In diesem Kapitel schaust Du genauer auf Dich und Deine individuelle Realität. Du wirst Dich in diesem Kapitel selbst besser kennenlernen und verstehen, wie, wann und warum Du vielleicht nachrichtenmüde wirst, während jemand anderes es vielleicht nicht wird.
Hier bist Du gefragt: Dies ist ein aktiveres Kapitel. Du setzt das, was Du in Modul 2 gelernt hast, auf Deine ganz individuelle Situation um.
Nimm Dir dafür die Zeit, die Du brauchst und kehre ggf. zu einem späteren Zeitpunkt zu diesen Aufgaben zurück.
Unser Nervensystem und die Polyvagaltheorie von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND)
Wir haben Dich bisher zu Beginn und Ende eines jeden Kapitels gefragt, wie es Dir geht und Dir die Aufgabe gegeben, dies auch vor und nach den Nachrichtensendungen zu tun. Damit hast Du bereits angefangen zu trainieren, den Zustand Deines Nervensystems immer besser zu erfassen.
Mit Deinem jetztigen Wissen kannst Du Deinen Gefühlszustand ausdifferenzieren und systematisch den verschiedenen Zuständen Deines Nervensystems zuordnen. Wende diese erweiterte Einordnung ab jetzt an, wenn Du Deinen Zustand rund um Deinen Nachrichtenkonsum erfasst:
unterregt = müde, erschöpft, bis hin zu erstarrt
in Balance = inspiriert
übererregt = gestresst
Und jetzt bist Du gefragt!
Aufgabe
Erforsche mit den folgenden Aktivitäten Dein Nachrichtenverhalten und potentielle, versteckte Ursachen für Nachrichtenmüdigkeit:
Für Mediennutzende: Welcher Nachrichtentyp bist Du?
Für Journalist*innen: Welcher Journalist*innentyp bist Du?
Was ist Dein Lieblingsmechanismus?
Wie sieht es in Deinem Umfeld aus?
Für Mediennutzende: Welcher Nachrichtentyp bist Du?
Quizz: Welcher Nachrichtentyp bist Du von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND)
Für Journalist*innen: Welcher Journalist*innentyp bist Du?
Welcher Journalist*innentyp bist Du von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND)
Was ist Dein Lieblingsmechanismus?
Statt auf die negativen Nachrichteninhalte oder die Journalist:innen zu schimpfen, treten wir lieber einen Schritt heraus:
Selbst wenn es eine objektive Berichterstattung gäbe, macht uns spätestens unser Gehirn einen Strich durch die Rechnung. Denn unser Gehirn funktioniert nicht wie eine Festplatte, sondern eher wie ein Türsteher. Nicht nur negative Informationen, sondern auch Inhalte, die die eigene Meinung bestätigen, werden schneller erfasst. Andere Infos werden ausgeblendet oder als weniger vertrauenswürdig beurteilt. Das nennt sich Confirmation-Bias.
Ling, R. (2020). Confirmation bias in the era of mobile news consumption: The social and psychological dimensions. Digital Journalism, 8(5), 596–604. https://doi.org/10.1080/21670811.2020.1766987
Wir bzw. unser Gehirn reagiert darauf mit zwei Mechanismen:
1. Rosinen rauspicken: Selbst wenn etwas objektiv dargestellt wird, tendieren wir dazu, das herauszupicken, was uns bestätigt. Die anderen Argumente werden vernachlässigt.
2. Kopf in den Sand: Wir vermeiden eine Information aktiv, weil sie unbequem ist. Unser Gehirn verteidigt sich gegen Fakten und Ideen, die mit der eigenen Identität kollidieren. Hier geht es nicht um Wahrheit, sondern um den Schutz der eigenen Identität. Deshalb fällt es uns schwer, unser Weltbild zu korrigieren. Das gilt auch für Infos, die uns helfen könnten.
aus: "Schluss mit dem täglichen Weltuntergang" von Maren Urner, S. 177f.
Was ist Dein Lieblingsmechanismus?
Beobachte Dich in den kommenden Tagen: Zu welchem Mechanismus tendierst Du immer wieder?
Notiere hier, welche Nachricht es war und wie Deine Reaktion ausfiel: Rosinen oder Vogelstrauß?
Aufgabe Rosine oder Vogelstrauss von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND)
Wie sieht es in Deinem Umfeld aus?
Wenn Befragte glaubten, dass andere Personen in ihrem sozialen Umfeld es in Ordnung finden, Nachrichten zu vermeiden beziehungsweise dies auch tatsächlich taten, verstärkte dies die eigene Nachrichtenvermeidung.
Link, E., Rosset, M., & Freytag, A. (2021). Typen des interpersonalen und medialen Kommunikations- und Informationshandelns während der Corona-Pandemie. In F. Sukalla, & C. Voigt (Hrsg.), Risiken und Potenziale in der Gesundheitskommunikation: Beiträge zur Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Gesundheitskommunikation 2020 (S. 21-30). Leipzig: Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. https://doi.org/10.21241/ssoar.74286
Aufgabe
Wie sieht Dein Umfeld au? Welche Meinungen gibt es dort in Bezug auf Nachrichten oder Nachrichtenvermeidung?
Notiere Dir die Ergebnisse hier:
Reflexion Dein Umfeld von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND)