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Kompetenzentwickelnde Angebote

Website: Hamburg Open Online University
Kurs: Digital kompetent - ja, aber wie und warum?
Buch: Kompetenzentwickelnde Angebote
Gedruckt von: Gast
Datum: Mittwoch, 15. Januar 2025, 17:50

1. Bestehende Angebote kuratieren

In dieser Lerneinheit wird der Frage nachgegangen, wie passende Lernangebote erschlossen und genutzt werden können, um als (angehende) Lehrkraft orientiert an diesem Teilkompetenzbereich entsprechend handlungsfähig zu sein.

In der vorangegangenen Lerneinheit dieses 4. Moduls habt Ihr erfahren, dass nach Jung (2010: 13) für den Kompetenzerwerb im Sinne einer selbst gesteuerten Kompetenzentwicklung der "Einsatz und die Weiterentwicklung von Aspekten des Wollens (Bereitschaft, Motivation), des Wissens (Fähigkeiten, Kenntnisse) und Könnens (Fertigkeiten)" von zentraler Bedeutung sind.

Geht es also um den eigenen Kompetenzerwerb mit Bezug auf den Teilkompetenzbereich "4.2. Lern-Evidenzen analysieren", so ist zu fragen, wie passende Lern- und Informationsangebote erschlossen und genutzt werden können, um als (angehende) Lehrkraft entsprechend handlungsfähig zu sein. Für den exemplarischen Teilkompetenzbereich "4.2. Lern-Evidenzen analysieren" sind also entsprechend der verdichteten Beschreibung im dritten Modul Informations- und Lernangebote zu identifizieren, wie Lehrkräfte sich selbst befähigen können, digitale Informationen und Daten zum Lernen ihrer Schüler:innen zu erheben, um auf Basis der daraus gewonnen Erkenntnisse ihren Unterricht zu planen.
Wenn wir nach Informations- und Lernangeboten suchen und die gefundenen Inhalte später leichter nachnutzen, verbreiten und ggf. verändern wollen, achten wir darauf, dass die gesuchten Inhalte unter einer CC-Lizenz veröffentlicht sind. In Bildungskontexten werden entsprechende offen lizenzierten Inhalte und Materialien häufig auch als OER ("Open Educational Resources" bzw. zu deutsch "Offene Bildungsmaterialien") bezeichnet. Mehr zu OER erfahrt Ihr in nachfolgendem Video:

Weitere Informationen

iMooX at
CC-BY 4.0 Sandra Schön & Martin Ebner
https://www.youtube.com/embed/uLqJAST3P6w


