Zum Hauptinhalt
Direkt zu - Schließen

Equity

Abschlussbedingungen
Anzeigen

1.2 Equity

 

Einleitung - Gleiche Kisten für alle?

 

Im vorherigen Kapitel haben wir erläutert, dass Diversity das Bewusstmachen von Unterschieden zwischen Menschen beschreibt. Allerdings ist es so, dass das Bewusstsein über unsere Verschiedenheit noch nicht bedeutet, dass alle auch gerecht behandelt werden. Es bedeutet auch nicht, dass wir alle die gleichen Chancen besitzen, unser Potenzial einzubringen. Blicken wir auf eine Gruppe, die vielfältig zusammengesetzt wurde, ist das nicht gleichbedeutend damit, dass sich alle darin auch gehört fühlen.

Stell dir folgendes Szenario vor: Drei Menschen stehen hinter einem Zaun und wollen ein Baseballspiel sehen. Sie sind alle unterschiedlich groß. Damit jede*r von ihnen über den Zaun sehen kann, bekommen alle eine gleich große Kiste. Fair? Sieh' selbst. Die folgende Grafik soll helfen, Equity besser zu verstehen und ist angelehnt an die bekannte Darstellung von ©Andrew, Interaction Institute for Social Change.

 

 

Gedankenexperiment

Was ist wirklich gerecht? Wenn alle das Gleiche bekommen oder wenn alle die gleichen Chancen haben?

 

 

KI Collage by Melanie Bock nach Andrew Wizardman, Interaction Institute for Social Change (CC BY-SA)

 

 

 

Gehen wir davon aus, dass alle das Gleiche bekommen, in unserem Beispiel bedeutet das, dass jede Person eine Kiste erhält (rechtes Bild = Equality). Das Ergebnis: Die große Person sieht mühelos über den Zaun, die mittlere kann gerade noch etwas erkennen, die kleine Person sieht trotz Kiste gar nichts. Wenn wir jetzt nach Equity (linkes Bild) handeln würden, dann bekommt jede Person so viele Kisten, wie sie braucht, damit alle die gleiche Aussicht haben (in diesem Beispiel: alle können das Baseballspiel sehen).

 

Definition von Equity

 

Equity lässt sich am besten mit dem Wort Chancengerechtigkeit übersetzen, also alle erhalten die gleichen Chancen und nicht das Gleiche. Das bedeutet, dass alle das bekommen, was sie individuell brauchen, um beim gleichen Resultat zu landen. Allgemein kann man sagen, dass es um den gezielten Ausgleich von Ungleichheiten auf struktureller und gesellschaftlicher Ebene geht. 

 

Der Unterschied zwischen Equity & Equality

 

Equality: Alle erhalten die gleiche Unterstützung, ungeachtet ihrer Startvoraussetzungen (formale Gleichheit oder Chancengleichheit).
Equity: Alle erhalten die Unterstützung, die sie individuell brauchen (individuelle Gerechtigkeit oder Chancengerechtigkeit).

Equity bedeutet also: Unterschiedliche Bedürfnisse anerkennen plus entsprechende Voraussetzungen schaffen.
Wie wir im vorigen Kapitel gelernt haben, unterscheiden sich Menschen in vielerlei Hinsicht, sei es durch ihre soziale Herkunft, eine psychische oder physische Beeinträchtigung, ihr Alter, ihre Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung. Diese Unterschiede sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass bestimmte Gruppen durch gesellschaftliche Strukturen benachteiligt werden. Equity setzt genau dort an und fragt:

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit alle teilnehmen, sich einbringen und entfalten können? Und wie steht es um Equity, wenn wir an die Realität denken? In Anlehnung an ©Andrew, Interaction Institute for Social Change sieht die momentane Kistenverteilung so aus:

 

Ein übertrieben hoher Kistenturm ganz links, ein kleiner in der Mitte und gar keine rechts. Komplett ungleiche Verteilung

KI Bild by Melanie Bock nach Andrew Wizardman, Interaction Institute for Social Change (CC BY-SA)

 

Bei Reality (in unserer Realität) sehen wir, dass manche Menschen schon viele Vorteile „mitbringen“, während andere so weit benachteiligt sind, dass selbst eine Kiste nicht hilft. Hier wird deutlich, wie ungleich unsere Startbedingungen oft sind.

 

Equity im Alltag

 

Equity bedeutet nicht, dass eine Person bevorzugt wird, sondern dass Nachteile abgebaut werden:

  • Schule: Schüler*innen mit Migrationshintergrund erhalten Sprachförderung, um denselben Zugang zum Unterricht zu haben.
  • Arbeit: Eine Mitarbeiterin mit chronischer Krankheit darf im Homeoffice arbeiten, um gleichwertig teilhaben zu können.
  • Freizeit: Ein Konzert stellt Rollstuhlplätze zur Verfügung und sorgt für barrierefreie Toiletten.
  • Digitales Lernen: Inhalte werden nicht nur als Text, sondern auch als Audio und Video angeboten, damit verschiedene Lernbedürfnisse berücksichtigt sind.

 

 Zusammenfassung


  • Equity = faire Chancen durch individuelle Unterstützung.
  • Unterschied zu Equality: Nicht alle dasselbe, sondern jede*r das, was gebraucht wird.
  • Chancengerechtigkeit herstellen, damit Vielfalt nicht nur wahrgenommen, sondern wirklich berücksichtigt wird.

 

Quiz zu Equity

 

Nun bist du gefragt. Im folgenden Branching Szenario triffst du die Entscheidungen. Wie würdest du vorgehen, um die Prinzipien von Equity durchzusetzen?

 

Bilder by Melanie Bock nach Andrew Wizardman, Interaction Institute for Social Change (CC BY-SA)

 

 

 

Reflexion - Equity in deinem Leben 

 

Da du nun die Definiton von Equity kennst - wie sieht Chancengerechtigkeit in deinem Leben aus? Welche Berührungspunkte hast du mit Equity? Beantworte die folgenden Fragen der Reflexion, um das Thema für dich zu durchleuchten.

H5P Reflexionsfragen by Melanie Bock (CC 0)

Weiter geht's

 

Nun weißt du, was Equity - Chancengerechtigkeit bedeutet. Aber selbst, wenn gerechte Strukturen geschaffen werden, heißt das nicht unbedingt, dass sich Menschen sofort angenommen und inkludiert fühlen. Wie das gelingen kann, darum geht es im nächsten Abschnitt, Inclusion. 

 

 

 

< Zurück zu vorheriger Seite > Weiter zu Inclusion