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News-Life-Balance
Abschnittsübersicht
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Modul 2 NEWS-Pfad: Spurensuche
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Das lernst Du
Hier geht es um das Angebot - also die Nachrichten selbst - als potentielle Ursache für Nachrichtenmüdigkeit.
In diesem Kapitel erforschen wir genauer, warum Menschen nachrichtenmüde werden und zwar mit speziellen Blick auf das Angebot - die Nachrichten - also das, wofür wir Journalist*innen verantwortlich sind. Und wir werden uns fragen, welchen Einfluss wir als Journalist*innen darauf haben.
Zur Erinnerung: Dies ist kein Lernangebot zum einfachen Durchklicken mit einem Rezept am Ende nach dem Motto:
“Befolge die drei Tipps und Du bist vor Nachrichtenmüdigkeit geschützt.”
Wir wollen, dass Du aktiv wirst!Wir wollen, dass Du Lust bekommst, etwas zu verändern.Wir wollen, dass Du Verantwortung übernimmst oder Dir Deiner Verantwortung zumindest bewusst wirst.Dafür rütteln wir auch gern ein bisschen an den Grundpfeilern unseres Selbstverständnisses als Journalist*innen.Bist Du bereit?Nachrichtenvermeidung als einziger Ausweg?
Im vorherigen Kapitel hast Du erfahren, dass Nachrichtenvermeidung bisher der einzige Ausweg aus der Nachrichtenmüdigkeit zu sein scheint und dass auf den ersten Blick die veränderte Medienwelt sowie das Angebot - vor allem die negativen Inhalte von Nachrichten - die Hauptursachen für Nachrichtenmüdigkeit sein sollen.Reflexion

Was macht das eigentlich mit Dir als Journalist*in, wenn Du diese Entwicklung beobachtest?
Setze Dir einen Timer von z. B. 3 Minuten und schreibe auf, was Dir spontan in den Sinn kommt.
Du kennst bereits das Tool dafür: Die gefährlichste Schreib-App
NEWS-Pfad: Gründe für Nachrichtenmüdigkeit von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND) NEWS-Pfad: Verantwortung für Nachrichtenmüdigkeit von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND)
ReflexionFindest Du Dich in dem beschriebenen Rollenverständnis wieder? Nimm Dir 15 Minuten Zeit und erstelle Dein journalistisches Selbstverständnis:
Warum bist Du Journalist*in geworden?
Schreibe Deine Gedanken in dieses Feld hinein und speichere sie für später ab.
NEWS-Pfad: Dein journalistisches Selbstverständnis (CC BY-NC-ND)
Wenn Du nicht mehr weiter weißt, prüfe Deine Antwort mit der Frage "Warum?" und diese Antwort wiederum mit einem "Warum". Nach fünf "Warums" bist Du beim Kern angekommen oder zumindest Deinem Kern sehr nahe gekommen.
Wenn Du magst, tausche doch einmal die Rollen und lasse Dich zu dieser Frage von einer KI interviewen.Bitte überlege Dir aber vorab, ob Du persönliche Daten mit einer KI teilen möchtest. Datenschutz können wir nicht garantieren und wir empfehlen Vorsicht bei der Nutzung von KI, wenn Du dort persönliche Inhalte eingibst. -
Are Only Bad News Really Good News?
Folgen des modernen Journalismus
Hier kommt eine Auswahl von Folgeerscheinungen des modernen Journalismus, die sich durchaus logisch und konsequent aus dem beschriebenen Rollenverständnis entwickelt haben:Wie wir Journalist*innen Nachrichten auswählenDer berühmte “Mann beißt Hund”
NEWS-Pfad: Wie Journalist*innen Nachrichten auswählen von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND) Wie wir Journalist*innen Nachrichten aufbereitenGehen wir noch einen Schritt weiter – nicht nur was wir berichten, sondern:
Wie bereiten wir Nachrichten auf?