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Video-Transkript 

Als Hochschullehrender ist das Internet für Sie bei der Erstellung von Lehrmaterialien sicher eine wichtige Ressource. Kolleginnen und Kollegen haben schon tolle Beispiele für Sie zur Verfügung gestellt. Sie suchen danach, laden diese herunter und bauen das in Ihre neue Lernunterlage ein. Und ganz selbstverständlich veröffentlichen Sie das auch selbst wieder im Internet für andere eine tolle Sache? Ja, mit einem gravierenden Problem, dem Urheberrechtsgesetz. Denn auch augenscheinlich freie Unterlagen im Internet unterliegen diesem im deutschsprachigen Raum. Haben Ressourcen aus dem Internet keine gesonderten Angaben zur Nutzung, kann man nur mit der Zitation arbeiten, aber eben nur eingeschränkt und auch hier ist die Übernahme begrenzt. Kurzum es wird kompliziert und letztendlich auch teuer, denn Freiheits- und Geldstrafen können bei einem Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetzes drohen. Eine Möglichkeit um mit Lehrmaterialien rechtssicher umgehen zu können, stellen sogenannte Open Educational Resources, kurz OER, oder zu deutsch offene Bildungsressourcen oder auch freie Bildungsmaterialien dar. Das O für Open oder Offen steht dabei für kostenfrei, frei verwendbar, druck- und kopierbar und in der Regel auch frei veränderbar und dass das möglich wird, dazu braucht es eine entsprechende offene Lizenz. Die weltweit am meisten verbreiteten Lizenzen sind derzeit die Creative Commons-Lizenzen, abgekürzt mit CC. Wenn von offenen Bildungsressourcen die Rede ist verstehen manche Autorinnen und Autoren auch unter offen, dass Open-Source-Software zum Einsatz kommt, dass zudem offene Standards verwendet werden, oder auch dass Formen des offenen Lehren und Lernens unterstützt werden. Offene Bildungsressourcen kurz OER sind also eine Antwort auf die strengen Urheberrechtsregelungen im deutschsprachigen Europa. Was sind also alles Argument für OER offene Bildungsressourcen? Zunächst sind Sie 100 % kostenfrei: Sie sind kostenfrei im Web zugänglich und auch die Nutzung der Materialien kostet nichts. Durch die Modifizierbarkeit können OER von vielen gemeinsam erstellt und bearbeitet werden, wodurch auch neue Formen der Zusammenarbeit gefördert werden. Offene Bildungsressourcen sind auch aktuell oder auch leicht aktualisierbar – durch eine ständige Modifikation sind solche Lehrmaterialien in einem ständigen Bearbeitungsprozess und werden immer weiter verbessert. OER sorgen für Chancengleichheit, sie sind zugänglich für alle und sorgen daher auch für viele weitere Entwicklungsmöglichkeiten, auch am Ende der Welt. OER sind schließlich in der Regel auch innovativ und modern, da zumeist mit neuen Technologien und Formaten gearbeitet wird. Offene Bildungsressourcen kurz OER können schließlich ganz unterschiedliche Materialien sein, ein Lehrbuch, eine Präsentation oder ein Bild, ein Video, ein Lernobjekt. Egal ob traditionell analog oder innovativ digital OER kennt hier keine Grenzen.


Nachdem wir nun wissen, wozu Offene Bildungsmaterialien (OER) nützlich sind und wie man sie erkennen kann, wollen wir im nachfolgenden Schritt anhand eines Videos erfahren, wie entsprechende OER gesucht und gefunden werden können:

Weitere Informationen [COER MOOC] Video 6 - OER suchen und finden

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CC-BY 4.0 Sandra Schön & Martin Ebner
https://www.youtube.com/embed/MyKDl8oDGLc

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Video-Transkript 

Bei der Erstellung von Lehrmaterialien empfiehlt es sich immer, zuerst einmal zu schauen ob man im Internet dazu etwas findet – ganz egal ob es Bild, Text, Video ist, oft wurde bereits an anderer Stelle etwas erstellt. Zumeist ist der klassische Weg einfach mal, Google aufzurufen. Das hat natürlich, wenn wir uns erinnern, auch Isabel gemacht, als sie ihren Elefanten kreierte. Allerdings weiß sie als routinierte OER-Expertin, dass eine generelle Google-Suche wenig hilfreich ist, wird hier ja nicht nach lizenzierten Inhalten unterschieden. Daher klickt sie zuerst auf Einstellungen und erweiterte Suche – dort scrollt sie ganz nach unten und findet den Punkt „Nutzungsrechte“ und stellt „frei zu nutzen, weiterzugeben oder zu verändern ein“ und gibt oben in das Suchfeld noch „Elefant Elli“ ein. Kein Ergebnis, aber das war jetzt nicht verwunderlich. Ok, man sieht also, die Google-Suche ist wenig hilfreich, dann erinnert man sich vielleicht an die Suchmaschine von Creative Commons und ruft http://search.creativecommons.org auf. Dort findet man die Möglichkeit, nach freien Inhalten zu suchen, und zwar auf verschiedenen Plattformen. So wählt Isabel in unserem Fall einmal Pixabay aus und gibt „Elefant Elli“ ein – auch hier kein Treffer. Wenn sie allerdings Flickr auswählt, werden vier Bilder offeriert, aber alle unbrauchbar. Aber weil sie eventuell darüber nachdenkt, ihren Lehrinhalt musikalisch zu untermalen, versucht sie auch noch Jamendo, eine Plattform für Musikstücke und sieht da jetzt ein paar nette Angebote, die sie vielleicht verwenden möchte. Sie wählt einen Titel aus und schaut sich die Lizenz an. Nun gut, immerhin hat sie etwas gefunden.

