Das lernst Du
In diesem Modul schauen wir uns die Ausgangslage an: die gesellschaftlichen Umstände und die Realität, in der wir leben und wir fragen uns, wo und wie Nachrichtenmüdigkeit auftritt.
Du entwickelst eine tieferes Verständnis dafür:
- was Nachrichtenmüdigkeit ist
- welche Gründe es allgemein für ihre Entstehung gibt
- und dass Nachrichtenmüdigkeit zu gesellschaftlichen Problemen führen kann
- und es deshalb wichtig ist, etwas dagegen zu tun
Du wirst Dich und Deinen Zustand in diesen Umständen verorten und erste Erklärungen für die Entstehung von Nachrichtenmüdigket auf der allgemein gesellschaftlichen Ebene erwerben können.
Aufwärm-Übung
Nimm Dir Dein Smartphone - es liegt bestimmt parat in Griff- oder Sichtweite, stimmt's? Checke die Bildschirmzeit, die Du heute schon an Deinem Handy verbracht hast.
Du findest die Information in Deinem Smartphone meist unter "Einstellungen" > "Bildschirmzeit"
Selbstbeobachtung
Erfasse in den kommenden 24 Stunden einmal, wie viele Nachrichten Du erhältst. Mach dir am besten eine simple Strichliste.
Unsere heutige Medienwelt
Wir leben in einer gefühlt ständigen Konfrontation mit belastenden Inhalten. Distanz und Ruhe, um diese zu verarbeiten, scheinen zu verschwinden.
Zu diesen strukturellen, technologischen Bedingungen unserer digitalen Mediengesellschaft kommt der Inhalt der Nachrichten hinzu:
Wir leben momentan in einer Art Dauerkrisen-Modus: es folgt nicht eine Krise der anderen, sondern es entstehen zur Zeit immer neue Krisen, die sich überlagern.
Hinzu kommt: Der Fokus der Berichterstattung liegt im Journalismus weiterhin auf dem Negativen, ohne positive Handlungsoptionen. Das hat viele Gründe, die wir uns in Modul 2 auch anschauen werden.
Auf all das reagieren unser Gehirn und unser Nervensystem in unterschiedlicher Weise. Viele von uns stehen heute unter affektivem Dauerstress und emotionaler Überforderung. Wir haben das Gefühl, keine Zeit zu haben. Es fällt uns schwerer, zwischen wichtigen und unwichtigen Nachrichten zu unterscheiden. Es wird zunehmend unangenehm, wenn wir uns mit unbequemen Informationen beschäftigen sollen, die unserer Überzeugung entgegenstehen.
Die Zusammenhänge schauen wir uns in Modul 3 genauer an.
Zusammenfassung
Für unsere informierte Öffentlichkeit und auch für den Journalismus gibt es ein Problem: Wenn immer mehr Menschen nachrichtenmüde werden und sich bewusst von journalistischen Inhalten abwenden, kann der Journalismus seine demokratiepolitische Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen. Das bedeutet, dass es ihm schwieriger fällt, die Menschen zu informieren, sie zu fundierten Entscheidungen (z.B. bei Wahlen) zu befähigen und im Sinne einer vierten Gewalt mächtige Akteure zu kontrollieren, insgesamt gesellschaftliche Verständigung zu ermöglichen.
Fakt ist: Bisher scheint die aktive Vermeidung von Nachrichten der einzige Ausweg zu sein.
Wir sind hier gerade dabei, einen anderen Ausweg einzuschlagen: Was wir brauchen, ist eine News-Life-Balance - eine neue Balance zwischen Nachrichten und unserem Leben.
In diesem Kapitel haben wir den Boden dafür bereitet, indem wir uns die gesellschaftlichen Umstände unserer digitalisierten Medienwelt angeschaut haben.
Im kommenden Modul starten wir damit, Deine individuelle News-Life-Balance Stück für Stück zu gestalten.
Das hast Du gelernt
In diesem Kapitel haben wir den Blick auf die gesellschaftlichen Umstände und die veränderte Medienwelt als eine Ursache für die Entstehung von Nachrichtenmüdigkeit geworfen. Wir haben festgestellt, dass Nachrichtenmüdigkeit weit mehr ist als Desinteresse oder die Reaktion auf: „Die Nachrichten sind immer nur negativ“.
- Du hast gelernt, was Nachrichtenmüdigkeit eigentlich ist, wo und wie häufig sie auftritt und was Probleme dabei sein können.
- Du hast einen ersten Überblick bekommen, dass es mehrere Bereiche gibt, in denen Nachrichtenmüdigkeit entstehen kann und dass sie mehr als Desinteresse ist - nämlich eine Schutzreaktion auf ein komplexes Phänomen.
- Du hast bereits einen ersten Blick auf Dich geworfen, ggf. Nachrichtenmüdigkeits-Symptome an Dir erkannt und angefangen sie nachzuverfolgen - bravo.
Bedeutet: Menschen können ganz unterschiedlich auf die Medienwelt um sie herum reagieren. Daher wäre es unserer Meinung nach unsinnig, pauschale Diagnosen und Rezepte zu formulieren nach dem Prinzip:
“Wenn Du dieses Symptome hast, bist Du nachrichtemüde. Und wenn Du diese oder jene Mittel dagegen unternimmst, bist Du geheilt.”
Könnte also das Ansteigen von gelegentlicher Nachrichtenvermeidung, wie es der Digital News Report zeigt, statt alarmierend, auch ein Hinweis auf eine gesunde, selbstfürsorgliche Reaktion der Mediennutzenden sein? Zu dem Schluss kommen auch die Forschenden des Digital News Report.