NEWS-Pfad: Wie Journalist*innen Nachrichten aufbereiten von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND) Was das mit der Gesellschaft macht
Mache dazu einen Ausflug auf den LIFE-Pfad:Die Gründe für Nachrichtenmüdigkeit
(Link öffnet ein neues Browser-Fenster)
Was das mit uns Journalist*innen machtWas macht diese Art der Berichterstattung auf Basis von Nachrichtenfaktoren und Heldenreisen mit uns Journalist*innen?
NEWS-Pfad: Was Journalismus mit Journalist*innen macht von Anke Gehrmann (CC BY-NC-ND) -
Verzerrte Wahrnehmung
Auch wir Journalist*innen unterliegen - wie alle Menschen - Biases, also Verzerrungen in der Wahrnehmung von Realität, die unser Gehirn produziert.
Es geht nicht darum, diese Verzerrungen zu eliminieren. Das würde nicht funktionieren, weil wir die Prozesse in unserem Gehirn nicht ändern können.
Es geht vielmehr darum, sich möglichst oft der Verzerrungen bewusst zu werden. Hier kommt ein Best-Of denen wir Journalist*innen besonders oft unterliegen:
aus "Psychologie im Journalismus" von Katja Ehrenberg und Margarida Alpuim (Bonn Institute, 2024)Negativity-BiasIn Bezug auf Informationsverarbeitung ist das Schlechte stärker als das Gute.
Menschen schenken negativen Reizen mehr Aufmerksamkeit, nehmen sie schneller und leichter wahr, verarbeiten sie tiefer und erinner sich besser an sie.
Eine negative Handlung löscht hier 99 positive Erfahrungen aus.
Diese Verzerrung wird evolutionsbiologisch erklärt. Diejenigen unserer Vorfahren, die schnell auf Anzeichen von Gefahr reagierten, retteten ihr Leben.
Confirmation-BIasMenschen bevorzugen Informationen, die ihre Ansicht bestätigen.
Sie suchen aktiv nach Dingen, die ihr Weltbild bestätigen und werden recht kreativ, Informationen so umzuinterpretieren, dass sie ihre Überzeugun guntermauern.
Diese Verzerrung ist besonders wichtig, im Hinterkopf zu haben, wenn wir Recherchehypothesen verfolgen.
Wenn dies nicht möglich ist, neigen sie zuweilen dazu, die Quelle als nicht vertrauenswürdig zu diskreditieren.
VerfügbarkeitsheuristikWenn man Menschen bittet, Häufigkeiten oder Wahrscheinlichkeiten zu schätzen, versuchen sie meist, relevante Einzelfälle aus dem Gedächtnis abzurufen.
Lebhafte Erinnerungen sind gut verfügbar.
Diese gefühlte Leichtigkeit des Abrufs führt zu der - unbegründeten - heuristischen Schlussfolgerung, dass es noch viel mehr solcher Beispiel geben muss und entsprechend häufiger vorkommt.
Illusionary-Truth-EffectVertrautem glauben die Menschen mehr.
Dies gilt auch für Recherchehypothesen.
Primacy- oder Anker-BiasDer erste Eindruck pägt das Gesamturteil maßgeblich und stärker als darauffolgende Informationen.
Also entgegen der Logik des Storytellings, in der zum Schluss der Ausblick gesetzt wird, bleibt dem Publikum der Einstieg in eine Geschichte (meist mit dem Problem) am stärksten in Erinnerung.
False-Balance-EffectMeinungen werden nicht nach repräsentativen Anteil in der Gesellschaft Raum in der Berichterstattung gegeben, sondern entsprechend ihrer Lautstärke oder ihrer inhaltlichen Wucht.
Attributions-BIasMenschen neigen dazu, die Ursache für ein Verhalten in den Eigenschaften einer Person zu suchen und nicht in der Situation.
Dies gilt ausschließlich bei anderen Personen. Auf uns selbst bezogen suchen wir die Erklärung immer in den Umständen.
So kannst Du Deinen Biases entgegenwirkenWenn Du jetzt sofort wissen willst, wie Du in Deiner Arbeit den Verzerrungen entgegenwirken kannst, mache einen kleinen Ausflug in Modul 3:
Tipps für den Umgang mit Biases >
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