Das Beispiel zeigt uns, dass es grundsätzlich möglich ist, gezielt nach freien Bildungsinhalten zu suchen, selbstverständlich kann man alle die Plattformen auch einzeln aufrufen, also direkt ansteuern und dort direkt suchen. Vieles ist überhaupt nur so direkt erreichbar. Auch eine der großen Problematiken im Bereich der freien Bildungsressourcen. Das ist letztendlich auch unser Problem, weil Inhalte gibt es viele. Die Frage ist, ob wir diese finden und wenn ja, ob sie offen lizenziert sind. Beim Austria Forum gibt es z.B. eine App, für iOS genauso wie für Android, die immer gleich direkt anzeigt, unter welcher Lizenz der Artikel gerade steht. Damit ist es viel einfacher, den Überblick zu halten. Also man sieht es gibt viele Features. Wichtig ist nur, dass man auf die Lizenz schaut und natürlich helfen die CC Symbole uns ungemein, ansonsten ist man oft mit sehr langen Nutzungsbedingungen konfrontiert, die zumeist auch schwer verständlich sind bzw. eindeutige Aussagen vermissen lassen. In diesem Erklärvideo zum Suchen und Finden von OER wurde auf die weit verbreitetste Suchmaschine Google zurückgegriffen. Neben Google gibt es auch alternative Suchmaschinen. Je nach verwendeter Suchmaschine gibt es einerseits unterschiedliche Ergebnisse, aber auch weitere Vor- und Nachteile bei der Verwendung von Internetsuchmaschinen. Um mehr über den Vergleich von unterschiedlichen Internetsuchmaschinen zu erfahren, kann dieser Vergleich von Suchmaschinenanbietern bei heise gelesen werden.

Wir können uns also auf die Suche nach passenden Informations- und Lernangeboten zu unserem Teilkompetenzbereich "4.2. Lern-Evidenzen analysieren" begeben. Hierfür greifen wir auf die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit den verwendeten Begriffen im Rahmen der Beschreibung und Erklärung unseres (Teil-)Kompetenzbereichs im dritten Modul zurück. Die dort identifizierten Schlüsselwörter können wir nutzen, um auf unterschiedlichen bzw. der von uns präferierten Internetsuchmaschine nach Ergebnissen zu suchen. Je nach verwendeter Suchmaschine erhalten wir bspw. für die Suchbegriffe Lernverhalten, Analysieren, Unterrichtsplanung und Digital in Kombination miteinander sehr unterschiedliche Ergebnisse vorgeschlagen:

Erste Treffer bei Google:

Abbildung
Google Treffer

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Erste Treffer bei DuckDuckGo (ähnlich auch bei Ecosia):

Abbildung
DuckDuckGo-Treffer

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Zusätzlich lassen sich auch andere Medien zielgerichteter suchen. Die Bildersuchfunktion in den verschiedenen Internetsuchmaschinen kann Treffer in Richtung Visualisierung geben. Videoplattformen (bspw. Youtube oder Vimeo) erlauben die Suche nach Videoinhalten in Richtung Erklär- bzw. Lernvideos.

Gruppenarbeit

Auf der Suche nach Internetquellen für die eigene Kompetenzentwicklung sind wie bei jeder Internetrecherche die gefundenen Ergebnisse und Quellen kritisch zu hinterfragen und zu bewerten. Zur Bewertung von Internetquellen bieten sich diverse Checklisten an, so bspw. die folgende Checkliste des Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, das für Schüler:innen gedacht ist, aber auch für (angehende) Lehrkräfte wertvoll ist.


Anhand dieser Checkliste können wir die Ergebnisse der Suche nach Informations- und Lernangebote suchen für den Teilkompetenzbereich "Lern-Evidenzen analysieren" leichter dahingehend prüfen, ob es sich um vertrauensvolle und qualitativ ansprechende Informationen handelt.

