Melanie Bock (CC BY-SA)

Weiter geht's

 

Wenn wir verstehen, wie Filter, Bias und soziale Identität die Bedeutung von Botschaften formen, können wir gezielt überlegen, wie wir DEI-Kommunikation anders gestalten. Sprache kann Nähe schaffen oder Distanz und gerade in diversitätsbezogenen Kontexten ist sie nie neutral: Sie spiegelt gesellschaftliche Machtverhältnisse, Werte und Normen wider. Wenn wir Begriffe, Bilder oder Beispiele verwenden, die nur eine dominante Perspektive abbilden, schließen wir andere unbewusst aus. Umgekehrt kann inklusive Kommunikation Brücken bauen, darum ist sie auch eine zentrale Stellschraube, um DEI-Inhalte wirksam zu vermitteln.

Im nächsten Kapitel lernst du, wie anhand der Kommunikationsstrategie Kommunikation planbar gemacht wird und wie sich das auch auf unsere praktische Anwendung in den Experimenten auswirkt.

 

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