Wir interessieren uns zunächst für ansprechend gestaltete Videos, die sich mit Aspekten des Teilkompetenzbereichs "Lern-Evidenzen analysieren" entsprechend der im dritten Modul verdichteten Beschreibung beschäftigen. Bei der Suche auf der Plattform Youtube geben wir "Lern-Evidenzen Unterricht" ein und erhalten bereits erste Treffer, die uns interessieren:


Dieses Video finden wir interessant, da es grundsätzlich für die Bedeutung von wissenschaftlich fundierter Evidenz für Lehrkräfte sensibilisiert:

Abbildung
Wissenschaftliche Evidenz für die Lehrerbildung

Weitere Informationen


Auch dieses Video findet wir für die eigene Kompetenzentwicklung als angehende Lehrkraft interessant, da es die größte Metastudie (sogenannte Hattie-Studie) zusammenfasst, die viele unterschiedliche empirische Studien zu Erfolgsfaktoren der Unterrichtsgestaltung zusammenträgt:

Hier geht es zum Video: Der größte Fundus der Bildungsgeschichte.

Weiter unten findet sich folgendes Video, das das Konzept "Learning Analytics" näher bringt und ein praktischer Anknüpfungspunkt sein kann, um handlungsorientiert den Teilkompetenzbereich "Lern-Evidenzen analysieren" in der Unterrichtsgestaltung sowie -weiterentwicklung als Lehrkraft in praktisches Handeln zu übersetzen:

Hier geht es zum Video: Learning Analytics

Zusätzlich wird nachfolgendes Video angezeigt, das anhand eines konkreten fachdidaktischen Bezugs (Englischdidaktik) zeigt, wie empirische Befunde über Lernende fachdidaktische Konsequenzen für Lehrkräfte hervorrufen können:

Hier geht es zum Video: Lernertypen im (Englisch-)Unterricht
Im Ergebnis sind wir sehr zufrieden, dass wir mit unterschiedlichen Videos erste Impulse für die eigene Kompetenzentwicklung zur vertieften Auseinandersetzung mit Bezug auf den Erwerb von Wissen und Fähigkeiten zum Teilkompetenzbereich "Lern-Evidenzen analysieren" finden konnten. Die Videos beschäftigen sich vordergründig mit einer Sensibilisierung für das Thema und der Beschreibung zentraler Ansätze. Als nächstes suchen wir nach digitalen Lernumgebungen, in denen wir strukturiert und tiefgehend Kompetenzen zum Teilkompetenzbereich "Lern-Evidenzen analysieren" für die spätere Unterrichtsanwendung erwerben bzw. weiterentwickeln können. Dafür suchen wir nach Online-Kursen, die sich ganz oder näherungsweise mit Inhalten unseres exemplarischen Teilkompetenzbereichs "Lern-Evidenzen analysieren" beschäftigen


Auf der allgemeinen Suche nach Online-Kursen stoßen wir auf eine Übersicht des Deutschen Bildungsservers zu Online-Kursplattformen, die offen zugänglich sind. Gelistet werden Plattformen für sogenannte MOOCs (Massive Open Online Course). Damit werden internetbasierte Kurse bezeichnet, die sich an viele Teilnehmende richten und grundsätzlich offen für alle sind. Hier geht es zur Übersicht beim Deutschen Bildungsserver. 

Zunächst schauen wir uns auf den deutschsprachigen Plattformangeboten um und erfahren, dass die österreichische Plattform iMooX viele Angebote im Bereich der Lehrer:innenbildung mit einem Fokus auf Medienpädagogik hat:


Wir sind grundsätzlich positiv überrascht, dass es offene online-basierte Selbstlernkurse für den eigenen Kompetenzaufbau als angehende für erfahrene Lehrkraft gibt. Jedoch finden wir nach Blick in die Inhalte der Kurse keine Hinweise darauf, dass spezifische Aspekte des Teilkompetenzbereichs "Lern-Evidenzen analysieren" aufgegriffen werden. Daher suchen wir auf anderen Plattformen weiter und werden auf der britischen MOOC-Plattformen FutureLearn fündig. Die Lernangebote sind zwar auf Englisch, jedoch gehen Sie speziell auf die gewünschten thematischen Aspekte des exemplarischen Teilkompetenzbereichs "Lern-Evidenzen analysieren" ein. Direkt auf der Startseite von FutureLearn wird "Teaching" als Cluster vorgeschlagen. Unter den insgesamt 62 Kursen im Bereich der Pädagogik und Didaktik zielen folgende Kurse direkt auf Fragen der Erhebung von Lern-Evidenz und entsprechenden Unterrichtsentwicklung ab:


Nach Blick auf die einzelnen Kurse stellen wir fest, dass der MOOC "Planning for Learning: Formative Assessment" in der Breite wie Tiefe der Inhalte am meisten Möglichkeiten des eigenen Kompetenzerwerbs angehender Lehrkräfte im Bereich "Lern-Evidenzen analysieren" bietet. Nach Blick auf den folgenden Syllabus, also die inhaltliche Gliederung des Online-Kurses, nehmen wir es zusätzlich zu den Youtube-Videos als Inhalte für die Kompetenzentwicklung für unseren Teilkompetenzbereich auf.


Im nächsten Abschnitt gehen wir also der Frage noch, wie wir diese Medieninhalte bestmöglich für andere angehende Lehrkräfte verfügbar machen kann, also zielgruppenspezifisch kuratieren kann.

Gruppenarbeit

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Medieninhalte für die eigene Kompetenzentwicklung als Lehrkraft für unterschiedliche (Teil-)Kompetenzbereiche für eine digitale Lebens- und Arbeitswelt zu suchen und zu finden. Es gibt unterschiedliche Internetsuchmaschinen und -plattformen für Medieninhalte. Wie gut sind Eure Ergebnistreffer auf der Suche nach Euren (Teil-)Kompetenzbereichen? Welche Plattformen helfen Euch, die passendsten Medieninhalte zu finden? Teilt Eure Erfahrungen in Euren Gruppen.

Auf der Suche nach Medieninhalten, die sich ansprechend mit dem Themenkomplex rund um "Lern-Evidenzen analysieren" als von uns exemplarisch gewählten Teilkompetenzbereich beschäftigen, haben wir Videos auf der Plattform Youtube gefunden, die uns in der Kombination sehr bei der eigenen Kompetenzentwicklung als (angehende) Lehrkraft helfen. Nun möchten wir die gefundenen, nützlichen Lernangebote gerne für uns sowie für andere Lehrkräfte leicht verständlich zugänglich machen. Wir wollen also entsprechende Inhalte kuratieren. Aber was bedeutet Kuratieren von Inhalten eigentlich? Im Wortstamm von ‚Kuratierung‘ steckt das lateinische Verb ‚curare‘, was übersetzt soviel bedeutet wie für etwas sorgen oder sich um etwas kümmern. Die kuratierende Person im Museum kümmert sich zum Beispiel um den Erhalt und Ausbau der Sammlungen und gestaltet auch Sonderausstellungen zu einem bestimmten Thema. In Bildungskontexten kann das Kuratieren von Inhalten dann nochmal eine besondere Bedeutung haben: - Lehrende können Unterrichtsmaterialien zu einem bestimmten Thema zusammenstellen und für sich nutzen oder Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen. Außerdem können sie diese Zusammenstellungen auch an Schülerinnen und Schüler weitergeben z.B. im Kontext von Flipped Classroom Modellen oder im Rahmen von selbstorganisiertem Lernen. - Lernende können Kuratierungen als eine Aufgabe gestellt bekommen oder für sich selbst als Lernstrategie nutzen. Zum Beispiel, indem sie am Ende einer behandelten Unterrichtseinheit eine kuratierte Übersicht mit relevanten Materialien zu diesem Thema gestalten und präsentieren.

1.1. Schritte der Kuration

Welche Schritte sind für das Kuratieren zu beachten? 

Im Folgenden stellen wir eine kurze Anleitung zur Kuratierung von Bildungsinhalten vor. Diese ist angelehnt an den Text Kuratierung als Bildungsherausforderung von Nele Hirsch. Ihr Text steht unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. 

  1. Im ersten Schritt geht es darum, Informationen zu recherchieren und zusammenzutragen. Möglich ist hierzu die Nutzung einer Internet-Suchmaschine. Alternativ kann man auch direkt eine bestimmten Sammlung aufrufen und diese durchsuchen. 
  2. Anschließend folgt eine Bewertung und damit verbundene Löschung nicht relevanter Inhalte. Die Grundregel beim Kuratieren ist nicht ‚Je mehr, desto besser!‘, sondern ‚Je passender, desto besser‘ oder sogar ‚Je weniger, desto besser‘. Was man mit wenigen Inhalten präsentieren kann, muss nicht mit weiteren Inhalten aufgefüllt werden, die inhaltlich keine zusätzlichen Informationen mehr liefern. 
  3. Im dritten Schritt folgt eine Sortierung. Zusammengehörende Inhalte werden zusammengefasst. Bei sehr komplexen Themen kann es hilfreich sein, die recherchierten Inhalte aufzusplitten und mehrere, kleinere Sammlungen anzubieten. 
  4. Dem Schritt der Sortierung schließt sich direkt die Präsentation an. Hier geht es darum, die Inhalte in eine übersichtliche Zusammenstellung zu bringen, die nicht erschlägt und in der sich die Nutzenden leicht zurecht finden. Das ist nicht nur eine Frage des Layouts, sondern vor allem eine Frage der Kontextualisierung. Anstatt gefundene Inhalte einfach aneinander zu reihen, helfen kurze einleitende Texte, die den Inhalt zusammenfassen und die Nutzung erläutern. Optisch ist es empfehlenswert Links nicht als URL auszuschreiben, sondern als verlinkten und erläuternden Text aufzunehmen. 
  5. Der letzte Schritt ist das Teilen der Inhalte: entweder eine Weitergabe im Klassenzimmer, eine Präsentation für Mitschülerinnen und Mitschüler oder eine öffentliche Bereitstellung der Sammlung für alle Interessierten.

Grundsätzlich braucht es zur Kuratierung kein spezielles Tool. Es kann auch ein einfaches Text-Dokument bzw. in der Online-Version ein Pad genutzt werden. Hilfreich ist z.B. das ZUMPad oder – mit etwas mehr Formatierungs- und Präsentationsmöglichkeit – das auf Markdown basierende Pad HackMD. Für eine ganz schnelle Kuratierung (die dann später auch nicht mehr bearbeitet werden kann) eignet sich Telegra.ph. Hier kann man sich ohne Anmeldung oder Registrierung eine einfache Website erstellen. Möglich sind Texte, Bilder, Links und eingebettete Videos.

Wir entscheiden uns also dafür, die von uns gefundenen internetbasierten Lernangebote zur Kompetenzentwicklung für die von uns für unser Medienpaket intendierte Zielgruppe der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst bzw. Referendariat an allgemeinbildenden Schulen mit dem Schwerpunkt auf die Sekundarstufe II kuratiert verfügbar zu machen. Entsprechend der hier geteilten Anleitung entscheiden wir uns dafür, eine sogenannte Microsite über Telegra.ph zu erstellen. Diese kann zwar nicht kollaborativ weiterbearbeitet werden, jedoch sind hier Videos leicht und ansprechend einzubetten. Im Ergebnis können wir selbst diese Microsite pflegen und mit anderen interessierten, angehenden Lehrkräften teilen.


Unsere kuratierte Website sind im Ergebnis so aus: https://telegra.ph/Videos-zum-Teilkompetenzbereich-41-Lern-Evidenzen-analysieren-06-29


Nach der Auseinandersetzung mit den gefundenen und kuratierten Lernangeboten im Internet stellt sich nun die Frage, ob es noch offene Punkte bei der Vermittlung oder den Inhalten gibt, um umfassend als angehende Lehrkraft umfassend im exemplarischen Teilkompetenzbereich 4.1 "Lern-Evidenzen analysieren" befähigt zu sein. Um mögliche Leerstellen und die mögliche eigene Entwicklung von Inhalten geht es in der nachfolgenden, letzten Lerneinheit dieses vierten Moduls.

2. Eigene Angebote entwickeln

Nachdem wir uns in der vorherigen Lerneinheit einen Überblick über bestehende Angebote für den Kompetenzerwerb verschafft haben, geht es in dieser Lerneinheit darum, eigene Angebote zu entwickeln, um identifizierte Leerstellen in den bestehenden Angeboten zu füllen. 

Unsere Internetrecherche nach Angeboten für die eigene Kompetenzentwicklung im Bereich der Analyse von Lern-Evidenzen für die Unterrichtsgestaltung hat viele nützliche Quellen hervorgebracht. Wir fühlen uns auf Basis der kuratierten Youtube-Videos eher sensibilisiert für Fragen der evidenzbasierten Lernstandanalyse, der fachdidaktischen Berücksichtigung dessen sowie den Herausforderungen wie Möglichkeiten des Konzeptes von Learning Analytics als vieldiskutierten Ansatz in der Mediendidaktik. Durch den internetbasierten Selbstlernkurs bei FutureLearn fühlen wir uns eher befähigt, zukünftig selbst auf diese Ansätze der evidenzbasierten Leistungsbeurteilung in der eigenen Unterrichtspraxis einzugehen, die sich vor dem Hintergrund der Heterogenität im Klassenzimmer stellen.

Nun rufen wir uns in Erinnerung, wer die Zielgruppe unseres zu entwickelnden Medienpaketes ist. Im dritten Modul haben wir uns als Gruppe bei der Zielgruppenspezifizierung darauf verständigt, dass das Medienpaketes auf die primäre Zielgruppe der angehenden Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst bzw. Referendariat ansprechen soll. Wir möchten dabei insbesondere auf Lehrende im Vorbereitungsdienst an allgemeinbildenden Schulen fokussieren, um eine breite Wirkung zu erzielen.

Darüber hinaus soll sich das Medienpaket besonders an Lehrende der Sekundarstufe II richten. Gleichen wir die Zielgruppenformulierung mit den zuvor kuratierten Inhalten und Lernangeboten ab, stellen wir fest, dass die deutschsprachigen Videos sehr gut für Aspekte des Teilkompetenzbereichs "Lern-Evidenzen analysieren" sensibilisieren, ohne handlungsorientiert direkt zu befähigen, während der englischsprachige Selbstlernkurs anspruchsvoll, aber auch wegen der fremdsprachlichen Umsetzung hochschwellig handlungsorientiert Inhalte vermittelt. Für angehende Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst bzw. Referendariat halten wir es daher für besonders gewinnbringend, wenn es eine eher niederschwellige, spielerische und praxisnahe Aufbereitung der zentralen Aspekte für die Kompetenzentwicklung des exemplarisch gewählten Teilkompetenzbereiches gibt.


Wir suchen also im nächsten Schritt nach digitalen Tools, die uns erlauben, ein spielerisch aufbereitetes und visuell ansprechendes Angebot zur Kompetenzentwicklung für angehende Lehrkräfte zu entwickeln, das leicht über das Internet geteilt und im Sinne einer offenen Bildungsressource (OER) nach genutzt werden kann.

Das Screening der bestehenden Angebote hat gezeigt, dass es zwar im Bereich der Erhebung von Lerndaten schon vieles gibt, aber der zweite Teil der Beschreibung des Teilkompetenzbereichs noch wenig in den vorhandenen Angeboten berücksichtigt wird. Die Frage lautet daher: Wie können Lehrkräfte also die erhobenen, analysierten und interpretierten Lerndaten in ihrer Unterrichtsplanung berücksichtigen?

Insbesondere mit Blick auf die von uns gewählte Zielgruppe - Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst - gibt es noch wenig Erfahrung in der Unterrichtsplanung. Zwar können angehende Lehrkräfte bereits in der ersten Phase der Lehrkräftebildung, dem Studium, in Praktika o.Ä. erste Erfahrungen in der Planung von Unterricht sammeln, doch gibt es bei der Zielgruppe noch keine Routine darin. Dies macht es natürlich schwieriger, zusätzlich zur grundsätzlichen Unterrichtsplanung auch noch individuell auf Lernstände einzugehen. Allgemein besteht eine Unterrichtsplanung aus folgenden Elementen: 

  • die Lerngruppenanalyse 
  • die Didaktischen Analyse 
  • die Inhaltsanalyse und 
  • die Methodische Analyse

Das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung hat in diesem Kontext die Handreichung "Erweitertes Konzept zum Verfassen schriftlicher Unterrichtsplanungen" für Seminarleitungen herausgegeben. Auch wenn sich diese primär an Seminarleitungen in den Studienseminaren richtet, ist es auch für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst hilfreich, sich diese anzusehen, um insbesondere im Bereich der Lerngruppenanalyse die erhobenen Lerndaten produktiv in die Unterrichtsplanung einzubeziehen.

Um genau diesen Übergang zwischen erhobenen, analysierten und interpretierten Lerndaten und der Unterrichtsplanung schließen zu können, soll ein Angebot entwickelt werden, dass Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst dabei unterstützt, zu verstehen, wie die gewonnen Erkenntnisse in der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden können. Da es sich hierbei um grundsätzliche Entscheidungen handelt, wird ein Quiz entwickelt, an dem sich Lehrkräfte orientieren können und anhand dessen sie Lern-Evidenzen in ihre Unterrichtsplanung einbeziehen können.

Zunächst wird geprüft, welches Tool sich für die Erstellung des Quiz eignet. Nach einer Internetrecherche fällt die Wahl auf H5P, da sich mit diesem Tool einerseits leicht multimediale Inhalte erstellen lassen und diese andererseits auch in verschiedenen Kontexten eingebettet werden können. Auch scheint die Bedienung auf den ersten Blick recht einfach zu sein, was ein weiteres Auswahlkriterium ist.

In einer weiteren Recherche nach Anleitungen für die Erstellung von H5P-Elementen finden wir zum einen einen Online-Kurs der Ruhr-Universität Bochum und zum anderen ein Tutorial auf dem Landesmedienportal Bayern. Bevor wir also mit der Entwicklung des Tools loslegen, arbeiten wir zunächst diese beiden Tutorials durch, um anschließend effektiv mit dem Tool H5P arbeiten zu können. Nachdem wir uns intensiver mit dem Tool H5P auseinandergesetzt haben, haben wir uns für den Inhaltstyp "Personality Quiz" entschieden, da dieser es erlaubt, ausgehend von verschiedenen Fragen, Empfehlungen zu generieren:


Nachdem die Entscheidung für das Tool feststeht, geht es darum, die Inhalte zu entwickeln. Dafür haben wir uns noch einmal alles angesehen, was wir bis zu diesem Zeitpunkt für unseren gewählten Teilkompetenzbereich bereits entwickelt haben. Aus all diesem Wissen haben wir in einem intensiven Aushandlungsprozess die Fragen für unser Quiz entwickelt. Das finale Quiz sieht folgendermaßen aus:

Quiz

Weitere Informationen


Mit dem Quiz können wir einen Beitrag dazu leisten, die Leerstelle zwischen Lerndaten und Unterrichtsplanung zu schließen. Um die Wirksamkeit des von uns entwickelten Quiz zu prüfen, wollen wir dieses im nächsten Schritt testen. Dafür suchen wir Testpersonen aus unserer Zielgruppe, von denen wir wissen, dass sie sich bereits mit der Analyse von Lerndaten auseinandersetzen. Basierend auf diesem Feedback überarbeiten wir anschließend unser Quiz.

Im vierten Modul steht die Frage im Fokus, wie Lehrkräfte selbst die Kompetenzen aus den verschiedenen Kompetenzbereichen erwerben können. Schaut man sich die verschiedenen medienbezogenen Kompetenzrahmen genauer an, können die darin beschriebenen Kompetenzanforderungen schnell überfordernd wirken. Denn neben formellen Kontexten des Kompetenzerwerbs - wie beispielsweise Lehrveranstaltungen an Hochschulen - kann Kompetenzerwerb auch in informellen Kontexten erfolgen, insofern sind die Möglichkeiten, den eigenen Kompetenzerwerb zu stärken, im Prinzip unendlich. Damit dies nicht zu einer durch Überforderung bedingten Resignation führt, kann es helfen, sich den eigenen Kompetenzen und ggf. Kompetenzlücken bewusst zu werden und diese aktiv anzugehen. Wähle dafür eine konkrete Kompetenz aus, in dem Du Dich noch nicht so fit fühlst und erstelle für Dich einen Plan, wie Du diese Kompetenzlücke füllen kannst. Der Beitrag soll insgesamt 400 - 600 Wörter umfassen. Bitte achte auf eine korrekte Zitation externer Quellen.